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Schulessen? Nein danke. Viele Jugendliche gehen lieber zum Imbiss

SCHWERIN. Bundesweit nicht mal die Hälfte der Jugendlichen nutzen die Angebote der Schulmensen – sie gehen lieber zum Bäcker oder in den Schnellimbiss. Ganz verdenken kann man ihnen das nicht: Die Qualität des Schulessens lässt oft zu wünschen übrig.

Häufig mangele es an der Qualität des Schulessens, sagen Wissenschaftler. (Foto: Moe/Flickr CC BY 2.0)

Häufig mangele es an der Qualität des Schulessens, sagen Wissenschaftler. (Foto: Moe/Flickr CC BY 2.0)

Streit ums Schulessen ist bei Kindern, Eltern und Lehrern ein Dauerbrenner. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist immer wieder auf die Bedeutung einer gesunden Pausenversorgung für gute Lernergebnisse hin. «Schulverpflegung und Ernährungsbildung gehören zusammen», sagte Meike Halbrügge, Projektleiterin bei der Vernetzungsstelle Schulverpflegung der DGE Mecklenburg-Vorpommern. Schüler müssten beim Essen als Kunden verstanden werden. Die Mensa solle nicht bloß «abfüttern», sondern ein sozialer Ort und geselliger Treffpunkt für Schüler und Lehrer sein, forderte die Ernährungswissenschaftlerin.

Am 26. September führen die DGE-Vernetzungsstellen der norddeutschen Bundesländer zum zweiten Mal den «Tag der Schulverpflegung» durch. Der Aktionstag soll dazu dienen, das Schulessen öffentlich zu thematisieren, schmackhafte Gerichte – etwa ein Aktionsmenü – vorzustellen und schulische Aktivitäten zur Ernährungs- und Verbraucherbildung zu starten, wie Halbrügge erklärte.

Laut DGE nehmen bundesweit nicht mal die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen ihr Mittagessen vor Ort ein, auch wenn es dort angeboten wird. In den ostdeutschen Ländern seien es etwa 62 Prozent «Schulesser», in Mecklenburg-Vorpommern je nach Schulart im Schnitt zwischen 30 und 80 Prozent, wie es hieß. Während noch drei von vier Grundschülern in der Mensa essen, halbiere sich die Teilnehmerzahl ab Klasse sieben. Gründe seien meist auswärtige Imbissangebote, unpassende Räume und kurze Essenspausen, so Halbrügge.

Die Jugendlichen essen lieber am Schulkiosk, bringen sich etwas mit, gehen zum Bäcker oder zum Supermarkt um die Ecke, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Oft trifft die Schulspeisung nicht den Geschmack der Kinder und Jugendlichen.  «Bei den älteren Schülern muss ein ansprechenderes System gewählt werden», sagt Alexandra Lienig, Projektleiterin für Schulessen bei der Thüringer Verbraucherzentrale. So komme ein Buffet viel besser bei den Kindern und Jugendlichen an.

Vorgekochtes Essen über lange Wege angeliefert

Einer Befragung von 2010 zufolge erhalten 87 Prozent der Schulen im Nordosten vorgekochtes Essen von einem Caterer vielfach über lange Wege angeliefert. «Gemüse und Nudeln sind dann eben nur noch matschig, der Geschmack bleibt auf der Strecke», weiß Halbrügge. Nicht mal jede zehnte Schule habe eine richtige Küche, noch seltener werde aus frischen Zutaten gekocht. Zudem: Nur 35 Prozent der Speisepläne sehen täglich frisches Gemüse oder Rohkost vor, Jägerschnitzel, Hackbällchen und Co. kommen dagegen in 97 Prozent der Einrichtungen deutlich häufiger auf den Teller, als es die DGE empfiehlt. Die DGE sieht vor, dass es viermal pro Monat Fisch gibt – Fleisch dagegen höchstens achtmal. Süße Hauptgerichte wie Grießbrei oder Milchreis sind zweimal pro Monat im DGE-Speiseplan vorgesehen.

Nach Ansicht der stellvertretenden Landesvorsitzenden des Thüringer Lehrerverbands, Susanne Beutel, sind eigene Schulküchen von der Kalkulation her nicht machbar. Die Kosten für Personal und Hygiene würden sich auf den Essenspreis schlagen, der dann bei mindestens vier bis fünf Euro liegen würde. Auch Buffets seien wegen des Kostenfaktors eher die Ausnahme. Meist komme das Essen in großen Warmhaltebehältern. «Da wird sicherlich schon viel möglich gemacht. Aber wenn ich 1000 Schüler versorgen muss, kann ich nicht vorhalten, dass das Essen knusprig frisch ist», beschreibt Beutel die Zwickmühle vieler Anbieter. In den Regelschulen und Gymnasien reduziere sich die Teilnahme an der Schulspeisung oftmals auf zehn Prozent. Schüler nutzten Pausen und Essengeld anders. Mädchen wollen schlank bleiben.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will, dass alle Kinder in der Schule mitessen können. «Am besten kostenfrei», sagt Petra Rechenbach, Referentin für Bildung der GEW. Zudem müsse mehr Vielfalt angeboten werden und auch an Kinder, die beispielsweise kein Schweinefleisch essen, gedacht werden. Die Politik sieht dafür die Anbieter in der Pflicht – und die Eltern. Die Brandenburgische Verbraucherschutzministerin Anita Tack (Linke) etwa meint: «Ernährungskompetenz können wir unseren Kindern am besten durch gutes Beispiel vermitteln.» Darüber hinaus sollten die Caterer «qualitativ gute Speisen auf den Teller bringen, die gesund sind, gut schmecken und abwechslungsreich zubereitet sind.» Ein frommer Wunsch. dpa
(17.9.2012)

 

 

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