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Immer mehr Ausländer studieren in Deutschland

DARMSTADT. Viele Studenten, die jetzt ins Wintersemester starten, haben einen ausländischen Pass. Wie zum Beispiel in Hessen. Dort waren im Wintersemester 2011 27 600 der insgesamt 209 000 Studenten Ausländer. Fast 17 600 sind extra nach Deutschland gekommen, um hier einen Hochschulabschluss abzulegen.

Beliebteste Fächer bei den ausländischen Studenten sind die Rechts- Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. (Foto: Yopuz/Flickr CC BY-SA 2.0)

Beliebteste Fächer bei den ausländischen Studenten sind die Rechts- Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. (Foto: Yopuz/Flickr CC BY-SA 2.0)

So wie etwa der Kameruner Armand Pokam. Er musste sich ganz schön umstellen. «Es ist eine fremde Kultur», beschreibt der Diplom-Anwärter (26) an der Technischen Universität Darmstadt seine Erfahrungen, die auch andere gemacht hätten. Termine einhalten und gleich zur Sache kommen. «Manchmal war die Integration in Deutschland schwer.»

Pokam studiert Elektro- und Informationstechnik. Nach der Schule wollte er eine angewandte Technik lernen, und sein Vater war ein «Fan von Deutschland». Pokam lernte in Bremen Deutsch, sein Studium in Darmstadt begann 2006.

«Für Ausländer ist ein Studium immer ein bisschen schwieriger», sagte die Sprecherin der Universität KASSEL, Annette Ulbricht. Sie würfen ihr Studium öfter wieder hin als Deutsche. Die Universität schätzt, dass es mit den Studentenzahlen zum Wintersemester leicht nach oben geht: Erstsemester werden 5000 erwarten, insgesamt 22 000 Studenten. «Etwa zwölf Prozent sind Ausländer», sagte Ulbricht.

Die TU DARMSTADT rechnet zum Wintersemester mit 25 000 Studenten, unter ihnen 4500 Ausländer. Die Gesamtzahl werde wie in den Vorjahren um 2000 steigen. Es dürften wieder 6000 Erstsemester sein. «Die Zahl der Studenten geht auch nach oben, aber nicht so stark wie insgesamt», sagte TU-Sprecher Christian Siemens.

Die Universität MARBURG rechnet nach einer Schätzung weiterhin mit über 22 000 Studenten, darunter fast 6000 Erstsemester. Die Justus-Liebig-Universität GIEßEN geht davon aus, dass der Rekordwert aus dem Vorjahr von 25 300 Studenten noch einmal übertroffen wird. Die Hochschulen verweisen aber auch darauf, dass genaue Zahlen erst nach Vorlesungsbeginn vorliegen.

Platzprobleme sind auch an der Goethe-Universität in FRANKFURT kein Fremdwort. «Wir kommen an die Grenzen der Kapazität», meinte Sprecher Dirk Frank. Erstsemester werden knapp 8000 erwartet. «Insgesamt dürften wir nach 41 400 im Vorjahr die Marke 42 000 knacken», meinte Frank. Die Zahl der Ausländer liege schon lange bei über 6000. Wo es einfach zu voll wird, werde schon länger reagiert. «Für beliebte Studiengänge gibt es Zulassungsbegrenzungen.» Die «Dienstag-Mittwoch-Donnerstag-Woche», kurz Di-Mi-Do genannt, sei schon lange passé. «Auch der Samstag wird für Seminare genutzt.»

An den Universitäten in Frankfurt, Darmstadt, Kassel, Gießen und Marburg sind unter den ausländischen Studenten die Türken und Chinesen am stärksten vertreten. Allerdings: Von den türkischen Studenten lebten die allermeisten vermutlich schon länger in Deutschland, nur eben ohne deutschen Pass.

Das ist bei anderen Gruppen genau umgedreht. Von den Chinesen waren immerhin 89,7 Prozent (1712) «Bildungsausländer». Das sind die, die sich daheim aufmachen, um im Ausland zu studieren. Auch Amy Baca aus Ecuador ist für das Studium nach Deutschland gekommen. «Die Qualität der Ausbildung ist hier sehr hoch», sagte die 26-Jährige zur Begründung.

Bei den Studiengängen liegen mit Abstand ganz vorn die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, dicht gefolgt von den Ingenieur-Fächern. Landwirtschaft und Ernährung, Sport und Tiermedizin sind dagegen weit abgeschlagen. Joachim Baier/dpa

(7.10.2012)

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