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Wanka und Gabriel im Streit um Studiengebühren

HANNOVER. Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hamburg und das Saarland haben sich in den letzten Jahren von Studiengebühren verabschiedet. Auch in Niedersachsen verspricht die SPD im Falle eines Wahlsiegs ihre Abschaffung. Die regierende CDU will dagegen an den Gebühren für alle Studierenden festhalten. Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl liefern sich der SPD-Chef Siegmar Gabriel und die niedersäschsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka einen handfesten Streit.

Aus der Sicht von Gabriel vertreiben die Zwangsbeiträge junge Menschen aus Niedersachsen: «Über 250 000 junge Menschen haben Niedersachsen seit dem Regierungswechsel zur CDU verlassen», sagte Gabriel der «Nordwest Zeitung» (Mittwoch). Dagegen verteidigte die amtierende Landeswissenschaftsministerin und emsige Verfechterin der Studiengebühren, Johanna Wanka (CDU), die Semesterbeiträge.

Johanna Wanka sieht Studiengebühren als eine Notwendigkeit. (Foto: AxelHH/Wikimedia CC BY 3.0)

Johanna Wanka sieht Studiengebühren als eine Notwendigkeit. (Foto: AxelHH/Wikimedia CC BY 3.0)

«Das sind 250 000 qualifizierte junge Leute – und die Erfahrung zeigt, wer weg ist, der kommt meistens nicht wieder», sagte Gabriel. Er bezog sich dabei auf Zahlen der Hochschulrektorenkonferenz. Gabriel kritisierte ferner, die unabhängige Bertelsmann-Stiftung habe festgestellt, dass Niedersachsen das Land sei, in dem Schüler es am schwersten hätten, einen Aufstieg zu schaffen.

Für Wanka ist die Rechnung Gabriels schlichtweg falsch. «Es gibt keine Flucht sondern einen maximalen Zulauf», sagte Wanka. Mit 171 000 Studierenden gebe es in Niedersachsen einen neuen Rekordwert. Die von Gabriel addierten Studierendenzahlen seien ferner «fast deckungsgleich» mit den Abwanderungsbewegungen zu Zeiten der SPD-Regierungszeit. «Und damals gab es keine Studiengebühren in Niedersachsen.»

Durch die Gelder hätten die Hochschulen ihre Qualität deutlich verbessern können. Allein im Jahr 2011 hätten die Hochschulen durch die Gebühren 106 Millionen Euro eingenommen. Für die Studierenden sei einzig die Qualität entscheidend für die Ortswahl. Dies zeige sich etwa in Osnabrück, wo auch viele Abiturienten aus Nordrhein-Westfalen wären. «Und dort gibt es schließlich keine Gebühren», sagte Wanka.

Die Mehrzahl der Hochschulen in Niedersachsen ist nach einer aktuellen Umfrage gegen eine Abschaffung der Studiengebühren. Von den 11 Unis im Land wollen 8 die Studenten weiterhin mit 500 Euro pro Semester zur Kasse zu bitten. Darunter sind die Unis in Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück und Vechta.

Die Hochschulen in Lüneburg und Göttingen möchten sich aus der politischen Debatte heraushalten und sich in dieser Frage gar nicht positionieren. Der Präsident der Uni Hannover, Erich Barke, geht davon aus, dass es zu einer Abschaffung der Gebühren kommen wird: «Es gibt keine Alternativen zur Abschaffung angesichts der derzeitigen Diskussion», sagte er. Seine Uni sei für eine Abschaffung vorbereitet.

Niedersachsen ist mit Bayern das letzte Bundesland, das alle Studenten generell zur Kasse bittet. Im CSU-geführten Bayern zeichnet sich aber bereits ab, dass auch dort die Gebühren keine Zukunft mehr haben.(dpa)

(09.01.2013)

Zum Bericht: “Studiengebühren ade – aber wie kommen Hochschulen jetzt an Geld?”

 

3 Kommentare

  1. Keine Studiengebühren wirken zwar wie eine großherzige Wohltat, doch es fragt sich, inwieweit diese auf Kosten der Studienqualität geht.
    Soziale Wohltaten des Staates haben sehr oft ihre Schattenseiten, die das Wahlvolk leider zu wenig bemerkt oder bemerken will.

  2. @ Aufmüpfer
    Nach einer Umfrage begrüßen die allermeisten Hochschulen in Niedersachsen die Studiengebühren. Sie scheinen auch kaum einen Studenten vom Studium in Niedersachsen abzuschrecken. Was soll also diese Forderung der SPD, die damit offensichtlich nur wieder einmal ganz billig auf Stimmenfang gehen will. Auf die “soziale Tränendrüse” zu drücken, scheint jetzt sowieso die neue Masche der Sozis und ihres gut verdienenden Kanzlerkandidaten zu sein. Sehr glaubwürdig, liebe SPD!!

  3. Auf Stimmenfang wollen alle Parteien gehen. Ärgerlich ist diese allerdings immer wieder, wenn dabei nicht sinnvolle Vorhaben ins Auge gefasst werden, sondern einzig auf kurzfristige und schädliche Popularität gesetzt wird.
    Hauptsache, man ist erst einmal für 4 Jahre gewählt, und der immer wieder wohlweislich als “klug” bezeichnete Wähler lässt sich von derartigen Lobeshymnen einlullen.
    Wie kann ein kluger Wähler nur die Grünen oder die SPD wählen? Auch bei der CDU und der FDP fragt man sich langsam, ob diese Parteien nicht längst im Schlepptau der linken Fraktion sind und sich deren populistische Parolen immer mehr zu eigen machen, weil diese so beneidenswert “erfolgreich” sind.
    Die Art und Weise, wie das Politspektakel heutzutage funktioniert, geht aber nicht allein auf das Konto der Politiker, sondern mindestens ebenso auf das der Wähler, die gierig nach jedem Zuckerbrot schnappen, das ihnen vor die Nase gehalten wird – egal, ob es sie, die Gesellschaft oder auch das Bildungswesen zunehmend krank macht und zugrunde richtet.

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