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Mediziner: Neuer Impfstoff gegen Hirnhautentzündung in Reichweite

WÜRZBURG. Für Kinder kann eine Hirnhautentzündung tödlich sein oder bleibende Schäden hinterlassen. Es gibt bereits Impfungen, doch die schützen nur vor etwa einem Drittel der Meningokokken-Bakterien. Nun sind die Mediziner mit einem neuen Impfstoff einen großen Schritt weiter. 

Meningokokken im Labor. Foto: Copacopac / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Meningokokken im Labor. Foto: Copacopac / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Für von Meningokokken-Bakterien ausgelöste Hirnhautentzündungen könnte es Experten zufolge bald einen noch verlässlicheren Impfstoff geben. «Wir rechnen damit, dass schon im nächsten Jahr ein Impfstoff zugelassen wird, der gegen fast alle Meningokokken-Typen wirksam sein kann», sagte Matthias Frosch vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Würzburg. Der neue Impfstoff wirkt gegen Meningokokken des Typs B. Das ist dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge mit fast 73 Prozent der bei weitem häufigste Erregertyp bei Hirnhautentzündungen. Dagegen gibt es bislang noch keinen wirksamen Impfstoff. «Wenn man den (Typ B) mit einer Impfung vermeiden kann, wäre das schon ein großer Fortschritt», sagte eine RKI-Sprecherin.

Auf der Internationalen Neisserien-Konferenz in Würzburg wird von Sonntag an auch der neu entwickelte Impfstoff besprochen. Neisserien sind eine Bakterien-Gattung, die die Geschlechtskrankheit Tripper, Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen auslösen können. Es werden mehr als 430 Experten aus aller Welt erwartet.

Mikrobiologe Frosch leitet den Kongress. Seiner Ansicht nach kann der neue Wirkstoff gegen den Typ B «ein Impfstoff gegen den letzten großen Killer im Kindesalter» werden. «Wenn dieser Impfstoff hält, was er verspricht, wird es in Zukunft fast keine eitrigen Hirnhautentzündungen mehr geben», sagte der Mikrobiologe weiter. Die bisherigen Impfstoffe könnten nur bis zu maximal einem Drittel der Erkrankungen verhindern. Der neue Wirkstoff beruhe nicht wie bislang auf den Zuckerstrukturen, sondern stattdessen auf den Eiweißen des Bakteriums.

Die Entzündung der Hirnhäute tritt überwiegend bei Kleinkindern und Jugendlichen auf und wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Deutschlandweit gebe es jährlich etwa 400 bis 500 Fälle. Die Sterblichkeit liege jedoch bei neun Prozent und bei zehn Prozent der Patienten träten Folgeschäden auf, so der Würzburger Forscher.

Im Moment werde der neue Impfstoff auf europäischer Ebene zugelassen. Frosch und seine Kollegen gehen derzeit davon aus, dass die Lizenz Anfang 2013 erteilt wird. Dann werde sich die Ständige Impfkommission damit beschäftigen. Sollte diese die Impfung für Deutschland empfehlen, sei es möglich, dass die Impfung eine Pflichtleistung der Krankenkassen wird. dpa
(8.9.2012)

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