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Lehrer und Städte fordern gemeinsam mehr Geld für Inklusion

DÜSSELDORF. Die Finanzierung des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht-behinderten Kindern wird immer mehr zum politischen Zankapfel. In einem bislang einmaligen Appell fordern Kommunal- und Lehrerverbände vom Land Nordrhein-Westfalen mehr Geld für die Inklusion.

Rund 10.000 Lehrer zusätzlich werden laut Bertelsmann-Stiftung benötigt, wenn in Deutschlands Schulen inklusiv - wie hier an der Gesamtgrundschule Eitorf - gelernt wird. Foto: Bertelsmann Stiftung / Ulfert Engelkes

Rund 10.000 Lehrer zusätzlich werden laut Bertelsmann-Stiftung bundesweit benötigt, wenn in Deutschlands Schulen inklusiv – wie hier an der Gesamtgrundschule Eitorf – gelernt wird. Foto: Bertelsmann Stiftung / Ulfert Engelkes

Die geplante starke Ausweitung der Inklusion müsse ausreichend finanziert sein, verlangten die kommunalen Spitzenverbände sowie die Lehrerverbände VBE, GEW, Philologenverband und der Verband Sonderpädagogik aus Anlass einer Landtagsanhörung zum Haushalt 2013. Sowohl für Personal als auch für Ausstattung der Schulen müsse es ausreichend Geld geben. Der Haushaltsplan werde diesem Anliegen nicht gerecht. Der Sozialverband VdK forderte alle Beteiligten auf, endlich eine gemeinsame Lösung zu finden.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) kündigte für den Schulhaushalt Investitionen mit «klarem Schwerpunkt bei Inklusion» an. Im neuen Haushalt gebe es für diesen Zweck 465 zusätzliche Stellen und eine Erhöhung der Sachmittel im Inklusionsfonds von 1,25 Millionen Euro. Diese Mittel sollen primär in Fortbildungsmaßnahmen fließen. «Wir lassen Lehrerinnen und Lehrer nicht alleine, sondern bereiten sie auf ihre Aufgabe vor. Die Investitionen in die Fortbildungen ergänzen bereits ergriffene Maßnahmen», sagte Löhrmann laut Pressemitteilung.

Kraft: Keiner weiß, wie teuer die Inklusion wird

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte die Inklusion als große Herausforderung bezeichnet und sich beim Start auf das Schuljahr 2014/2015 festgelegt. Zum Streit mit den Kommunen über die Finanzierung der Inklusion sagte die Regierungschefin, aktuell wisse niemand, was diese gesellschaftlich notwendige Aufgabe kosten werde.

Kommunal- und Lehrerverbände warfen der Landesregierung vor, «bis heute keine realistische Kostenfolgeabschätzung erstellt» zu haben. Für eine vernünftige Planung und Umsetzung der Inklusion sei diese aber unverzichtbar. Das Land müsse deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen – insbesondere für mehr Sonderpädagogen, für die Fortbildung von Regelschullehrern, für Pflege- und Assistenzkräfte sowie Schulbegleiter und Schulsozialarbeiter. Auch für inklusionsgeeignete Lehr- und Lernmittel, die Herstellung von Barrierefreiheit und die Schülerbeförderung sei mehr Geld erforderlich.

Die FDP nannte die gemeinsame Erklärung von Kommunen und Lehrern eine «schallende Ohrfeige für Schulministerin Löhrmann». Die Landesregierung müsse Kommunen, Schulen und Eltern Planungssicherheit geben, forderte FDP-Bildungssprecherin Yvonne Gebauer. Allein mit dem Verschieben des Rechtsanspruchs sei es nicht getan. Die Landesregierung hatte den ursprünglich für das Schuljahr 2013/14 geplanten schrittweisen Start des Rechtsanspruchs auf gemeinsamen Unterricht um ein Jahr verschoben. dpa
(17.1.2013)

 

Zum Bericht: “Krach ums Geld: Anspruch auf Inklusion in NRW verschiebt sich”

 

Ein Kommentar

  1. Geld, Geld, Geld… Kann man damit falsche Konzepte oder Methoden ausbügeln und hoffähig machen?
    Je mehr Geld die Schulsysteme verschlingen, desto schlechter sind sie meiner Meinung nach. Gute Ideen brauchen in ihrer Umsetzung keine dauerhafte finanzielle Aufpäppelung. Sie laufen relativ reibungslos, weil sie stimmig sind. Außerdem zeigen sie gute Ergebnisse.
    Nur das blinde und dauerhafte Rumdoktern an Fehlentscheidungen verschlingt Unsummen. Anstatt hierfür immer größere Beträge zu fordern, sollte endlich einmal angefangen werden, sämtliche Übel bei der Wurzel zu packen. Das wagen die Bildungspolitiker und Schulgestalter aber nicht, weil damit auch ihre Fehler bloßgelegt würden.
    Und so rufen alle gebetsmühlenartig nach immer mehr Geld für immer mehr Personal, das dazu da ist, ständig zu flicken anstatt zu schustern. So tritt man sich im Schulfilz nicht gegenseitig auf die Füße, denn das Geld spielt ja die Rolle des Übeltäters.
    Das inklusive Lernen ist wieder so ein Irrweg, der allen Schülern schlecht bekommt, auch wenn er aus ideologischer Verbohrtheit als Heilsweg gilt.
    Es braucht nur ein bisschen Phantasie und gesunden Menschenverstand, um zu erkennen, dass die Sache trotz weiterer Millionen und Milliarden schiefgehen muss.
    Immer mehr Geld und Personal wird eine Bankrotterklärung vermutlich mal wieder lange hinauszögern. In der freien Wirtschaft würde so etwas Konkursverschleppung genannt.
    Im staatlichen Bildungswesen gibt es leider keinen Konkurs, der dem Elend ein rasches Ende bereiten würde, weil die unwissenden Steuerzahler bereitwillig immer größere Zechen für falsche Entscheidungen zahlen. Die Forderung nach einer besseren Bildung, die angeblich nur vom Geld abhängt, muss jedem einleuchten.
    Die wirklich lebenswichtige und folgenschwere Zeche zahlen aber die Schüler. Um dies zu erkennen, muss man allerdings endlich vom Geld absehen.

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