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Kita und Grundschule: Unter einem Dach voneinander lernen

ROSDORF. Der Schritt vom Kindergarten in die Schule ist für viele Kinder eine große Umstellung. An acht Modellstandorten in Niedersachsen werden derzeit Strategien für einen einfacheren Übergang entwickelt. Bildungsexperten sehen noch großen Aufholbedarf.

Der Übergang von der Kita in die Grundschule soll in Niedersachsen verbessert werden. Foto: woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Der Übergang von der Kita in die Grundschule soll in Niedersachsen verbessert werden. Foto: woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Heute will der Funke noch nicht überspringen. Die Unterstützung der Kleinen durch die Großen bleibt aus. Konzentriert sitzen 20 Kinder in einem Raum der Heinrich-Grupe-Grundschule in Rosdorf, einer kleinen Gemeinde bei Göttingen, und basteln. Zwar in Grüppchen, aber trotzdem strikt getrennt: Auf der einen Seite eines langen Tisches sitzen die Kindergartenkinder, auf der anderen die Grundschüler. Doch im Mittelpunkt steht das Gemeinsame.

Die gemeinsame Unterrichtsstunde ist Teil des Modellprojekts «Kita und Grundschule unter einem Dach», das im Herbst 2012 startete. Die bessere Zusammenarbeit von Kindertagesstätten und Grundschulen steht im Mittelpunkt der Initiative des niedersächsischen Kultusministeriums, der Übergang von einer Einrichtung in die andere soll verbessert werden. Dafür werden an acht Standorten in Niedersachsen in den kommenden drei Jahren Handlungsempfehlungen entworfen, die im Anschluss flächendeckend umgesetzt werden sollen.

Der Tisch in der Rosdorfer Schule ist mit bunten Scheren, Papier und Klebestiften bedeckt. Zusammen basteln die Fünf- bis Siebenjährigen an Fahrzeugen: Aus alten Milchkartons, Korken oder Zahnstochern entstehen bewegliche Modelle. Vorsichtig schielt ein Kindergartenkind zu dem Zweitklässler Mika. Der drückt einen Holzspieß durch die Löcher des Kartons. Kurzer Check, die Achse hält. CDs folgen als Räder. «Diese Gruppe arbeitet zum ersten Mal miteinander, sie müssen sich noch kennenlernen», sagt Bärbel Voss, die Lehrerin.

Schon von 2007 bis 2011 lief ein ähnliches Projekt des niedersächsischen Kultusministeriums: das sogenannte Brückenjahr, das grundsätzlich das gleiche Ziel verfolgte – eine engere Verzahnung der Bildungseinrichtungen. Fünf Millionen Euro flossen damals in das Projekt, für die aktuelle Initiative ist knapp eine Million vorgesehen.

«Es ist wichtig, dass die Kinder vor dem Eintritt in die Schule das System kennenlernen», sagt die Rosdorfer Grundschulleiterin Elke Bornemann-Polzer. So kommen Kitas regelmäßig in die Schule, um die Lernwerkstätten zu nutzen, oft zusammen mit Grundschülern. «Wir wollen die Erfahrungen aus dem Brückenjahr jetzt nutzen, um die Kooperation zu intensivieren.» Eine engere Zusammenarbeit mit den Eltern sei vorgesehen. Außerdem soll die Entwicklung des Kindes verstärkt dokumentiert werden.

„Wir haben kein Erkenntnisproblem“

Für Christiane Thiele, Leiterin des Regenbogen-Kindergartens in Rosdorf, ist es vor allem wichtig, den Kindern Sicherheit und Orientierung zu bieten. «Die Schule wird ihnen damit vertrauter. Außerdem macht es die Kinder stolz, mit Grundschülern zusammenzuarbeiten», sagt die Erzieherin.

Doch ist ein erneutes Modellprojekt der richtige Weg, die Kooperationen landesweit zu fördern? Die Schulpädagogin Claudia Solzbacher vom niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Erziehung zweifelt daran. «Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem», sagt die Pädagogin. Der Verbesserungsbedarf bei der Vernetzung von Kindergärten und Grundschulen sei zwar groß, doch sie sieht die Nachhaltigkeit solcher Aktionen gefährdet. Eine grundlegende strukturelle Änderung sei notwendig – die wäre jedoch deutlich teurer und aufwendiger.

So profitieren die Rosdorfer Kinder, Erzieher und Lehrer in den kommenden Jahren von der Initiative der Landesregierung. Sie haben mehr Zeit, neue Konzepte zu erarbeiten, die anschließend allen zur Verfügung stehen. «Der Arbeitsaufwand ist aber immens», sagt Kita-Leiterin Thiele. Endet das Modellvorhaben, sei eine Fortsetzung auf diesem Niveau schwierig. Von CHRISTOPHER PILTZ, dpa (2.1.2013)

Zum Bericht: „NRW testet Schule von der ersten bis zur zehnten Klasse“

 

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