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Neuanfang? Missbrauchsopfer und Schulvertreter treffen sich an der Odenwaldschule

HEPPENHEIM. Mangelnde Aufarbeitung: Vertreter von Schule, Opfern und Politik haben sich nach dem Missbrauchskandal zu einer Gesprächsrunde an der Odenwaldschule getroffen. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Kritik daran gegeben, wie die Schule mit dem Missbrauch durch pädophile Lehrer umgegangen war. Auslöser für das Treffen im südhessischen Heppenheim war eine Petition an den hessischen Landtag. Eingereicht wurde sie von der ehemaligen Schülerin Stefanie Michael.

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

«Die Schule hat getan, als ob nichts gewesen wäre», sagte Michael zum Auftakt des Treffens. Ausgegangen wird inzwischen von mehr als 130 Missbrauchsopfern. Zu dem Gespräch kamen mehr als 20 Teilnehmer, begleitet von zahlreichen Schülern. Dabei war auch der hessische Landtagsabgeordnete Marcus Bocklet (Grüne), er vertritt die Petition.

Einige Daten zum Mißbrauchsskandal:

– 17. November 1999: Ehemalige Schüler der Odenwaldschule werfen dem früheren Leiter der Schule vor, in den 80er Jahren zahlreiche Schüler sexuell missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt bestätigt den Eingang einer Strafanzeige. Ermittlungen habe es aber wegen der Verjährung der angezeigten Vorfälle nicht gegeben.

– 6. März 2010: Die «Frankfurter Rundschau» berichtet von Missbrauch an der Odenwaldschule. Von 1971 bis 1985 könnte es bis zu 100 Opfer gegeben haben. Im Zentrum stehe der damalige Leiter der Eliteschule, Gerold Becker, aber auch andere Lehrer.

– 11. März 2010: Schulleiterin Margarita Kaufmann äußert sich öffentlich «erschüttert und beschämt». Die Odenwaldschule habe «große Schuld auf sich geladen».

– 18. März 2010: Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) kündigt eine Ergänzung des Schulgesetzes an. Ein Versagen der Schulaufsicht beim Umgang mit Missbrauchsfällen sieht Henzler nicht.

– 19. März 2010: Der frühere Schulleiter Gerold Becker gibt sexuelle Verfehlungen zu und bittet Betroffene um Entschuldigung. Becker, der zuletzt in Berlin mit dem Reformpädagogen Hartmut von Hentig zusammenlebte, stirbt im Juli 2010.

– 29. Mai 2010: Nach Streit zwischen Traditionalisten und Reformern in der Führung wird ein neuer Vorstand gewählt. Er verspricht, die Schule umzukrempeln. Für die Opfer wird Hilfe angekündigt.

– 17. Dezember 2010: Ein vorläufiger Abschlussbericht zweier Juristinnen nennt 132 Betroffene.

– 28. November 2010: Die Vorstandsspitzen Johannes von Dohnanyi und Michael Frenzel, die einen harten Neuanfang wollten, treten zurück.

– 8. Juni 2011. Die Odenwaldschule gibt bekannt, dass Schulleiterin Kaufmann zum Ende des Schuljahres zurücktritt. Sie werde sich künftig ganz der Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe widmen.

– 25. Juli 2011: Als stellvertretende Leiterin kommt Katrin Höhmann an die Spitze des Internats. Kaufmanns Stelle bleibe vakant.

– 05. Mai 2012: Der ehemalige Bürgermeister von Heppenheim, Gerhard Herbert, wird Vorsitzender des Trägervereins der Odenwaldschule. dpa

(5.10.2012)

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