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Schulfach Landwirtschaft: Schüler sollen gezieltes Einkaufen lernen

MÜNCHEN. Bauernpräsident Walter Heidl unterstützt die Forderung nach einem eigenen Schulfach zu Landwirtschaft und Ernährung. In einem Interview stellte sich Bayerns Bauernpräsident damit hinter die bayerischen Landfrauen. «Wir erleben, wie viele Frauen, aber auch Männer schlichtweg überfordert sind, gezielt einzukaufen», sagte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes.

Immer mehr Menschen holten im Supermarkt Fertiggerichte, die sie dann in die Mikrowelle steckten, sagte der niederbayerische Agraringenieur und Schweinehalter, der im Frühjahr zum Nachfolger des langjährigen Präsidenten Gerd Sonnleitner gewählt worden war. Er sehe immer mehr Menschen an den Theken der Fertigprodukte – und immer weniger, die etwa beim Gemüse anstünden. «Frisch zubereitete Speisen sind kostengünstiger und gesünder.» Aber nicht jeder wisse, wie er sie richtig zubereite.

Walter Heidl bei der Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbands 2012

Unterstützt die bayerischen Landfrauen Landfrauen: Walter Heidl (Foto: Bayerischer Bauernverband)

Deshalb müsse mit einem  Unterrichtsfach «Alltags- und Lebensökonomie» bei den Kindern angesetzt werden. «Die Kinder sind die zukünftigen Erwachsenen und Verbraucher.» Viele hätten überhaupt keine Vorstellung, wie Pflanzen wachsen und Lebensmittel erzeugt werden. Er unterstütze deshalb den Landesvorstand der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband, der ein eigenständiges Unterrichtsfach von der Primarstufe bis zur zehnten Klasse verpflichtend an allen Schulen fordert.dpa

Wie es um die Ernährung der Deutschen steht, zeigt auch der „Ernährungsbericht“ den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) am Freitag Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner übergeben hatte.

Zum Bericht: „Deutsche essen etwas gesünder – trotzdem sind viele zu dick“

(15.12.2012)

4 Kommentare

  1. Warum wird eigentlich bei jeder individuellen oder gesellschaftlichen Dummheit/Fehlentwicklung nach immer neuen Schulfächern gerufen?
    Es gibt heute eine dermaßen gute, allumfassende und objektive Verbraucheraufklärung, die es jedem ernsthaft Interessierten ermöglicht, sich die notwendige Kompetenz für ein bewusstes Einkaufen selber anzueignen.
    Dann sollte die Politik dafür sorgen, dass z.B. die Produzenten von Lebensmittel auch tatsächlich nur gesundheitlich unbedenkliche Produkte herstellen, die z.B. nicht – wie das Fleisch aus der Massentierhaltung – gesundheitlich sehr hohe Antibiotikagaben enthält.
    Ich halte die Diskussion für sehr heuchlerisch und verlogen.

  2. Zitat:“Es gibt heute eine dermaßen gute, allumfassende und objektive Verbraucheraufklärung, die es jedem ernsthaft Interessierten ermöglicht, sich die notwendige Kompetenz für ein bewusstes Einkaufen selber anzueignen.“ – Das impliziert aber, dass sich Eltern dafür interessieren, sich weiterbilden, diese Informationen abrufen und auch umsetzen. Was glaubst du, wie viele Eltern es gibt, die nicht mehr kochen können, die ihre Kinder ohne Frühstück in die Schule schicken und ihnen Geld für den Kiosk mitgeben anstatt eines guten Snacks für die Pause. Und wie sollen die Kinder es lernen, wenn Mutter (oder Vater) immer nur Pizza o.ä. auf den Tisch bringt. In einer 9. Klasse fiel neulich das Wort „Auflauf“. Kein Schüler konnte erklären, was das ist. Es werden keine Aufläufe mehr zubereitet, weil sie a) zeitaufwändig sind, b) zur Resteverwertung gedacht sind, aber wegen Pizza oder Fertiggerichten keine Reste vorhanden sind oder auch einfach weggeschmissen werden, und c) weil es zu lange dauert.Ich weiß nicht, auf welchem Stern du lebst, aber ich wünschte, du würdest mal einen Blick in die Kühlschränke vieler Familien werfen. Dir würden die Tränen kommen. Und: Es ist sicher schwierig, mit dem Geld von HartzIV auszukommen, aber es würde sicher eher gelingen, wenn die betroffenen Eltern in der Lage wären, Sparmenüs selber herzustellen statt Halbfertig- oder Fertigprodukte zu kaufen. Ich bin Jahrgang 1950 und habe gelernt, mit einfachem Essen, Resteverwertung u.a. groß zu werden. Aber die Elterngeneration unserer heutigen Schüler ist größtenteils hoffnungslos überfordert – und kann damit ihr Wissen nicht an die Kinder weitergeben. Von daher ist die Diskussion weder heuchlerisch noch verlogen, sondern dringend erforderlich, um Kinder über richtige Ernährung aufzuklären und zu trainieren.

