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Studie: Zweisprachigkeit kann sozioökonomische Nachteile ausgleichen

LUXEMBURG. Zweisprachig aufwachsende Kinder sind konzentrierter und aufmerksamer als einsprachig aufwachsenden Kinder.  Kinder aus einkommensschwachen Familien können damit die möglichen Nachteile ihrer Herkunft teilweise ausgleichen. Das ist das Ergebnis einer kürzlich an der Universität Luxemburg durchgeführten Studie, die im Journal Psychological Science veröffentlicht wurde.

Ein Leben in Armut ist oft verbunden mit Bedingungen, die einen negativen Einfluss auf die kognitive Entwicklung haben können. Zusammen mit Forschungskollegen der Universität Minho, Portugal, und York Universität, Canada, untersuchte Dr. Pascale Engel de Abreu, Wissenschaftlerin für Psychologie, welchen Einfluss das Sprechen von zwei Sprachen auf die mentalen Prozesse einkommensschwacher Kinder hat. „Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass zweisprachige Kinder aus einkommensschwachen Familien zwar viele sprachliche Herausforderungen bewältigen müssen, sie jedoch auch wesentliche Stärken haben, was nicht-sprachliche, für das Lernen entscheidende kognitive Fähigkeiten angeht“, sagt Engel de Abreu.

Kindergedächnisse profitieren von unterschiedlichen Sprachkenntnissen. (Foto: Nick See/Flickr CC BY-NC 2.0)

Kindergedächnisse profitieren von unterschiedlichen Sprachkenntnissen. (Foto: Nick See/Flickr CC BY-NC 2.0)

Die Forscher glauben, dass die Forschungsergebnisse darüber informieren oder dazu anregen, die Leistungsunterschiede zwischen Kindern mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund zu verringern. „Fremdsprachenunterricht benötigt keine teure Ausstattung. Er erweitert den sprachlichen und kulturellen Horizont von Kindern und fördert eine gesunde Entwicklung des Kommandosystems des Gehirns, das für die Planung und Problemlösung wichtig ist“, sagt Engel de Abreu.

Insgesamt nahmen 80 Zweitklässler aus einkommensschwachen Familien an der Studie teil. Die eine Hälfte der Kinder waren aus dem Norden Portugals stammende Migranten der ersten oder zweiten Generation in Luxemburg, die täglich Luxemburgisch und Portugiesisch sprechen. Die andere Hälfte der Kinder lebte im Norden Portugals und sprach ausschließlich Portugiesisch.

Zuerst untersuchten die Wissenschaftler ihren Wortschatz und baten die Kinder, Gegenstände oder Aktionen auf Bildern zu nennen. Beide Gruppen machten die Aufgabe auf Portugiesisch und die zweisprachigen Kinder machten sie ebenfalls auf Luxemburgisch. Um zu untersuchen, wie die Kinder Wissen im Gedächtnis darstellten, forderten die Wissenschaftler sie auf, ein fehlendes Stück zur Ergänzung einer speziellen geometrischen Form zu finden. Weiter maßen sie auch, wie viele visuelle Informationen die Kinder im Gedächtnis behalten konnten. Anschließend nahmen die Kinder an Aufgaben teil, die ihre Fähigkeit untersuchten, ihre Aufmerksamkeit bei Ablenkung zu lenken und zu fokussieren. Obwohl die zweisprachigen Kinder weniger Wörter kannten als ihre einsprachigen Alterskollegen und keinen Vorteil bei den Gedächtnisaufgaben aufwiesen, schnitten sie bei der Kontrollaufgabe, bei der sie ihre Aufmerksamkeit unter Ablenkung lenken und fokussieren mussten, besser ab.

„Kinder aus einkommensschwachen Familien sind eine besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe“, sagt Engel de Abreu. „Untersuchungen der kognitiven Prozesse in dieser Gruppe sind für die Gesellschaft von großer Wichtigkeit und ein wesentlicher Fortschritt für unser Verständnis darüber, wie sich Kinder entwickeln.“ nin

(3.9.2012)

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