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Eingeschleppte Schädlinge bedrohen die deutsche Flora

KARLSRUHE. Fieslinge wie der Buchsbaumzünsler, der Borkenkäfer oder die Kirschessigfliege breiten sich in Deutschland zunehmend aus. Die Schäden sind laut Experten gewaltig.

Eingeschleppte Schädlinge bedrohen nach Beobachtung von Experten zunehmend die heimische Pflanzenwelt. Besonders gierig macht sich derzeit der Buchsbaumzünsler über die Buchsbäume im Südwesten her. Seine Raupen fressen die Blätter und grüne Rinde – zurück bleiben kahle und tote Bäumchen wie Hecken. «Wo er ist, richtet er ganz gewaltige Schäden an», weiß Reinhard Albert vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg. Doch der Buchbaumzünsler ist nur einer von vielen neuen Schädlingen.

Baden-Württemberg ist besonders stark betroffen

«In den letzten Jahren hat sich die Zahl der eingewanderten Insekten mit bedeutendem Schädigungspotenzial deutlich erhöht», beobachtete der Diplom-Biologe. Baden-Württemberg sei als südliches Bundesland mit der Einwanderungsmöglichkeit über die Rhone in das Rheintal besonders betroffen. «Auch der Weg entlang der Donau und zum Hochrhein steht vielen Schädlingen offen.»

Verantwortlich für das zunehmende Insektenproblem sei etwa die globale Erwärmung: «Auch etablierte Schädlinge breiten sich wegen der längeren Vegetationszeiten weiter aus und verursachen stärkere Schäden als bisher.» So würden Maiszünsler und viele Borkenkäfer teils zwei Generationen anstelle einer pro Jahr hervorbringen.

Das Auftreten von sogenannten Neubürgern oder Neozoen sei an sich nichts Besonderes. «Deutschland wurde nach der letzten Eiszeit von vielen Pflanzen und Tieren wiederbesiedelt. Und durch den weltweiten Handel sind auch schon früher Tiere und Pflanzen von Kontinent zu Kontinent verschleppt worden», sagte Albert. Auch der Kartoffelkäfer kam demnach kurz nach dem Ersten Weltkrieg von den USA nach Europa.

Schädlinge aus China

Früher seien die Schädlinge aber eher von Europa aus in andere Regionen gekommen. «Nach Jahrhunderten des Exports von europäischen Schädlingen in alle Welt “revanchieren” sich nun andere Zonen mit dem Re-Import in die alte Welt», sagte Albert. Vor allem Einfuhren aus China stehen im Verdacht, Schädlinge einzuschleppen.

Darunter der Buchsbaumzünsler: «Wir sind relativ sicher, dass er über Buchsbaumlieferungen aus China hierherkam», sagte Albert. 2007 wurde er in Baden-Württemberg zum ersten Mal amtlich festgestellt, in Weil am Rhein und in Kehl. Inzwischen ist der Zünsler von Südbaden über die Rheinschiene in den Neckar-Odenwald-Kreis und Heilbronn bis in den Stuttgarter Osten und Esslingen sowie nach Biberach und zum Bodensee hochgewandert oder verschleppt worden. Betroffen seien auch Hessen, Nordrhein-Westfalen und Teile Niedersachsens, die Niederlande, Schweiz sowie der Vorarlberg in Österreich.

Keine natürlichen Feinde

Die Experten können derzeit seiner Verbreitung nur zuschauen. Der weiße Falter mit schwarzem Trauerrand, der im Gegensatz zum Kohlweißling zielgerichtet und schnell fliegt, breitet sich fünf Kilometer pro Jahr aus. Er bringt bis zu drei Generationen im Jahr hervor und hat bislang keine Feinde. Das LTZ Augustenberg beobachtet derzeit in Zusammenarbeit mit dem Julius Kühn-Institut in Münster, ob nicht Vögel auf den Geschmack der Raupen kommen könnten.

Bis dahin helfe nur das Absammeln der Raupen. Keine leichte Sache. «Die grünen Raupen sind fantastisch getarnt mit ihren weißen Streifen und schwarzen Punkten.» Und es sind oft unglaublich viele, weiß Albert, der schon selbst mehrere hundert Raupen an einem Buchs gezählt hat. Kleinere Sträucher sind schnell hinüber, größere Kugeln können sich erholen. Sind alle Raupen beseitigt (notfalls mit Pflanzenschutzmitteln), rät der Experte: «Gut düngen und bewässern.» dpa

(04.11.2012)

Hier gibt es Unterrichtsmaterial zum Thema Pflanzenschutz.

2 Kommentare

  1. ingrid stehfest

    Hallo, ich habe heute auf dem Michaelsberg (Untergrombach) eine ca. 8cm. lange auf dem Rücken kräftig braune haarlose Raupe gefunden. In meinem Schmetterlingsführer sind leider nur wenige Raupen abgebildet, so daß ich diese nicht zuordnen kann. Ich glaube mich zu erinnern, daß in einer Samstagsbeilage der BNN von einer eingeschleppten, giftigen, großen Raupe berichtet wurde. Wer kennt sich aus und weiß, wo man diese Raupe bestimmen lassen kann. Freue mich auf hilfreiche Antworten. i.stehfest

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