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„Lesbe“ und „Schwuchtel“ sind beliebte Schimpfwörter bei Jugendlichen

BERLIN. Traurig, aber wahr: Mehr als ein Drittel aller Berliner Sechstklässlerinnen und Sechstklässler verwenden das Wort „Lesbe“ als Schimpfwort, fast zwei Drittel die Begriffe „Schwuchtel“ oder „schwul“. 
ROSTOCK. Jungen werden immer früher körperlich erwachsen. Seit mindestens Mitte des 18. JahrhuDer Zeitraum, in dem junge Männer zwar geschlechtsreif, aber sozial gesehen noch nicht erwachsen sind, wird immer länger. Foto: Dbl / Flickr (CC-BY-NC-ND-2.0)

Mehr als ein Drittel aller Berliner Sechstklässler verwenden das Wort „Lesbe“ als Schimpfwort, fast zwei Drittel das Wort „Schwuchtel“. Foto: Dbl / Flickr (CC-BY-NC-ND-2.0)

Eine Untersuchung der Berliner Humboldt-Universität hat ergeben: 40 Prozent aller Berliner Sechstklässlerinnen und Sechstklässler verwenden das Wort „Lesbe“ als Schimpfwort und sogar 62 Prozent die Begriffe „Schwuchtel“ oder „schwul“. Zu diesem Ergebnis kommt eine bezüglich der Schularten repräsentative Befragung „Akzeptanz sexueller Vielfalt an Berliner Schulen: Eine Befragung zu Verhalten, Einstellungen und Wissen zu LSBT und deren Einflussvariablen“ unter 787 Schülerinnen und Schülern aus 20 Berliner Schulen.

Das Forscherteam hat unter der Leitung von Psychologe Dr. Ulrich Klocke hat erfasst, wie Schülerinnen und Schüler gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Mitschülerinnen und Mitschülern, die sich geschlechtsuntypisch verhalten, eingestellt sind. Darüber hinaus haben sie erstmalig gemessen, was die Schüler über diese Gruppen wissen und wie sie sich ihnen gegenüber verhalten. Das Wissen wurde über einen Test mit Wissensfragen erhoben und das Verhalten anhand von Auskünften der Mitschüler abgefragt. Die Studie untersucht die Akzeptanz sexueller Vielfalt und zeigt, wie diese durch die Lehrkräfte beeinflusst wird.

Probates Gegenmittel: Lesbisch- und Schwulsein im Unterricht thematisieren

„Jugendliche zeigen eine höhere Akzeptanz sexueller Vielfalt, je häufiger ihre Lehrkräfte Lesbisch- und Schwulsein im Unterricht thematisiert haben, gegen homophobes Verhalten eingeschritten sind, und je seltener sie sich über Lesben, Schwule oder geschlechtsuntypisches Verhalten lustig gemacht haben“, sagt Dr. Ulrich Klocke über die Ergebnisse. Wenn Jugendliche lesbische, schwule oder bisexuelle Personen persönlich kennen, sind sie deutlich positiver eingestellt, kennen sich besser aus und zeigen solidarischeres Verhalten. Darüber hinaus haben Jugendliche positivere Einstellungen gegenüber Lesben und Schwulen und verhalten sich ihnen gegenüber solidarischer, wenn sie wissen, dass Mobbing im Leitbild ihrer Schule geächtet wird.
Je mehr die Jugendlichen hingegen von einer natürlichen Hierarchie sozialer Gruppen ausgehen, traditionelle Geschlechterrollen befürworten und je religiöser sie sind, desto ablehnender sind sie eingestellt.

Deutlich machen, dass Mobbing und Ausgrenzung geächtet werden

„Die Untersuchung macht deutlich, dass Lehrkräfte eine Vielzahl von Möglichkeiten besitzen, Mobbing und Homophobie zu reduzieren und ein Klima der Akzeptanz gegenüber sozialer Vielfalt zu schaffen“, führt Ulrich Klocke aus. „Beispielsweise können sie neben heterosexuellen auch gleichgeschlechtlich liebende Personen und Paare ganz selbstverständlich erwähnen, wenn es um Themen wie Liebe, Familie oder Freundschaft geht. Zudem sollten sie deutlich machen, dass Mobbing und Ausgrenzung an ihrer Schule geächtet werden und sie Diskriminierung nicht dulden. Und damit können sie nicht früh genug anfangen, weil gerade unter Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern homophobe Beleidigungen besonders verbreitet sind.“

 

Link zum Bildungsserver Berlin-Brandenburg mit Unterrichtsmaterialien gegen Homophobie

 

(20.01.2013)

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