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Familien im Dauerstress – Väter und Mütter am Rande des Burn-outs?

WUPPERTAL. Steigender beruflicher Druck einerseits, hohe Ansprüche an die Elternrolle andererseits: Väter und Mütter in Deutschland fühlen sich zunehmend überfordert. Das belegt die achte Vorwerk-Familienstudie.

Eltern wünschen sich viel gemeinsame Zeit - erleben diese aber nach eigenem Empfinden viel zu wenig. Foto: Glyn Lowe Fotoworks (CC BY 2.0)

Eltern wünschen sich viel gemeinsame Zeit – erleben diese aber nach eigenem Empfinden viel zu wenig. Foto: Glyn Lowe Fotoworks (CC BY 2.0)

Arbeitsbelastung, Kinderbetreuung, Hausarbeit: Die Familien im Jahr 2012 in Deutschland sind im Dauerstress und haben kaum Zeit füreinander. Das geht aus der Vorwerk-Familienstudie hervor, für die das Allensbach-Institut im Juni mehr als 1600 Menschen in Deutschland repräsentativ befragt hat.

«Die Eltern sehen sich Leistungsdruck ausgesetzt. Einerseits dem beruflichen Erwartungsdruck, andererseits den gestiegenen Erwartungen an die Mutterrolle», sagt Studienleiter Rüdiger Schulz. «Förderkurse, Musizieren, Sport – man meint, Kindern heute alles bieten zu müssen.»

Das führt dazu, dass die Mehrheit der berufstätigen Mütter (55 Prozent) angibt, in der Freizeit nur selten entspannen zu können. Bei den berufstätigen Vätern liegt die Quote der Dauer-Gestressten bei 49 Prozent. Ein Volk am Rande des Burn-outs?

Ein weiterer Faktor: Die Arbeit tritt mittlerweile auch nach Dienstschluss in Konkurrenz zu den Kindern: 29 Prozent der Befragten geben an, im Feierabend für Kollegen, Kunden und Vorgesetzte ansprechbar sein zu müssen. Leitende Angestellte sind davon weit stärker betroffen als etwa Facharbeiter.

Zwar sind die überwiegend in Teilzeit arbeitenden Mütter seltener als die Väter im Feierabend für ihre Firma erreichbar, die Doppelbelastung der Familienarbeit schlägt bei ihnen dafür umso stärker zu Buche. Während die Väter sich mehr Zeit mit der Familie wünschen, hätten die Mütter gerne einfach nur mehr Zeit für sich selbst.

Bei keiner Frage der Demoskopen klafften Anspruch und Wirklichkeit so sehr auseinander, wie bei der Frage nach viel gemeinsamer Zeit der Familie: 83 Prozent halten das für wünschenswert, nur 28 Prozent sehen es als verwirklicht.

Derart in Zeitnot, zeigen sich die Deutschen offen für Lösungsansätze: Das Wohnen verschiedener Generationen unter einem Dach trifft auf enormes Interesse. 76 Prozent halten solche Mehrgenerationenhäuser für eine «gute Sache», nur 14 Prozent lehnen diese Wohnform ab, deren Idee es ist, dass Ältere auf die Kinder aufpassen und die Jüngeren im Gegenzug für die Älteren Besorgungen erledigen. Die Mehrheit der Befragten (51 Prozent) kann sich sogar vorstellen, selbst in einem solchen Haus zu leben.

Nach wie vor erledigen Frauen die Hausarbeit

Bei der Idee einer «Großelternzeit», von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ins Gespräch gebracht, ist das Echo verhaltener: 40 Prozent können sich vorstellen, zugunsten der Enkel im Beruf kürzer zu treten. Für 44 Prozent kommt das nicht infrage.

Nach wie vor erledigen laut Studie Frauen den Großteil der Hausarbeit. Tröstlich: Die Mütter erhalten dafür inzwischen mehr Anerkennung: Sahen 2005 nur 53 Prozent der Frauen ihre Arbeit für die Familie ausreichend gewürdigt, sind es inzwischen 71 Prozent.

Die Familienstudie im Auftrag des Wuppertaler Haushaltsgeräteherstellers Vorwerk ist zum achten Mal erstellt worden. Sie soll jährlich fortgeführt werden. FRANK CHRISTIANSEN, dpa
(12.9.2012)

Zum Bericht: “Eltern loben Lehrer – und schimpfen auf das Schulsystem”

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