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Bayern: So viele Lehrer und so wenige Schüler wie noch nie

MÜNCHEN (Mit Leserkommentaren). Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) kann einen neuen Rekord in der Unterrichtsversorgung melden: Rein rechnerisch betreut ein Lehrer – wobei Teilzeitkräfte mit eingerechnet sind – nur noch 14,6 Schüler. Die Schülerzahl sinkt um über 25 000 auf 1,72 Millionen; gleichzeitig gibt es gut 1000 Lehrer mehr.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Foto: Michael Lucan / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Foto: Michael Lucan / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

«Das ist ein gewaltiger Schritt nach vorne, und wir werden diesen Trend weiter fortsetzen», sagte Spaenle. Rund 107.000 Erstklässler werden nach dem Ende der Sommerferien am kommenden Donnerstag die Schule besuchen. Trotz der sinkenden Schülerzahlen will Spaenle weiter für ein «Mehr an Lehrkräften» kämpfen: «Wenn ich Kinder unterrichten will, kann ich keinen Kühlschrank reinstellen.» Der Minister begründete den Bedarf an neuen Lehrern mit den geänderten Bedingungen an den Schulen: dem Ausbau der Ganztagsangebote, der geplanten besseren Betreuung der einzelnen Schüler und dem Erhalt kleiner Schulen. «Wir haben Herausforderungen, die es in den vergangenen 20 Jahren in dieser Form nicht gab», sagte er.

Der Schuletat der Regierung ist um mehr als ein Viertel gestiegen – von 7,38 Milliarden Euro 2002 auf knapp 10 Milliarden Euro in diesem Jahr. Spaenle meldete als Erfolg, dass im neuen Schuljahr nur noch drei Hauptschulen wegen Schülermangels geschlossen werden. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hatte das Ministerium Hunderte kleiner Schulen dicht gemacht.

Spaenle bekräftigte, dass es im neuen Schuljahr viele Verbesserungen des Unterrichts geben soll, die den Schülern das Lernen erleichtern sollen. Dazu gehören neben den zusätzlichen Lehrern die Ausweitung der sogenannten «flexiblen Grundschule» von 20 auf 80 Schulen. Das bedeutet, dass die Kinder wahlweise ein Jahr schneller oder langsamer die Grundschule absolvieren können. An 78 der 418 Gymnasien sind Einführungsklassen geplant, die Real- und Mittelschülern den Aufstieg zur höheren Schule erleichtern sollen. Wegen der vielen Beschwerden über eine zu hohe Belastung am G8 wurde der Gymnasiallehrplan in 11 von 25 Fächern gekürzt.

Der SPD-Bildungsexperte Martin Güll kritisierte, dass es für die Unterrichtsqualität im Schulalltag keine Verbesserungen geben werde. «Bayern schafft es wieder nur, die Grundversorgung zu sichern, stellt aber keine zusätzlichen Ressourcen für die individuelle Förderung bereit. Für mich ist das die Bankrotterklärung der CSU-Schulpolitik.» Thomas Gehring (Grüne) klagte, das Missmanagement des Ministeriums sorge dafür, dass die Lehrerversorgung an den Mittel- und Grundschulen vor Ort in vielen Fällen noch nicht gesichert sei und es schwierig sei, die befristeten Stellen zu besetzen. Günther Felbinger (Freie Wähler) kritisierte, noch immer mangele es an Bildungsgerechtigkeit, an Personal und an fachgerechter Betreuung.

Spaenle räumte ein, dass die Bildungschancen der Kinder in Bayern nach wie vor zu stark von Wohlstand und Bildung der Eltern abhängen: «Die soziale Prägewirkung der Herkunft ist immer noch zu hoch.» dpa
(8.9.2012)

Zum Bericht: “Bayerns SPD kritisiert ungleiche Bildungschancen”

2 Kommentare

  1. 14 Schüler pro Klasse klingt schön. Das sollte ein Richtwert sein und nicht nur statistischer Durchschnitt, denn Durchschnitt bedeutet ja, dass eben doch viele Klassen darüber liegen. Was es ausmacht, wenn Teilzeitkräfte mitgerechnet werden oder nicht, verstehe ich momentan nicht, wahrscheinlich ist das aber doch eher ein statistischer Trick – so wie bei den Arbeitslosenzahlen, bei denen auch diverse Gruppen Arbeitsloser nicht mitgezählt werden. (In der DDR nannten wir das “Schönfärberei”.)

  2. … Hm, besteht der statistische Trick vielleicht darin, dass es an einer Schule normalerweise mehr Lehrer als Klassen gibt? Wenn man dann einfach für die Lehrer-Schüler-Relation die Zahl der Schüler durch die Zahl der Lehrer teilt, kommt natürlich eine andere (günstigere!) Zahl heraus als wenn man die Zahl der Schüler durch die Zahl der Klassen teilt. Wie sagt man: Glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

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