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Geheimbund hat Geburtstag: Unter Freimaurern sind heute viele Lehrer

HAMBURG. Von wegen Verschwörung: Seit 275 Jahren gibt es die Freimaurer. Zum Jubiläumsjahr wollen sie der Öffentlichkeit offensiv zeigen, welche humanistischen Ziele sie in Wirklichkeit verfolgen, kündigt ihr Großmeister, der Mediziner Prof. Dr. Rüdiger Templin, an.

Aufnahme eines Kandidaten in die Bruderschaft der Freimaurer, Stich aus dem Jahr 1805. Illustration: Wikimedia Commons

Aufnahme eines Kandidaten in die Bruderschaft der Freimaurer, Stich aus dem Jahr 1805. Illustration: Wikimedia Commons

Die Freimaurer hätten sich sehr verändert, sagte Rüdiger Templin der „Financial Times Deutschland“. Elitär seien ihre Mitglieder schon lange nicht mehr. Heute ginge es quer durch die Gesellschaft, Lehrer, Handwerker, Arbeiter und Angestellte seien die dominierenden Gruppen. Alten Adel finde man zwar immer noch, aber dessen Angehörige seien nicht mehr bestimmend. Immer mehr junge Leute würden außerdem den Weg zu den sogenannten Logen finden.

Im Gegensatz zu anderen Netzwerken ginge es bei den Freimaurern nicht darum, sich gegenseitig Aufträge oder geschäftliche Vorteile zu zuschanzen. Das Hauptanliegen der Freimaurer sei ethische Erziehung und Bildung. „Aus einem guten Mann soll ein noch besser werden“, sagte der Großmeister der Wirtschaftszeitung. Auf der Webseite der ältesten deutschen Loge „Absalom zu den drei Nesseln“ in Hamburg heißt es dementsprechend: „Freimaurer verpflichten sich zu brüderlicher Hilfe für ihre Mitmenschen.“ So wie etwa der Freimaurer und Schauspieler Karlheinz Böhm. Seit über 30 Jahren setzt sich Böhm mit seiner Stiftung „Menschen für Menschen“ in Äthiopien für die Versorgung der Menschen mit Nahrung, Unterkunft und Bildung ein.

Die Freimaurer folgen den Idealen der Aufklärung. Heutzutage eigentlich etwas, mit dem sie in einer demokratischen Gesellschaft nicht mehr weiter auffallen, denn die verfolgt dieselben Werte. Templin registriert jedoch eine Verschiebung der Vorstellungen angesichts des Strebens etwa von Managern oder Ärzten nach immer mehr Geld. Die Mitglieder der Freimaurer könnten hier gegensteuern, indem sie sagten „Halt, bei uns nicht“, sagte er. Die Organisation selber sieht er aber als unpolitisch an. Es gebe keine gemeinsamen Positionen zu aktuellen Themen, die wie in einer Partei ausdiskutiert würden. Ein geeigneter Kandidat, der sich den Freimaurer anschließen wolle, müsse einen guten Leumund haben, dürfte also beispielsweise nicht vorbestraft sein und müsste die grundlegenden Überzeugungen der Organisation teilen.

Unvereinbar mit Katholizismus

Die Freimaurerei versteht sich laut „Wikipedia“ als moralischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität, sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen. In all ihren Ausprägungsformen zählt die Freimaurerei weltweit etwa fünf Millionen Mitglieder. Die katholische Kirche sieht die Zugehörigkeit zur Freimaurerei als unvereinbar mit ihren Grundsätzen an.

Insgesamt gibt es rund 15 000 Freimaurer in Deutschland. Ihren 275. Geburtstag feiern sie in Hamburg.  (3.10.2012)

Hier gibt es weitere Informationen über die Freimaurer – von Freimaurern selbst.  

 

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