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Schulen unter der Lupe: Münch veröffentlicht Prüfberichte

POTSDAM. Top-Ausbildungsort oder verstaubte Erziehungsanstalt? Wie gut Brandenburgs Schulen sind, lässt sich ab sofort im Internet nachlesen. Allerdings wird nicht jedes Detail veröffentlicht.

Kultusministerin, Ärztin, Mutter von sieben Kindern: Martina Münch (SPD).

Kultusministerin, Ärztin, Mutter von sieben Kindern: Martina Münch (SPD).

Eltern können sich künftig im Internet über die Qualität der brandenburgischen Schulen informieren. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) schaltete die ersten 70 Kurzberichte von öffentlichen Schulen frei. Sie sind im Internet abrufbar und enthalten etwa Aussagen zur Unterrichtsorganisation, zum Schulklima und zur Zufriedenheit von Schülern und Eltern.

Ziel sei mehr Transparenz und schulische Weiterentwicklung, sagte Münch. «So kann jeder sehen, wie gut eine Schule in bestimmten Bereichen ist.» In den kommenden Monaten sollen Berichte über die restlichen öffentlichen Schulen im Land online gehen. Die Veröffentlichung unliebsamer Informationen können die Schulleitungen allerdings verhindern oder zumindest einschränken.

Grundlage der Daten sind die sogenannten Schulvisitationen. Dabei nehmen externe Fachleute jede einzelne der landesweit mehr als 700 öffentlichen Schulen alle fünf Jahre gründlich unter die Lupe. Das bundesweit einzigartige Konzept war im Schuljahr 2005/2006 eingeführt worden – unter anderem wegen der teils schlechten Ergebnisse märkischer Schüler bei Vergleichstests wie etwa PISA.

Die Lehrkräfte organisieren den Unterricht überwiegend zweckmäßig, so dass die Unterrichtszeit weitgehend als Lehr- und Lernzeit genutzt wurde», heißt es etwa in dem Kurzbericht über die Grundschule Glienicke im Landkreis Oberhavel. Aber: Den Lehrern fehle Unterstützung durch eine Sozialarbeiterin, um den veränderten Anforderungen der Schule gerecht zu werden.

Die Sozialarbeiterin sei inzwischen eingestellt, berichtete die Leiterin der Glienicker Grundschule, Antje Burmeister. Zudem habe man ein Konzept zur Begabtenförderung erstellt. In den Fluren gebe es «moderne Lerninseln», und in den Klassenräumen seien interaktive Tafeln geplant. «Es ist viel in Bewegung an unserer Schule», sagte Burmeister. Strukturelle Probleme, etwa der notorische Mangel an Lehrern, würden durch die Schulvisitation gleichwohl nicht gelöst.

Erst am Samstag hatten mehr als 1100 Pädagogen aus ganz Brandenburg eine Entlastung der Lehrer, mehr Stellen und Wertschätzung für ihren Beruf gefordert. In einer «Potsdamer Erklärung» verlangten Lehrer und Personalräte von der rot-roten Landesregierung, zügig die aus ihrer Sicht dramatische Schieflage in der Bildungspolitik zu beheben. Unter anderem werden weniger Unterrichtsstunden pro Woche und die Rücknahme von Einkommenskürzungen gefordert.

Bildungsministerin Münch wies die Kritik zurück. Im Bundesvergleich sei Brandenburg mit Lehrern «gut ausgestattet». Mit 28 Pflichtstunden seien märkische Grundschullehrer sicher am «oberen Limit». Der Einsatz der Kollegen und die Regelung von Vertretungsstunden seien aber «auch Sache von Schulmanagement», erklärte Münch.

Wie die Grundschule Glienicke mit ihren 700 Kindern ihr Schulmanagement handhabt, bleibt übrigens intransparent. «Die Ergebnisse in diesem Bereich werden nicht veröffentlicht», heißt es dazu im Kurzbericht der Schulvisitatoren. HAIKO PRENGEL, dpa

(24.9.2012)

Zum Bericht: “Streit um Rankings in der Bildung: Erste Uni steigt aus”

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