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Bayerns SPD kritisiert ungleiche Bildungschancen

MÜNCHEN. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs nutzt die SPD die Statistiken des Kultusministeriums als Munition für den Vorwurf mangelnder Bildungsgerechtigkeit.    

Bayerns Gymnasien und Realschulen sind nach neuen Zahlen hauptsächlich nach unten durchlässig. Die Aufstiegschancen von Mittel- und Realschülern in Richtung Gymnasium seien dagegen sehr begrenzt, kritisierte SPD-Bildungsexperte Martin Güll in München. Er berief sich auf die Statistiken des Kultusministeriums. Demnach schafften 1129 Schüler im Schuljahr 2010/11 den Aufstieg in Realschule oder Gymnasium. Doch 11 471 Kinder – mehr als zehnmal so viele – mussten Realschule oder Gymnasium in Richtung untere Schularten verlassen.

«Das Märchen, es handle sich in Bayern um ein durchlässiges Schulsystem, muss man begraben», kritisierte Güll. «Mittelschülern gelingt es praktisch überhaupt nicht, auf ein Gymnasium zu kommen.» Der SPD-Landtagsabgeordnete bekräftigte deswegen seine Forderung nach Einführung einer Gemeinschaftsschule in Bayern.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wies den Vorwurf ungleich verteilter Chancengerechtigkeit zurück. «Wir arbeiten mit Nachdruck an gleichwertigen Lebensbedingungen für die jungen Menschen in Stadt und Land und erhöhen die Durchlässigkeit im Bildungswesen weiter», erklärte Spaenle. So gebe im neuen Schuljahr zusätzliche Lehrerstellen bereit, um kleine Grundschulen auch im ländlichen Raum zu erhalten und habe das Kultusministerium seit 2008 insgesamt 16 Realschulen und 12 Gymnasium neu gegründet. Außerdem werde die Zahl der Einführungsklassen deutlich erhöht, die Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss auf die Oberstufe des Gymnasiums vorbereiten sollen.

Güll hatte insgesamt 104 parlamentarische Anfragen zu Schulbesuch und Übertrittsquoten in sämtlichen Landkreisen und kreisfreien Städten an das Kultusministerium geschickt. Die Antworten des Ministeriums zeigen auch, dass es weiter große regionale Unterschiede beim Schulbesuch gibt. So wechselten 2010/11 gut 61 Prozent der Münchner Viertklässler auf ein Gymnasium, im Landkreis Rottal-Inn waren es dagegen nur 25,5 Prozent. In ländlichen Regionen gebe es nach wie vor zu wenig Gymnasien, sagte Güll. «Gemeinschaftsschulen können auch an den kleinsten Standorten etabliert werden.»

Der bayerische Philologenverband (bpv) kritisierte dagegen, dass wenige Tage vor Schuljahresbeginn an den Gymnasien die volle Unterrichtsversorgung für alle Klassen in allen Fächern immer noch fraglich sei. Mathematiklehrer seien nach wie vor Mangelware und heiß begehrt, an manchen Gymnasien gebe es immer noch Lücken in den Stundentafeln, erklärte bpv-Präsident Max Schmidt. dpa

(7.9.2012)

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