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Berlin lässt seine Schulen verfallen: Über eine Milliarde Euro fehlen

BERLIN. Der Investitionsstau an den Berliner Schulen beträgt mittlerweile mehr als eine Milliarde Euro. Dies berichtet der „Tagesspiegel“. Darin seien die Kosten für den behindertengerechten Umbau der Schulgebäude im Zuge der anstehenden Inklusion noch gar nicht eingerechnet.

Verrottender Lehrraum an einer Schule in Pankow (Foto von 2011). Foto: Die Grünen Berlin / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Verrottender Lehrraum an einer Schule in Pankow (Foto von 2011). Foto: Die Grünen Berlin / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Faulende und schimmelige Fenster, bröckelnder Putz, Rollos, die sich nicht mehr öffnen lassen, rostige Heizkörper – der „Tagesspiegel“ hat seine Leser aufgefordert, Fotos aus Berliner Schulgebäuden zu schicken und veröffentlicht diese auf seiner Homepage. „Berlin findet keinen Weg aus dem Sanierungsstau an den Schulen“, heißt es in dem dazugehörigen Bericht.

Trotz der Investitionsprogramme der vergangenen Jahre werde die Finanzierungslücke immer größer. Steigende Schülerzahlen, behindertengerechte Umbauten, Fusionen, Brandschutz und Altlasten trieben die Kosten in die Höhe. Die Bezirke schätzen, dass ihnen inzwischen wieder weit über eine Milliarde Euro fehlten, wobei die Ausgaben für Inklusion noch nicht berücksichtigt seien. Nach vorsichtigen Hochrechnungen einzelner Bezirke könne in weiterer dreistelliger Millionenbetrag fällig werden, damit in der Hauptstadt bis 2020 alle rund 17.000 Kinder mit Behinderungen in allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden können.

Der Befund deckt sich mit dem jüngsten „KfW Kommunalpanel“, für das das Deutsche Institut für Urbanistik deutschlandweit rund 2250 Städte, Gemeinden und Landkreise befragte. Danach melden deutsche Städte, Gemeinden und Landkreise einen Investitionsrückstand von knapp 100 Milliarden Euro – davon rund 27 Milliarden Euro allein bei den Kindergärten und den Schulen. „Nicht wenige Kommunen werden vom Zug hin zu einer nachhaltigen Entwicklung abgehängt, wenn sich ihre Finanzsituation nicht maßgeblich ändert“, so heißt es in der Studie. Bevölkerungsverluste, überproportional steigende Sozialausgaben und die fehlende Möglichkeit, Zukunftsinvestitionen tätigen zu können, führten zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale.

Ein Fahrstuhl kann bis zu 300.000 Euro kosten

Und jetzt kommen noch bundesweit die notwendigen Investitionen im Zusammenhang mit der Inklusion hinzu. „Ein Fahrstuhl kann 50.000 Euro bis 300.000 Euro kosten – je nachdem, ob eine Schule beispielsweise unter Denkmalschutz steht“, erläutert der für den Hochbau zuständige Stadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Klaus-Dieter Gröhler (CDU), dem „Tagesspiegel“. Weitere Kosten entstünden dadurch, dass Türen verbreitert oder behindertengerechte Toiletten eingebaut werden müssen.

Kompliziert werde es auch, wenn – wie in alten Schulen häufig der Fall – noch einzelne Treppenstufen überwunden werden müssen. „Um 60 Zentimeter zu überbrücken, braucht man eine zehn Meter lange Rampe“, rechnet Gröhler vor. Darüber hinaus müssen Schwerpunktschulen mit Blindenschrift ausgestattet werden oder auch mit so genannten taktilen Symbolen, damit Sehgeschädigte wichtige Informationen ertasten können. Für Hörgeschädigte müsse die Akustik verbessert werden. Für Schüler mit Verhaltens- und Lernproblemen seien zusätzliche Räume einzurichten, um die Kinder zwischendurch auch in Kleingruppen unterrichten zu können.

Eine vorsichtige Schätzung der zu erwartenden Ausgaben versucht der Bildungsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers (SPD), gegenüber der Zeitung. Er geht davon aus, dass sein Bezirk „mindestens 60 Millionen Euro braucht, es können aber auch 100 Millionen werden“. Kosten fürs Mobiliar kämen noch hinzu. News4teachers

(10.12.2012)

Zum Bericht: „Forscher schlagen Alarm: Pleite-Kommunen lassen Schulen verfallen“

 

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