Startseite ::: Nachrichten ::: Manuela Schwesig: „Befristete Jobs wirken stärker als die Pille“

Manuela Schwesig: „Befristete Jobs wirken stärker als die Pille“

SCHWERIN. Die Möglichkeit, Arbeitnehmer befristet einzustellen werde mißbraucht, finde die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig.Das verhindere Lebens- und Familienplanung junger Menschen.

Schwesig  plädiert dafür, die befristete Beschäftigung in Deutschland einzudämmen. Die Zahl der Jobs auf Zeit steige seit Inkrafttreten des Teilzeit- und Befristungsgesetzes 2001 immer weiter, sagte die mecklenburg-vorpommersche Arbeitsministerin. Inzwischen seien 9,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur befristet angestellt, junge Menschen besonders häufig betroffen. Die Lebens- und Familienplanung werde so fast unmöglich. «Befristete Beschäftigung wirkt stärker als die Pille», sagte Schwesig, zu deren Ressort auch die Familienpolitik gehört.

Für die Arbeits- und Sozialministerkonferenz Ende November in Hannover haben Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz einen Beschlussvorschlag zur Eindämmung der befristeten Beschäftigung vorgelegt. Danach sollen Befristungen ohne Begründung weitgehend gestrichen werden. Jobs auf Zeit mit einem Grund, etwa zur Vertretung in der Elternzeit, soll es aber weiter geben können. Zudem fordern die beiden Länder mehr Weiterbildung für befristete Mitarbeiter.

Manuela Schwesig (SPD) will Familiengründung erleichtern. (Foto: Schrapers/Wikimedia CC BY 3.0)

Manuela Schwesig (SPD)will Familiengründung erleichtern.(Foto: Schrapers/Wikimedia CC BY 3.0)

«Das Teilzeit- und Befristungsgesetz wurde in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit in Kraft gesetzt, um der Wirtschaft die Einstellung von Mitarbeitern zu erleichtern», sagte Schwesig. Heute sehe die Situation anders aus. Befristete Arbeitsverträge würden zunehmend eingesetzt, um wirtschaftliche Risiken auf die Beschäftigten abzuwälzen. «Das kann nicht sein», so die Ministerin. Seit 2001 sei die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse in Deutschland von 1,7 auf 2,7 Millionen gestiegen, Frauen seien häufiger betroffen als Männer. Heutzutage bekomme fast jeder zweite Neueingestellte nur einen befristeten Vertrag.

In den meisten anderen Arbeits- und Sozialministerien kommt der Vorstoß aus Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz nach Schwesigs Einschätzung gut an. Bei einem Vorbereitungstreffen für die Ministerkonferenz am 28./29. November in Hannover sprachen sich die Vertreter von 11 der 16 Bundesländer für die Beschlussvorlage aus, so die Schweriner Ressortchefin. Die Arbeits- und Sozialminister hatten bereits 2011 eine Eindämmung der befristeten Beschäftigung gefordert. «Die Bundesregierung folgte uns damals leider nicht», sagte Schwesig. dpa

(18.11.2012)

Ein Kommentar

  1. Befristung wirkt stärker als die Pille? Ja, ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*