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Mädchenrealschule in Schlehdorf schließt trotz massiver Proteste

SCHLEHDORF/MÜNCHEN. Immer mehr Schulen schließen wegen zu geringer Schülerzahlen. So lautet auch die Begründung bei der Mädchenrealschule im bayrischen Schlehdorf. Wer entschieden hat, bleibt derweil unklar. Das Erzbistum München-Freising und das Kultusministerium schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter für die unbeliebte Maßnahme zu. 

Die Mädchenrealschule, die zum beschaulichen Kloster Schlehdorf gehört, soll geschlossen werden. (Foto: Schlaier/Wikimedia)

Die Mädchenrealschule, die zum beschaulichen Kloster Schlehdorf (im Hintergrund) gehört, soll geschlossen werden. (Foto: Schlaier/Wikimedia)

Alle Proteste von Eltern und Schülern – zuletzt eine Mahnwache am Mittwochabend – halfen nichts: Das Erzbistum München-Freising hält an der Schließung seiner Mädchenrealschule in Schlehdorf nahe dem oberbayerischen Kochelsee fest. Seit Wochen wehren sich auch Politiker der Region gegen das endgültige Aus im Sommer 2018 für die traditionsreiche Klosterschule. Und auch der Streit zwischen Staat und Kirche um den Grund für die Schulschließung geht munter weiter.

Anfängerinnen werden im Schuljahr 2012/2013 zwar noch aufgenommen, das am Donnerstag begann. Es gibt aber in Schlehdorf keine Neueinschreibungen mehr für die 5. Klasse im Schuljahr 2013/2014. Zur Begründung für die Schließung der katholischen Schule führt die Kirchenleitung weiterhin an, dass die staatliche Knabenrealschule im nahen Murnau am Staffelsee nun auch Mädchen aufnimmt.

Das Erzbischöfliche Ordinariat in München war nach Bekanntwerden der Schließung im Sommer vom Ausmaß der Proteste überrascht worden. «Wir müssen dennoch mit Blick auf die zugrundeliegenden Tatsachen bei unserer Entscheidung bleiben», teilte Generalvikar Peter Beer nun mit. Der Leiter der Bistumsverwaltung kündigte ein Treffen mit dem Elternbeirat an. Zur Begründung für die Schließung führte Beer erneut den Schülerinnenschwund an, was vor allem an der Öffnung der Murnauer Realschule für Mädchen liege, aber auch mit dem demografischen Wandel zu tun habe. Beer: «Das ist die Realität, vor der wir stehen.»

Die Bistumsleitung hatte das Kultusministerium mehrfach vor der Öffnung von Murnaus staatlicher Knabenrealschule für Mädchen gewarnt. Die Schulbehörde wies jedoch darauf hin, dass sie die Knabenrealschule in Murnau erst dann für Mädchen geöffnet habe, als die Bistumsleitung dem Ministerium im Mai die Schließung ihrer Mädchenrealschule angekündigt habe.

«Das Kultusministerium trifft keine Entscheidung, die eine Schule gleich welcher Trägerschaft im Bestand gefährdet», erläuterte Ministeriumssprecher Ludwig Unger in München. Die staatliche Realschule in Murnau sei daher trotz Protesten in der Region zunächst als Knabenrealschule geführt worden, um die kirchliche Mädchenrealschule nicht in ihrem Bestand zu gefährden. Zum Ausgleich für die Schließung der Schlehdorfer Einrichtung will das Erzbistum in Garmisch-Partenkirchen im Verbund mit den dort bereits bestehenden St.-Irmengard-Schulen eine Fachoberschule eröffnen. dpa

(18.9.2012)

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