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Amok: Althusmann fordert ein Trauma-Netzwerk für Kinder

LÜNEBURG. Viele Kinder leiden unter schweren seelischen Verletzungen – oft unbemerkt. Zwei bundesweite Projekte wollen das ändern. So sollen traumatisierte Kinder früh erkannt und therapiert werden. Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) forderte für Niedersachsen ein Netzwerk von Hilfestellen für traumatisierte Kinder und Jugendliche.

Bernd Althusmann will, dass Amok-Opfern besser geholfen wird . Foto: Kultusministerium Niedersachsen

Bernd Althusmann will, dass Amok-Opfern besser geholfen wird . Foto: Kultusministerium Niedersachsen

«Schule muss ein sicherer Ort sein», erklärte Althusmann in Lüneburg auch mit Blick auf das Schulmassaker in den USA. «Es ist wichtig, dass sich ein Netzwerk von Hilfestellen in Niedersachsen etabliert», sagte er. «Hier muss alles ineinandergreifen – von der Vorsorge bis zur Nachsorge».

Es gelte den Bereich Kindertagesstätte und Schule frühzeitig und präventiv zu schützen, betonte Althusmann beim Besuch eines bundesweit durchgeführten Projektes zur Ausbildung von sogenannten Case-Managern. Diese sollen frühzeitig etwa durch Gewalt oder Missbrauch traumatisierte Kinder erkennen und in einer Therapie begleiten. Die vom Universitätsklinikum Ulm bundesweit konzipierte Ausbildung findet auch an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lüneburg statt.

Case-Manager werden ausgebildet

«Im Rahmen des Projektes CANMANAGE werden in Lüneburg und vier anderen Standorten im Bundesgebiet sogenannte Case-Manager ausgebildet», erklärte Alexander Naumann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrischen Klinik in Lüneburg. Das Angebot richte sich an alle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun hätten – das können Lehrer, Betreuer, Mitarbeiter des Jugendamtes oder auch Polizisten sein. «Wir wollen dabei Grundkenntnisse über traumatische Erfahrungen von Kindern vermitteln, sowie die Folgen und Symptome aufzeigen», beschrieb Naumann das Projekt. «Die so Geschulten können dann früh reagieren, Betroffene ansprechen und ihnen durch den Dschungel der Hilfsangebote helfen.»

Derzeit gebe es mehr als 150 Teilnehmer an den bundesweit fünf Projektstandorten, sagte Naumann. «Eine Studie im Rahmen von CANMANAGE soll die Versorgung in Deutschland langfristig verbessern und die Finanzierung durch die Krankenkassen sicherstellen.» Bislang sei die Versorgung völlig unzureichend. Das betreffe vor allem komplexe Fälle mit schweren sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).

Auch ein zweites vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt aus Ulm stellte Naumann bei dem Besuch von Althusmann in Lüneburg vor. «Mit dem Projekt TreatChildTrauma soll eine in den USA sehr erfolgreiche Therapiemethode auch hierzulande helfen, traumatische Erlebnisse auf eine kindgerechte Weise verhaltenstherapeutisch aufzuarbeiten», erklärte Naumann. «Das kann durch Schreiben, Erzählen, Nachspielen oder Zeichnen geschehen. Auch ein selbst gedrehtes Video oder ein Rap können Wege sein.» So solle durch Wiederholung und Gewöhnung das Erlebte bewältigt werden. «Dabei werden die vertrauten Bezugspersonen – also in der Regel die Eltern oder Betreuer – eng einbezogen», beschrieb Naumann das Projekt.

Althusmann verwies auch auf die Arbeit der Anlaufstelle des Kultusministeriums gegen Mobbing und Missbrauch. Derzeit liefen landesweit rund 20 disziplinarische Verfahren wegen verschiedenster Grenzüberschreitungen in Schulen, einige davon seit Jahren. dpa

(17.12.2012)
Zum Bericht: Der Amoklauf von Newtown weckt Erinnerungen an Winnenden“

 

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