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GEW: Wowereit will Arbeitszeit der Lehrer durch die Hintertür erhöhen

BERLIN. Die Berliner Lehrer fühlen sich vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betrogen. Obwohl der Umgang mit den Schülern gerade in der Hauptstadt immer härter wird, sollen sie auch noch mehr arbeiten – schimpft jedenfalls die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Gerät jetzt auch in der Schulpolitik unter Druck: Klaus Wowereit (SPD). Foto: Oliver Wolters / Flickr (CC BY-SA 3.0)

Gerät jetzt auch in der Schulpolitik unter Druck: Klaus Wowereit (SPD). Foto: Oliver Wolters / Flickr (CC BY-SA 3.0)

Der Berliner Senat unter Wowereit will nach Ansicht der Lehrergewerkschaft GEW durch die Hintertür die Arbeitszeit der Lehrer erhöhen. Die sogenannten Arbeitszeitkonten sollten abgeschafft werden, ohne dass es einen vollständigen Ausgleich gebe, kritisierte die GEW-Vorsitzende Sigrid Baumgardt. Seit 2003 arbeiten die Berliner Lehrer im Schnitt wöchentlich eine Stunde zu viel ohne dafür mehr Gehalt zu bekommen. Die Mehrarbeitsstunden sparen sie auf dem Arbeitszeitkonto an, um früher in den Ruhestand zu gehen.

Nach den Plänen der Senatsbildungsverwaltung sollen die Lehrer künftig bei gleichbleibender Stundenzahl keine freien Tage mehr ansparen dürfen. Dafür könnten sie ab dem 60. Lebensjahr eine Wochenstunde weniger unterrichten, erläuterte Baumgardt. Das könne die zuvor angesammelte Mehrarbeit aber bei weitem nicht ausgleichen.

Scheeres: „Müssen etwas zur Entlastung tun“

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte: «Ich sehe auch, dass wir zur Entlastung der Lehrkräfte etwas tun müssen, wenn die Arbeitszeitkonten wegfallen.» Es werde bereits an einem Konzept gearbeitet.

Eigentlich, so Baumgardt, müssten alle Lehrer künftig eine Wochenstunde weniger arbeiten. So fielen keine Mehrarbeitsstunden mehr an, die Arbeitszeitkonten wären überflüssig. Eine solche Regelung jedoch würde den Senat laut GEW rund 50 Millionen Euro kosten. Neue Pädagogen müssten eingestellt werden. Deshalb habe die Senatsbildungsverwaltung abgelehnt.

„Auf dem Rücken der Lehrer den Haushalt sanieren“

Der Kompromissvorschlag der Lehrergewerkschaft sieht vor, dass Lehrer ab 55 Jahren eine Wochenstunde weniger unterrichten. Zusätzlich sollen jüngere Pädagogen weiter Stunden ansammeln. Diese könnten sie sich entweder auszahlen lassen, ihre Unterrichtszeit in den letzten drei Jahren vor dem Ruhestand noch einmal reduzieren oder – wie bisher – mehrere Wochen früher in Rente gehen. Auch das habe die Senatsbildungsverwaltung aber abgelehnt.

«Wir wehren uns dagegen, dass der Berliner Senat jetzt wieder einmal den Landeshaushalt auf dem Rücken der Lehrer sanieren will», erklärte der GEW-Abteilungsleiter für berufsbildende Schulen, Herbert Hannebaum. Nach der bisherigen Regelung wachsen die Arbeitszeitkonten der Lehrer jährlich um ein Volumen von etwa 650 Lehrerstellen an. Das entspreche 32,5 Millionen Euro.

Die GEW will nun rechtliche Schritte gegen eine mögliche Entscheidung der Senatsbildungsverwaltung prüfen. Lehrer protestieren unter anderem mit Postkartenaktionen. Einen Streikaufruf aber werde es nicht geben. dpa
(7.11.2012)

Zum Bericht: „Berliner Grundschulreform gescheitert – Angst vor Inklusion wächst“

 

Ein Kommentar

  1. Wenn man kein Ziel hat irrt man durch das Leben. Dabei kann die Entlastung der Lehrpersonen ohne Kosten sehr einfach durchgeführt werden. Allerdings müssen dafür alte Zöpfe geopfert werden. Wir leben in einem Industriestaat. Ein Hauptmerkmal der Industrie ist ein klares Ziel, welches man erfolgreich durch eine gute Organisation und eine sinnvolle Arbeitsteilung erreicht. Bildung und Arbeitsorganisation in der Bildung läßt sich nicht als bürokratische Aufgabe erledigen. Im Moment verplempern wir wertvolle Lehrer-Arbeitszeit. Wohin das immer wieder führt zeigt obiger Artikel.

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