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Schon wieder treibt Cybermobbing einen jungen Menschen in den Tod

TILLIGTE. Der Selbstmord eines 20-Jährigen erschüttert die Niederlande. Er hat in seinem Abschiedsbrief geschrieben: „Liebe Pap und Mam, ich wurde mein ganzes Leben lang verspottet, gemobbt, gehänselt und ausgeschlossen.“ Eine Diskussion über Mobbing ist entbrannt – auch in Deutschland.

Diese Todesanzeige gaben die Eltern auf, um eine Diskussion über Mobbing in Gang zu bringen. Foto: privat

Diese Todesanzeige gaben die Eltern auf, um eine Diskussion über Mobbing in Gang zu bringen. Foto: privat

Vermutlich hätte kaum jemand etwas über die Hintergründe von Tims Tod erfahren, wenn nicht seine Eltern an die Öffentlichkeit gegangen wären. Sie zitierten in der Traueranzeige aus dem Abschiedsbrief ihres Sohnes: „Ich hoffe, dass ihr nicht sauer seid. Auf Wiedersehen, Tim.“ Die Anzeige rüttelt das ganze Land auf.

Zehntausende Niederländer reagierten laut „Welt online“ bei Twitter und Facebook bestürzt. „Hoffentlich kommt jetzt wenigstens ein Mobber zur Besinnung“, schrieb einer. „Diejenigen, die Tim gemobbt haben, haben Blut an den Händen“, meinte ein Anderer. Eine Dritte schreibt: „Wann hört das endlich auf?“

Anzeige erstattet – Täter werden nicht verfolgt

Die Eltern wollen dem Bericht zufolge wissen, wer für den Selbstmord ihres Sohnes verantwortlich ist und schalteten die Polizei ein. Sie hätten zwei Fälle von sogenanntem „Cybermobbing“, also Mobbing in sozialen Netzwerken, gemeldet und Anzeige erstattet. Ihnen zufolge sei Tim schon im Internet als „Loser und Homo“ beschimpft worden. Laut Zeitung „Twentsche Courant Tubantia“ wird die Polizei jedoch nicht ermitteln, da Mobbing nicht strafrechtlich verfolgt würde.

Tim studierte an der pädagogischen Hochschule Windesheim in Zwolle, er wollte Geschichtslehrer werden und bereitete sich auf ein Auslandspraktikum vor. Dem Direktor ist laut Bericht „nicht bekannt, dass er bei uns gemobbt wurde. Wir wissen aber auch nicht, ob das schon während der Schulzeit passiert ist. Und wir werden es vielleicht auch nie erfahren.“ Gestern wurde Tim beerdigt.

Wenn sich Kinder zurückziehen, in der Schule verschlechtern oder keine Freunde mehr zu Besuch kommen, kann Mobbing dahinterstecken, erklärte Frank Schallenberg vom Deutschen Kinderschutzbund. Er forderte Eltern von möglicherweise betroffenen Kindern auf, mit der Schule Kontakt aufnehmen. „Mobbing lebt von der Klassendynamik“, so Schallenberg. Daher sei auch die Schule dafür verantwortlich, das Problem zu lösen. Lehrer könnten Gespräche zwischen Tätern und Opfern moderieren. Wenn das Mobbing im Internet geschehe, sei die Situation schwieriger zu handhaben, sagte Schallenberg. Aber auch dann gehören die Täter zumeist zum Umfeld, etwa in der Schule. Wichtig sei es, das Problem dort offensiv anzugehen, um dem Täter zu signalisieren: So geht es nicht weiter.

Der Selbstmord einer 15-jährigen Schülerin aus Kanada wegen Anfeindungen im Internet hatte unlängst weltweit für Bestürzung gesorgt. In ihrem letzten Hilferuf – ein von ihr selbst auf YouTube veröffentlichtes Video – hält sie Karteikarten in die Kamera, auf denen sie ihre Leidensgeschichte schildert. (7.11.2012)

Zum Bericht: „Cybermobbing: 15-Jährige nimmt sich das Leben – Bestürzung weltweit“

Ein Kommentar

  1. Auch diese Meldung macht mich betroffen und traurig. Mobbing ist nichts Neues, leider, wir nannten es früher nur anders. Die (öffentliche) Herabwürdigung von Menschen sollte ein Straftatbestand sein. Die Gesellschaft soll zeigen, dass wir das nicht wollen und ggf. sanktionieren – genauso wie stehlen, Steuern hinterziehen, Verkehrsregeln missachten.

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