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„Monitor Lehrerbildung“ – ein Kompass fürs Lehramtsstudium

GÜTERSLOH. Das Lehramtsstudium ist in jedem Bundesland und an jeder Hochschule unterschiedlich geregelt.  Die Website „Monitor Lehrerausbildung“ soll Überblick verschaffen. 

Die Hochschullandschaft in Deutschland ist vielfältig – ebenso wie die verschiedenen Angebote für Lehramtsstudenten. Foto: Screenshot www.monitor-lehrerbildung.de

Der Monitor Lehrerbildung enthält mehr als 8.000 Daten. Befragt wurden deutsche Hochschulen, die Lehramtsstudiengänge anbieten – nicht angesprochen wurden Kunst-, Musik-, Religions-, Sporthochschulen sowie Hochschulen, die nur Lehramtsstudiengänge in Kooperation mit anderen Hochschulen anbieten und dabei den kleineren Teil des Curriculums stellen. Somit sind 70 Hochschulen für die Untersuchung relevant; jedes Studienangebot wird einmal abgebildet. 63 Hochschulen haben an der Befragung teilgenommen. Neben der Hochschulebene werden die landesweiten Regelungen abgebildet.
 „Der Monitor Lehrerbildung rückt das Lehramtsstudium vom Rand ins Zentrum der Hochschullandschaft“, so Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung und Geschäftsführer des CHE. Denn es gilt: „Gute Schule ist guter Unterricht. Die Ausbildung der Lehrkräfte ist das wichtigste Thema der Bildungspolitik.“Je nach Interesse können mit Hilfe des Monitors Lehrerbildung Informationen individuell zusammengestellt werden. So lässt sich zum Beispiel ermitteln, welche Unterschiede es zwischen den Lehramtsstudiengängen in verschiedenen Bundesländern gibt oder auch innerhalb eines Landes an den einzelnen Hochschulen. „Der Monitor Lehrerbildung schließt eine Lücke, denn er bringt Transparenz in die Landschaft, indem er erstmals eine strukturierte Übersicht über die erste Phase der Lehrerbildung bietet“, so Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung. „Er bildet die Lehrerbildung länder-, hochschul- und lehramtsspezifisch ab und ermöglicht so einen aussagekräftigen Vergleich.“
Die Website www.monitor-lehrerbildung.de ist ein Projekt der Bertelsmann Stiftung, dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung, der Deutsche Telekom Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Neben vergleichenden Daten- und Faktenübersichten sind auch Schwerpunktthemen verfügbar.

Die Themenstruktur des Monitors Lehrerbildung orientiert sich an wichtigen, für die Qualität relevanten Themen: Ein- und Umstiegsmöglichkeiten im Verlauf des Studiums, frühe und adäquat in den Lehrplan eingebundene Praxisphasen, eine Verzahnung der verschiedenen Ausbildungsphasen, klare Zuständigkeiten in den Hochschulen aber auch die Verankerung der Lehrerbildung im Landesprofil oder die Förderung der Forschung zur Lehrerbildung.

Staatsexamen, Bachelor oder Master?

Die Vielfalt bei der Ausgestaltung von Lehramtsstudiengängen in Deutschland ist riesig. Ein Beispiel: Mehr als zehn Jahre nach Einführung der gestuften Bachelor- und Masterabschlüsse ist das Lehramtsstudium in neun Bundesländern komplett darauf umgestellt. In zwei Bundesländern kann nur mit dem Abschluss Staatsexamen studiert werden und in fünf Ländern existiert keine gesetzlich vorgeschriebene Struktur, dort werden je nach Hochschule sowohl gestufte als auch grundständige Studienstrukturen angeboten. 19 Prozent der befragten Hochschulen gaben an, dass im Wintersemester 2011/12 bei den Neuzulassungen beide Studienstrukturen innerhalb der Hochschule nebeneinander angeboten wurden.

Aber auch spezielle aktuelle Fragen fließen ein: Wer beispielsweise mehr männliche Grundschullehrer oder mehr Migrantinnen oder Migranten zu Lehrkräften ausbilden will, kann Programme für die Anwerbung dieser Personengruppen auflegen. Ein Drittel der befragten Hochschulen bietet bereits Maßnahmen zur Rekrutierung bislang unterrepräsentierter „Zielgruppen“ an.

Heraus aus dem Schatten der Fachwissenschaften

Kritisiert wird häufig, die Lehramtsstudierenden hätten in der Hochschule keine rechte „Heimat“, weil die internen Strukturen auf die Fachwissenschaften angelegt sind. „Der Monitor zeigt aber, dass die Lehrerbildung in den Unis ein Stück weit aus dem Schattendasein hinter den Fachwissenschaften herausgetreten ist“, so Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE. Über 60 Prozent der befragten Hochschulen haben Zentren für Lehrerbildung mit klaren Zuständigkeiten für die Lehrbildung eingerichtet, an 17 Prozent der Hochschulen gibt es eine so genannte „School of Education“, welche teilweise noch weitreichendere Kompetenzen besitzt. Jedoch sind nur insgesamt knapp ein Drittel dieser zentralen Einheiten auch für die inhaltliche Gestaltung der Lehrerbildung zuständig; ein Promotionsrecht besitzen nur zwei dieser Einrichtungen. „Es gibt also trotz der vielen positiven Befunde des Monitors Anzeichen, dass einige Hochschulen die Lehrerbildung immer noch halbherzig betreiben“, sagt Dr. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes: „Die vielen und seit Jahren unverändert beklagten Probleme bei der Ausbildung junger Lehrer lassen sich nur lösen, wenn die Lehrerbildung in die Mitte der Hochschulen zurückgeholt und von ihnen als Kernaufgabe ernst genommen wird.“

Anzeichen dafür gibt es: Eine deutliche Mehrheit (über 70 Prozent) der befragten Hochschulen ordnet die Lehrerbildung explizit als Verantwortungsbereich der Leitungsebene zu. Jede dritte Hochschule gab an, dass die strategischen Ziele für die Lehrerbildung im Leitbild der Hochschule formuliert sind. In elf Bundesländern ist das Thema Lehrerbildung ein verpflichtender Bestandteil in den Zielvereinbarungen mit den Hochschulen.

(11.11.2012)

Ein Kommentar

  1. Die Seite heißt: http://www.monitor-lehrerbildung.de (falcher Link im Artikel). 🙂

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