  3. @ klexel
    Was soll „Schule“ nicht noch alles „richten“? Sie schafft es ja noch nicht einmal, ALLEN SchülerInnen die Kulturtechniken beizubringen.
    Es ist ja nicht so, dass die Schule in Bezug auf das Thema „richtige Ernährung“ tatenlos zusieht. Zumindest in den HS/RS gibt es teilweise das Fach Hauswirtschaft oder es wird aber zumindest als AG angeboten.
    Es stimmt leider, was Sie über das Einkaufs- und Essverhalten vieler Bundesbürger schreiben. Mir stellt sich da die Frage nach der „Henne und dem Ei“. Was war zuerst da, das veränderte Einkaufs- und Essverhalten oder gezielte Angebote der Lebensmittelproduzenten, wodurch die Leute erst auf den „Geschmack“ gekommen sind?
    Würde Variante zwei zutreffen, hielte ich die Diskussion in der Tat für heuchlerisch und verlogen. Ich kann ja nicht postum einen Zustand beklagen, für den ich selber verantwortlich bin.
    Sie beklagen zurecht bei vielen Bundesbürgern einen wenig reflektierten Umgang mit den Lebensmitteln. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind viele Leute damit einfach überfordert. Da stimme ich Ihnen ebenfalls zu. Spannend ist jetzt die Frage, was daraus zu folgern ist. Sollen wir Familien-Nannys losschicken? Soll die Lebensmittelindustrie dazu „verdonnert“ werden, ernährungsphysiologisch ausgewogene Produkte herzustellen? Aufklärung und Beratung scheinen die Leute ja nicht anzunehmen. Bestes Beispiel dafür sind auch die Kochsendungen. Irgendwie ein Teufelskreis, oder?
    Ja, und ich stimme Ihnen ebenfalls zu, wenn Sie auf vergangene Zeiten zu sprechen kommen. Bei uns gab’s NUR am Sonntag Fleisch zu essen. Mit dem Rest bereitete meine Mutter montags einen köstlichen Eintopf zu. Der Fleischkonsum hält sich bei mir auch heute noch in sehr überschaubaren Grenzen. Ich beziehe das Fleisch/die Wurstwaren auch ausschließlich von einem regionalen Schlachter, bei dem Tiere nicht hunderte Kilometer in übervollen Tiertransportern zu Tausenden in Großschlachtereien teilweise qualvoll ihr Leben aushauchen müssen.

  4. Mein Kommentar beginnt mit der Frage WARUM?
    WARUM wurde denn das Unterrichtsfach Hauswirtschaft schleichend zur Sterbenden gemacht?
    Antwort Eins: Weil es für die beteiligten Institutionen zu aufwendig war und ist!? Die technischen Voraussetzungen müssten an allen Bildungseinrichtungen, im gleichen Standard, überall in unserer Bildungsrepublik die selben sein. Geht nicht!!!!!!!! Weil wir zu viele LänderBildungsLobbyisten haben, die ein zentrales Bildungssystem ablehnen und bekämpfen. „Liebe Grüße an die Bildungsverlage“
    Antwort Zwei: Weil wir bundesweit ausreichen Fachleute für Hauswirtschaft bräuchten. Und diese kommen, wie wir alle wissen, nicht aus LehrerProduktionsAnstalten oder anderen pädagogisch orientierten Institutionen, sondern aus der Privatwirtschaft oder privaten Bildungseinrichtungen ohne Lehrauftrag. Ja es gibt das Unterrichtsfach Hauswirtschaft an vielen Einrichtungen, aber werden dort alle Inhalte der modernen HW einbezogen? Werden dort Ausbilder, Anleiter oder Vermittler ausgebildet, oder doch nur „Putzen“ und „Kochen“ an unwillige Schüler und Kursanten weiter gegeben?

    Ich könnte jetzt weiter auf dem Missstand der Hauswirtschaftlichen Ausbildung herum reiten, aber das bringt uns nicht weiter.
    Mein Appell an alle Verantwortlichen: Führen sie das Unterrichtsfach Hauswirtschaft in allen Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche ein. Bundesweit für alle im selben Standard und in ausreichender Stundenanzahl, mindesten vier Wochenunterrichtsstunden.
    Bei fachlich korrekter Vermittlung sollten sich die meisten Ernährungsprobleme, die Überschuldung privater Haushalte, das Verständnis für Ökologie und Nachhaltigkeit, die Kommunikation im allgemeinen und viele andere „alltägliche“ Belange innerhalb von zwei Generationen zum Besseren wenden.
    Das verlangt allerdings nach Vermittlern die für ihr Fach brennen und es nicht als notwendiges Übel sehen.

    Liebe Grüße – ein HW Dozent -.

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