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Seltener Schritt: Professoren wollen Hochschul-Führung abwählen

HANNOVER. An der Hochschule Hannover knirscht es gewaltig, nun soll die komplette Führungsspitze um Präsidentin Kerkow-Weil abgewählt werden. Der Vorgang sei in der niedersächsischen Hochschulgeschichte einmalig, sagen Professoren.

Außergewöhnliche Entwicklung an der Hochschule Hannover: Die Führung mit Präsidentin Rosemarie Kerkow-Weil an der Spitze soll von den eigenen Mitarbeitern abgewählt werden. Der Senat der früheren Fachhochschule will die Abwahl des vierköpfigen Gremiums am 11. Januar beschließen, teilte die Hochschule im Anschluss an eine Sitzung des Senats mit.

Hintergrund für den in der Hochschullandschaft äußerst seltenen Vorgang ist Ärger über die Amtsführung des Präsidiums. Bei dem Streit geht es unter anderem um die Besoldungen für Professoren an der Hochschule, an der rund 8000 junge Menschen unter anderem Technik- und Medienfächer studieren. «Das ist ein in der niedersächsischen Hochschulgeschichte einmaliger Vorgang», erklärte Prof. Rolf Nobel, der Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule unterrichtet. «Insgesamt 150 Lehrende haben sich bislang hinter den Senat gestellt.»

Das vierköpfige Präsidium ist erst seit rund einem Jahr im Amt. Präsidentin Kerkow-Weil ist Professorin für Pflegewissenschaft und die Frau des hannoverschen Oberbürgermeisters Stephan Weil, der SPD-Spitzenkandidaten für die Niedersachsen-Wahl ist.  Zu den Details der Beratungen war nichts zu erfahren, da Vertraulichkeit vereinbart worden sei, sagte Hochschulsprecherin Olja Yasenovskaya. Den Lehrenden gehe es in dem Konflikt aber nicht in erster Linie um die Leistungszulagen bei ihrer Besoldung. Der Abwahl-Antrag sei vielmehr der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die sich schon seit langem abgezeichnet habe.

Nobel warf dem Präsidium einen autokratischen Führungsstil, mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation mit den Beschäftigten und Studierenden, einen häufig rüden Umgang mit dem Personal und zahlreiche unverständlichen Entscheidungen vor. «Abmahnungen, Krankenstand und Fluktuation sprechen eine deutliche Sprache», erklärte er. Die Stimmung an der Hochschule sei katastrophal.  Die Hochschulspitze hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG als externen Gutachter beauftragt, um die strittige Frage der Professorenbesoldung zu untersuchen. Präsidentin Kerkow-Weil hatte die Vorwürfe mangelnder Kommunikation zuletzt als haltlos zurückgewiesen. dpa

(18.12.2012)

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