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„Die freien Schulen sind die Sparschweine der Kommunen“

HANNOVER. Die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen in Niedersachsen sieht Privatschulen wegen der Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren in ihrer Existenz bedroht.

Die Privatschulen hoffen, die Mehrkosten bei der Umsetzung von Reformen vom Land zurückzubekommen. Wegen der Mehrkosten nach Einführung des Turbo-Abiturs sind niedersächsische Privatschulen in ihrer Existenz bedroht. «Einige mussten Hypotheken aufnehmen», sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Niedersachsen, Heike Thies, im in einem Interview. Bereits im Schuljahr 2011/2012 seien Mehrkosten entstanden, weil zur Vorbereitung des verkürzten Abiturs nach zwölf Jahren mehr Stunden unterrichtet werden mussten. Möglicherweise blieben die Schulen auf diesen Kosten sitzen, befürchtet die Verbandschefin.

Das Kultusministerium prüft derzeit die rückwirkende Zahlung von Finanzhilfen an die Privatschulen. Jedoch sei eine Refinanzierung für das Schuljahr 2011/2012 nicht vorgesehen, sagte eine Sprecherin. In diesem Jahr erhielten die 170 Schulen in freier Trägerschaft in Niedersachsen nach Ministeriumsangaben knapp 290 Millionen Euro.

Der Verband lädt für Mittwoch (28.11.) zu einem Bildungsforum nach Hannover ein. Bei der Tagung werden Wissenschaftler und Landespolitiker unter anderem über Finanzierungsfragen diskutieren. Den Privatschulen werden Thies zufolge etwa 70 bis 80 Prozent der Personalkosten vom Land erstattet. Der Rest muss über Schulgeld und Spenden aufgebracht werden. Viele Städte und Gemeinden seien nicht bereit, Zuschüsse zu zahlen, kritisierte die Vorsitzende. «Die freien Schulen sind die Sparschweine der Kommunen.»

Mit der Veranstaltung am Mittwoch will der Verband auch das Image der Privatschulen verbessern. «Es sind auf keinen Fall nur Schulen für Reiche, und es geht von ihnen auch keine Gefahr für das staatliche Schulsystem aus.» Niedersachsen liege mit einem Anteil von 5,8 Prozent Privatschülern bei einem Bundesdurchschnitt von 8,2 Prozent an vorletzter Stelle in Deutschland. Landesweit besuchen knapp 53 000 Kinder und Jugendliche eine Schule in freier Trägerschaft, darunter sind kirchliche und reformpädagogische Einrichtungen. dpa

(27.11.2012)

2 Kommentare

  1. Das finde ich eine seltsame Argumentation. Da gründet jemand eine Privatschule und andere sollen die Kosten tragen. Wieso denn eigentlich? Die Privatschulen können doch froh sein, dass sie vom Staat so großzügig mitfinanziert werden, wenn der Staat (also die Gemeinschaft) die Personalkosten zu 70-80 % übernimmt. Ich meine, wer sich keine Privatschule für sein leisten kann (Schulgeld, auch wenn es nicht sooo hoch ist), muss (!) es an eine öffentliche Schule schicken und die, die sich das Schulgeld leisten können und somit dann oft bessere Lernbedingungen (kleinere Klassen u.Ä.), wollen noch von der Gemeinschaft gesponsert werden. Ich finde es ok, wenn es Privatschulen gibt und ich finde die finanzielle Unterstützung schon jetzt großzügig.

  2. Übrigens sind die Pädagogen oft die „Sparschweine“ der Privatschulen, denn sie verdienen oft ein Viertel bis ein Drittel weniger als die Lehrer im öffentlichen Dienst. Und leisten doch die gleiche Arbeit.

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