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Teenager kennen Verhütung – Kommen aber nicht immer dran

GIEßEN. Die gute Nachricht ist die: Immer weniger Teenager werden schwanger. Die weniger gute: Wenn doch ein Baby unterwegs ist, brauchen sie besondere Hilfe.  Nur wenige wissen, dass sie diese auch bekommen können.

Wenn Jugendliche früh Eltern werden, gibt es vielfältige Unterstützungsangebote für sie. Die in Anspruch zu nehmen, ist aber nicht immer leicht. Foto: christina rutz/flickr (CC BY 2.0)

Jugendliche wissen nach Expertenmeinung heute zwar über Verhütungsmittel Bescheid, kommen aber nicht immer leicht dran. Die Verfügbarkeit von Pille und Co. spiele aber eine Rolle bei Teenager-Schwangerschaften, sagte der Gießener Sexualpädagoge Wolfgang Schreiner-Weiß im Gespräch. Das sei eines der Ergebnisse von Studien zu dem Thema. Eine weitere Erkenntnis: «Das Risiko für eine Schwangerschaft bei Jugendlichen ist demnach auch dort deutlich erhöht, wo ein ungleiches Beziehungsverhältnis besteht, der Partner des Mädchens zum Beispiel älter ist.» Als weiterer Risikofaktor gilt eine niedrige Bildung.

Eine 16-Jährige hatte vor gut einer Woche in einem Schuppen im mittelhessischen Nidda ein Baby zur Welt gebracht und es dann möglicherweise getötet. Die kleine Leiche wurde in einem Koffer entdeckt. Gegen die Jugendliche wird wegen des Anfangsverdachts des Totschlags ermittelt.

Stellenwert von Aufklärung und Sexualpädagogik ist gewachsen

In Deutschland werden nach Angaben des Diplom-Pädagogen Schreiner-Weiß seit Jahren immer weniger Teenager schwanger – weil die Jugendlichen besser verhüten als früher. «Es hat sich etwas bewegt in den vergangenen Jahren. Der Stellenwert von schulischer oder außerschulischer Aufklärung und Sexualpädagogik ist größer geworden», sagte Schreiner-Weiß, der bei der Beratungsorganisation Pro Familia tätig ist. Derzeit würden in Deutschland von 1000 Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 pro Jahr etwa acht bis neun schwanger, fünf davon entschieden sich für eine Abtreibung.

Der Diplom-Pädagoge betonte, dass es keine 100 Prozent sichere Verhütungsmethode gebe. «Wenn man Sexualität lebt, passieren auch Fehler, Jugendlichen genauso wie Erwachsenen.» Schwangere Mädchen benötigten besondere Unterstützung. «Sie müssen wissen, dass sie Hilfe bekommen können. Es gibt Beratungsstellen für Mädchen, wo sie auch alleine, ohne Eltern, Hilfe kriegen. Diese Hilfe ist selbstverständlich, aber vielleicht zu wenig bekannt oder zu schwer zu erreichen.» dpa

(19.11.2012)

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