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Philologenverband: 2013 wird zum Katastrophenjahr für Abiturienten

DÜSSELDORF. Im kommenden Jahr machen der erste G8-Jahrgang und der letzte G9-Jahrgang in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, Abitur – eine Welle, die wohl in ganz Deutschland zu spüren sein wird. Der Philologenverband schlägt jetzt Alarm. Er sagt eine Katastrophe für den Doppeljahrgang voraus.

2013 Realität? Der Philologenverband sagt voraus, dass viele Abiturienten vor verschlossenen Uni-Türen stehen werden. Foto: jmm-hamburg / Flickr (CC BY-SA 2.0)

2013 Realität? Der Philologenverband sagt voraus, dass viele Abiturienten vor verschlossenen Uni-Türen stehen werden. Foto: jmm-hamburg / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Rund 179.000 Schülerinnen und Schüler werden 2013 in Nordrhein-Westfalen ihr Abitur ablegen. 70 Prozent davon suchen erfahrungsgemäß einen Studienplatz in NRW – aber viele davon werden nach Befürchtungen des Philologenverbands vor verschlossenen Uni-Türen stehen. Die verschärften Zulassungsbeschränkungen an den Hochschulen bremsten die Abiturienten aus, warnte der Landesvorsitzende des überwiegend Gymnasiallehrer organisierenden Verbands, Peter Silbernagel. «Die Hochschulen schrauben den Numerus clausus seit Jahren nach oben», kritisierte Silbernagel. Im kommenden Jahr werde sich das Problem verschärfen.

Der Numerus clausus werde immer mehr zur absurden Studien-Bremse in NRW. Dies gelte sogar in Fächern, wo händeringend Nachwuchs nötig sei. Diesen Vorwurf erläuterte der Verband mit einem Vergleich in ausgewählten Lehramtsfächern. Demnach liegt etwa der NC für das Lehramt Sonderpädagogik in NRW inzwischen bei der Abiturnote 2,0 bis 2,2. Im Wintersemester 2008/09 habe der Durchschnittswert dagegen noch bei 3,2 gelegen. Sonderpädagogen würden wegen der Eingliederung behinderter Kinder in Regelschulen aber dringend gebraucht.

Für das Lehramt Mathematik an Gymnasium oder Gesamtschule wird demnach, je nach Hochschule, ein Abiturdurchschnitt von 1,8 bis 2,4 vorausgesetzt. Für Englisch liegt der NC, etwa in Köln oder Duisburg/Essen, schon bei 1,9. Doch nicht nur die großen Hochschulen regelten ihre Zulassung strenger, so der Philologenverband. «In annähernd allen Fächern weist Wuppertal im aktuellen Wintersemester einen höheren Numerus clausus aus.»

So viele Studenten in NRW wie noch nie

Nach Angaben von Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) ist tatsächlich mittlerweile etwa jeder zweite Studiengang in NRW zulassungsbeschränkt. Erkenntnisse über insgesamt steigende Noten-Anforderungen gebe es aber nicht, sagte sie. Schon in diesem Wintersemester springt die Gesamtzahl der Studierenden an den 69 Hochschulen in NRW erstmals über die 600.000er-Marke: Die Hochschulen rechnen mit rund 633.000 Studierenden. Zum Wintersemester 2012/2013 meldeten sich – ähnlich wie vor einem Jahr – rund 103.000 Studienanfänger.

Silbernagel warf der Landesregierung vor, die Probleme schönzureden. Nach Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8) dürften die Abiturienten nicht wie Versuchskaninchen in die Warteschleife geschickt werden. «Wir fahren G8 vor die Wand. Das hat mit Präventionspolitik nichts zu tun.»

„Hochschulen sind gut vorbereitet“

Schulze bekräftigte dagegen: «Die Hochschulen sind gut auf den doppelten Abiturjahrgang vorbereitet und bereit, kurzfristig noch einmal mehr Studierende aufzunehmen.» Auch wenn nicht alles prima sei, seien die Studienbedingungen in NRW insgesamt gut.

Auch CDU und FDP warfen der rot-grünen Koalition mangelnde Anstrengungen vor. Da die Prognosen über den Studierendenansturm immer weiter nach oben korrigiert würden, müsse die Landesregierung den Hochschulen mehr Geld geben, um die abgeschafften Studiengebühren auszugleichen, forderten beide Landtagsfraktionen. Dass Schulze stattdessen ständig höhere Zuweisungen vom Bund fordere, sei nur ein Ablenkungsmanöver. «Überfüllte Hörsäle und Mensen, fehlende Laborplätze, mangelnde Betreuung und Notunterkünfte müssen verhindert werden», forderte CDU-Vizefraktionschef Klaus Kaiser. Die Landesregierung müsse mit den Hochschulen konkret verhandeln, wo und in welchen Fächern wie viele zusätzliche Studienplätze geschaffen werden.

Das Lehrdeputat von Professoren und Privatdozenten müsse erhöht werden, um vertretbare Seminargrößen zu gewährleisten, schlug Kaiser vor. Um studentischen Wohnraum zu schaffen, sei ein Bauprogramm mit der NRW-Bank denkbar.

Um Studierwilligen die Orientierung im Fächer-Dschungel zu erleichtern, gibt es jetzt im Internet ein neues Beratungsinstrument. Unter der Internet-Adresse www.studifinder.de können Interessierte ab sofort testen, welche Fähigkeiten sie haben und welches Studium zu ihnen passt. Allein in NRW stehen über 1800 Studiengänge zur Auswahl. Laut einer Studie seien Fehleinschätzungen über fachliche Voraussetzungen und eigene Fähigkeiten zentrale Auslöser für die Entscheidung gegen ein Studium oder für den Studienabbruch, erläuterte Schulze. Das Instrument wurde von der Ruhruniversität Bochum im Auftrag aller Hochschulen in NRW entwickelt. dpa

(25.10.2012)

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