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Odenwaldschule: Noch immer nicht alle Opfer entschädigt

WIESBADEN. Bei der Entschädigung der Opfer des Mißbrauchsskandals gebe es von der Odenwaldschule nur Lippenbekenntnisse, kritisierte der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Hessischen Landtag Marcus Bocklet. Die Schule habe nach Angaben Bocklets immer noch nicht alle Opfer des sexuellen Missbrauchs entschädigt. «Ich schätze, dass etwa die Hälfte von ihnen noch kein Geld bekommen hat», sagte der 48-jährige in einem Interview. Die Schule sträube sich nach wie vor. «Es gibt nur Lippenbekenntnisse.»

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim legte vor zwei Jahren einen Abschlussbericht über die sexuellen Übergriffe vor. Genannt wurde eine Zahl von mehr als 130 Opfern. Die Übergriffe von Lehrern auf Schüler liegen Jahrzehnte zurück und gelten als verjährt.

Bocklet hat sich der Petition einer ehemaligen Schülerin an den hessischen Landtag angenommen. Die Frau fordert stellvertretend für Missbrauchsopfer Aufklärung und Entschädigung. Bei einem Treffen vor rund zweieinhalb Monaten gab es Vereinbarungen. Beide Seiten – Schule wie Opfer – wollen die Entschädigung und die unabhängige Aufklärung der Übergriffe klären. «Das Verfahren läuft», sagte Bocklet. «Es gestaltet sich aber zäh.»

Ein Grund liege an den zahlreichen personellen Veränderungen. Seit dem Aufkommen der Missbrauchsvorwürfe vor mehr als zweieinhalb Jahren sei für 2013 die inzwischen dritte Schulleitung geplant. Im Trägerverein habe es unzählige Rücktritte gegeben. «Die Odenwaldschule ist durchgeschüttelt worden», meinte Bocklet. dpa

(16.12.2012)

Bericht: „Odenwaldschule will Missbrauch weiter aufarbeiten

Ein Kommentar

  1. Es kann keine 100% Quote geben weil

    – Tode keine Anträge stellen können
    – Nicht alle namentlich bekannten Opfer sich selbst gemeldet haben
    – Nicht alle Opfer eine Anerkennungszahlung beantragt haben.

    Alle Betroffenen wurden von der beauftragten Rechtsanwältin Claudia Burgmüller am 11. Mai 2012 angeschrieben mit der Bitte sich bei der Stiftung oder dem Opferverein Glasbrechen zu melden. 27 Schülerinnen / Schüler sind bei der Stiftung vorstellig geworden und es wurden rund € 300.000 (Stand 27.11.2012) ausgezahlt. Die Einzelbeträge sind zwischen € 4.000 und € 20.000.

    Von den 137 Opfern haben sich 97 selbst gemeldet, 40 von anderen benannt (Stand Juli 2012).

    Zu behaupten „Die Schule sträube sich nach wie vor. „Es gibt nur Lippenbekenntnisse““, ist falsch. Es drängt sich der Verdacht auf, dass für die anstehende Landtagswahl in Hessen im kommenden Jahr eine Profilierung auf Kosten der Missbrauchsopfer erfolgt.

    Redliche Absichten waren wohl nicht die Grundlage obiger Aussage. Herr Markus Bocklet ist nicht nur ein „Grüner“, sondern auch der Berichterstatter des hessischen Petitionsausschusses im Landtag und in dieser Funktion liegen ihm alle die relevanten Informationen vor, weil eine im April 2010 eingereichte Petition immer noch nicht abgeschlossen werden konnte.

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