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Urlaub zur Unzeit? GEW gegen Warminski-Leitheußer

STUTTGART. Zum Schuljahresauftakt in Baden-Württenberg hat die Lehrergewerkschaft GEW Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) massiv angegriffen – wegen ihres angeblichen Urlaubs in der vergangenen Woche.

In der Kritik: Baden-Württenbergs Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

In der Kritik: Baden-Württenbergs Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

„Ich kann mich nicht erinnern, dass in den vergangenen 30 Jahren ein Schuljahr begonnen und die Kultusminister bei der Vorstellung der Pläne für das kommende Schuljahr gefehlt hätten. Ich kann nicht verstehen, dass die Kultusministerin in dieser entscheidenden Phase für die Haushaltsberatungen und Bildungsreformen Urlaub macht und sich nicht für eine solide Finanzierung der Reformen stark macht“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Statt zu gestalten, soll jetzt ohne erkennbares Konzept auf Kosten der Jüngsten im Land gespart werden. Wenn Grün-Rot mit der wichtigsten Ressource hier im Land so umgeht, wird die Regierung ihre Akzeptanz bei den Wählerinnen und Wählern verlieren.“

In den vergangenen Tagen seien in Stuttgart wichtige Verhandlungen über den nächsten Doppelhaushalt ohne die Spitze des Kultusministeriums gelaufen. Die GEW begrüße zwar die meisten Reformideen der Landesregierung, hieß es. „Nach vielen Gesprächen mit Vertretern der Landesregierung und der Regierungsfraktionen ist aber nicht erkennbar, dass nur ein Bruchteil der Pläne umgesetzt werden kann. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass Kinder und Jugendliche und mit ihnen die Beschäftigten in den KiTas und Schulen keine Lobby mehr im Parlament und auf der Regierungsbank haben“, sagte Moritz. Die GEW-Chefin spielt damit auf den geplanten Abbau von 11.600 Lehrerstellen in Baden-Württemberg an.

Rund 1,2 Millionen Schüler in Baden-Württemberg drücken von morgen an wieder die Schulbank. Die großen Ferien sind vorbei. Für 94 300 Erstklässler beginnt in dieser Woche der Ernst des Lebens – die genauen Einschulungsdaten variieren, da die Grundschulen den Termin selber bestimmen können. Mit dem neuen Schuljahr geht auch ein grün-rotes Reformprojekt an den Start: die Gemeinschaftsschule. 42 Schulen machen hier mit. Damit will die Regierung den bislang engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg verringern.

Zudem werden sich erstmals die Folgen des Wegfalls der verbindlichen Grundschulempfehlung zeigen. Es wechseln mehr Kinder als in den Vorjahren auf das Gymnasium und die Realschulen, während die Übergangsquoten auf Haupt- und Werkrealschulen sinken. Wie eine Sprecherin des Kultusministeriums in Stuttgart mitteilte, verzeichnen Gymnasien und Realschulen einen Zuwachs von jeweils rund 1000 Schülern. Den Gemeinschaftsschulen lagen etwa 2000 Anmeldungen vor. Die Haupt- und Werkrealschulen verzeichnen rund 8800 Anmeldungen weniger als noch vor einem Jahr. «Insgesamt wurden 4800 Schüler weniger als im Vorjahr angemeldet», erklärte die Sprecherin.

Von den 94 300 Erstklässlern werden etwa 88 400 eine Grundschule besuchen. 4300 gehen auf eine Sonderschule, und 1600 Kinder werden bei einer Waldorfschule eingeschult. Die Berufsschulen verzeichnen im Schuljahr 2012/2013 voraussichtlich rund 400 000 Schüler. bibo / mit Material von dpa
(9.9.2012)

Zum Bericht: „Lehrerproteste: Grün-Rot steht ein heißer Herbst bevor“

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