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Anno 1578: Lehrer mussten singen, um ihren Lohn aufzubessern

VERDEN. Das Domgymnasium im niedersächsischen Verden ist eine altehrwürdige Schule – wohl mehr als 1000 Jahre alt. Die Kreiszeitung Syke hat jetzt Auszüge aus einer 1864 erschienenen Schulchronik veröffentlicht, die aus heutiger Sicht erheitern.

Das Domgymnasium in einem alten Stich. Illustration: Domgymnasium Verden

Das Domgymnasium in einem alten Stich. Illustration: Domgymnasium Verden

Die Anfänge der ehemaligen Kirchenschule liegen im Dunklen; indirekte Verweise in frühen Dokumenten lassen allerdings darauf schließen, dass eine Domschule bereits in Verden jahrhundertelang existierte, als der Betrieb 1578 ausführlich dargestellt wurde. Vier Klassen habe es damals gegeben, heißt es in der Chronik, „und in jeder Klasse unterrichtete ausschließlich ein Lehrer, darunter: Rector, Conrector, Cantor und Infimus. In je zwei Morgen- und Nachmittagsstunden wurde Religion, Latein und Griechisch gelehrt. Nach damaligen Schulbestimmungen war den Schülern der Gebrauch der deutschen Sprache in der Schule untersagt. Mangelnde Kenntnisse in Deutsch, Rechnen und Schreiben wurde in der Frühzeit im Privatunterricht vervollständigt“, so heißt es.

Jahresgehalt: Rector 100 Taler, Infimus 20 Taler

Das Gehalt der Lehrer sei sehr gering gewesen. Es sei aus den Zinsen des Stiftungskapitals von 4600 Talern bezahlt worden. Die jährlich anfallenden 230 Taler seien so verteilt worden:  Rector 100, Conrector 60, Cantor 50 und Infimus 20 Taler. „Jedem stand eine Dienstwohnung zu. Mit Einkünften aus kirchlichen Nebentätigkeiten besserten die Lehrer das geringe Einkommen auf. Zu Weihnachten komponierte der Cantor eine Kirchenmusik, die der Conrector textete, das brachte einige Taler.“ Als Vorsänger habe der Cantor im Dom gewirkt, der Infimus habe in St. Johannis und St. Nicolai gesungen und beide hätten dafür Geld erhalten. „Als eine Gegenleistung für den Gesang bei Hochzeiten im Dom standen dem Cantor aus dem Brauthaus zwei Gerichte und eine Kanne Bier zu. Für bestellte Begleitungen einer Leiche und das Hinsingen zum Kirchhof erhielt der begleitende Lehrer sechs Grote (1 Taler = 72 Grote).“

Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg hätten sich Lehrstoff und Lehrerbesoldung geändert. Was allerdings noch lange erhalten blieb: Alle Lehrer seien studierte Theologen gewesen und nur solange im Lehramt geblieben, bis sie eine Pfarre erhalten hätten. „Damit waren sie dann wirtschaftlich bedeutend besser gestellt.“ (23.10.2012)

Darin heißt es:

Ein Kommentar

  1. Oh, ich staune. Lehrer mussten singen, um ihr Gehalt aufzubessern. Na sowas …………

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