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Dicke Luft trotz neuer Fenster: Zu viel CO2 im Klassenraum

NÜRNBERG. Nach energetischen Sanierungen an bayerischen Schulen ist Schülern und Lehrkräften zwar muckelig warm – sie atmen aber jetzt auch viel zu viel CO2 ein. Welche Auswirkungen die neuen Fenster haben können, hatte offensichtlich niemand vorher bedacht.

Fenster (Symbolbild)

Das Bundesumweltamt empfiehlt, bei Schulneubauten Lüftungsanlagen einzubauen. Foto: Bastian Greshake/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die gute Nachricht zuerst: Zu viel Kohlendioxid macht nicht krank – dafür aber schlapp. Das ist besonders unpraktisch, wenn man eigentlich wach und aufmerksam sein soll – wie Schüler und ihre Lehrer. In einigen Schulen in Nürnberg sind nach energetischen Sanierungen die CO2-Konzentrationen viel zu hoch, wie Messungen ergeben haben. Der Umweltreferent der Stadt, Peter Pluschke, hatte den „Nürnberger Nachrichten“ gegenüber eingeräumt: „Wir kommen um den nachträglichen Einbau von Lüftungsanlagen nicht herum.“ Der Chef des Hochbauamtes, Wolfgang Vinzl, bestritt gegenüber der Zeitung jedoch, dass eine umfassende technische Nachrüstung der wärmegedämmten Schulen mit elektrischen Lüftungen jemals angedacht war.  Im Juni hatte sich zwar eine seiner Mitarbeiterinnen noch so zitieren lassen, „dabei handelte es sich aber um ein Missverständnis“, sagte Vinzl laut „Nürnberger Nachrichten“ jetzt.

Die Stadt hatte mit den Mitteln des Konjunkturpakets II insgesamt 25 Gebäude mit Dämmplatten und dichten Fenstern verkleidet – eigentlich mit dem Ziel, das Klima in den Häusern zu verbessern. Welche Auswirkungen das auf die Luft in Klassenzimmern haben kann, sei nicht mitbedacht worden, gab der Leiter des Hochbauamtes gegenüber der Zeitung zu.

Lüftungsanlagen fehlen

Der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag zufolge herrscht landesweit in vielen Klassenzimmern dicke Luft – nicht nur in Nürnberg. Durch den Einbau luftdichter Fenster sei vielerorts der Luftaustausch reduziert worden, erklärte der schulpolitische Sprecher Thomas Gehring. Er forderte, bei der staatlichen Förderung von Sanierungen oder Neubauten an Schulen Lüftungen mit vorzusehen. Denn:“Je mehr Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer anwesend sind, desto höher steigt der  CO2-Wert. Der aber beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit.“

Die Bewerbungsphase für das Konjunkturpaket II lief im Jahr 2009. Damals sei es bundesweit noch nicht üblich gewesen, elektrische Lüftungsanlagen mitzuplanen. Kritiker des Konjunkturpakets merken an, dass die Gelder damals sehr schnell beantragt werden mussten und Kommunen deshalb nicht die Zeit gehabt hätten, sich von Planern ausgefeilte Lüftungskonzepte erstellen zu lassen. Tatsächlich gab das Förderprogramm von den Kommunen nicht vor, die Anreicherung von CO2 oder Schadstoffen in den Innenräumen der gedämmten Gebäude mit zu bedenken.

Tatsächlich aber findet sich in den Publikationen des Bundesumweltamtes aus dem gleichen Jahr ein Leitfaden für Schulen, der empfiehlt, bei Schulneubauten Lüftungsanlagen einzubauen.  Direktor Heinz-Jörn Moriske sagte den „Nürnberger Nachrichten“ dazu, dass zahlreiche Studien belegten, „dass ohne mechanische Lüftungen bei gleichzeitig stark erhöhter Luftdichtheit der Gebäudehülle die CO2-Konzentrationen in Klassenzimmern fast nicht mehr in den Griff zu bekommen sind“.

Wie die Verantwortlichen der Stadt das Problem lösen werden, ist bislang noch unbekannt. Klar ist: Die betroffenen Schulen nachträglich mit Lüftungen auszustatten, wäre enorm teuer. Zwei Schulgebäude wurden bereits aufgerüstet. jh, mit Material von dpa

(31.08.2012)

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