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Schulbuchforscher Eckert: Institut ist weltweit für Bildung im Einsatz

BRAUNSCHWEIG. Schulbücher wirken weit über den Klassenraum hinaus. Aus dieser Erkenntnis heraus gründete Georg Eckert 1953 das nach ihm benannte Institut für Schulbuchforschung in Braunschweig. Es setzt sich international für vorurteilsfreie Schulbücher ein.

Der Historiker Georg Eckert gründete 1953 das nach ihm benannte Institut für Schulbuchforschung in Braunschweig. Foto: Georg-Eckert-Institut

Der Historiker Georg Eckert gründete 1953 das nach ihm benannte Institut für Schulbuchforschung in Braunschweig. Foto: Georg-Eckert-Institut

Ob es um die Konfliktregion im Nahen Osten, um den Religionsunterricht in Deutschland, um die schulische Vergangenheitsbewältigung in Ruanda oder um digitale Schulbücher geht – das Georg-Eckert-Institut (GEI) für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig mischt mit. Gründer des weltweit einmaligen Instituts war der Historiker Georg Eckert. Er wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Rund 100 Experten wollen sich von Freitag an in einer zweitägigen Konferenz mit seinem Leben und Wirken auseinandersetzen.

«Mir imponiert, wie es Eckert immer verstanden hat, wissenschaftliche Ambitionen mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden», sagt Simone Lässig, heute Leiterin des Instituts mit rund 80 Mitarbeitern. In dieser Tradition sieht sich das GEI heute stärker denn je. Selbst wenn es scheinbar vordergründig um die Aufarbeitung der Vergangenheit geht, so haben die GEI-Wissenschaftler immer die Gegenwart und Zukunft im Auge.

Projekt zum Thema Holocaust

Derzeit läuft zum Beispiel mit Unterstützung der Unesco ein weltweites Holocaust-Projekt. «Der Holocaust kann als Muster genommen werden, um andere Völkermorde zu erklären», sagt Projektleiter Peter Carrier. Zunächst soll erhoben werden, in welchen Ländern die systematische Ermordung von Juden im Nationalsozialismus überhaupt thematisiert wird. Im zweiten Schritt sollen die Schulbücher ausgesuchter Länder genauer unter die Lupe genommen werden und im dritten Schritt Empfehlungen für die Darstellung gegeben werden.

In einer gerade erschienenen Publikation geht es um Migration und Integration in der Schule. Wissenschaftler des GEI untersuchten gesellschaftliche Grundlagen für das neue Fach «Islamischer Religionsunterricht» und geben Empfehlungen dazu.

Beim Wiederaufbau von Bildungssystemen aktiv

In Krisenregionen beraten GEI-Mitarbeiter auch beim Wiederaufbau der Bildungssysteme. Seit dem Ende der Balkankriege ist das GEI zum Beispiel im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Südosteuropa aktiv. Die Braunschweiger engagieren sich bei Lehrerfortbildungen, beraten Schulbuchautoren und Ministerien.

Eckert wurde am 14. August 1912 in Berlin geboren. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges haben ihn geprägt. Als Professor an der Uni Braunschweig versuchte er, die junge Lehrer-Generation zu Frieden und Demokratie auszubilden. Er gründete das «Institut für internationale Schulbuchverbesserung», um über das Medium Schulbuch die Völkerverständigung zu fördern und Feindbilder abzubauen.

Über den Europarat und die Unesco baute er ein Netzwerk mit Wissenschaftlern, Lehrern und Schulbuchverlegern aus aller Welt auf. Seit 1949 Mitglied, wurde Eckert 1964 Präsident der Deutschen Unesco-Kommission. Für sein Lebenswerk erhielt er nationale und internationale Auszeichnungen, darunter 1972 das Bundesverdienstkreuz. Eckert starb im Januar 1974 in Braunschweig.

Seit 1975 existiert das GEI in seiner jetzigen Form. Sein vom Niedersächsischen Landtag formulierter Gründungsauftrag lautet, die internationale Verständigung durch ausgewogene Schulbücher zu fördern und wissenschaftlich zu fundieren. Seit 1985 ist das GEI in der Villa von Bülow am Rand der Innenstadt untergebracht. Herzstück ist die vermutlich weltweit einzigartige Bibliothek. Mehr als 150.000 historische und aktuelle Schulbücher der Fächer Geschichte, Politik und Geografie aus 90 Ländern sind dort gesammelt. Hinzu kommen rund 60.000 wissenschaftliche Bände. dpa
(17.10.2012)

Zum Bericht: „Schulbuch des Jahres: Acht Werke sind nominiert“

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