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Sachsen-Anhalt plant neues Bildungsprogramm für Kitas

MAGDEBURG. Mit dem neuen Bildungsprogramm solle die Qualität der Kindertagesbetreuung in Sachsen-Anhalt weiter verbessert werden, betonte Sozialminister Norbert Bischoff bei der Vorstellung des Arbeitspapiers „Bildung: elementar – Bildung von Anfang an“. Das Bildungsprogramm soll künftig für alle Einrichtungen – von der Krippe über den Kindergarten bis zum Hort – verbindlich sein.

Bischoff (SPD) sagte am Donnerstag in Magdeburg, über den vorliegenden Arbeitsentwurf werde nun breit öffentlich diskutiert. Dazu sind Foren in allen Regionen des Landes geplant. Noch in diesem Jahr soll das Papier fertig sein.

Norbert Bischoff

Will “auf einer soliden Grundlage die Diskussion über Inhalte und Qualitätsstandards in der frühkindlichen Bildung führen“, Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff. Foto: Aeggy / Wikimedia Commons (CC-BY-3.0)

Die vorliegenden 160 Seiten wurden binnen zwei Jahren von Wissenschaftlern und Praktikern erarbeitet. Das neue Bildungsprogramm mit dem Titel «Bildung: elementar – Bildung von Anfang an» ist eine Fortschreibung eines bisherigen aus dem Jahr 2004. Grundsätzlich sei alles vom Kind her gedacht, zudem gehe es darum, was Eltern brauchten, sagte Bischoff. Die Leiterin des Instituts Bildung: elementar, Ursula Rabe-Kleberg, betonte, dass das Bildungsprogramm radikal die Kinderrechte ins Zentrum stelle.

Ausgehend von den Rechten, Wünschen und Bedürfnissen der Kinder sind Leitlinien für Kitas abgeleitet. Beispielsweise sollen Erzieherinnen nicht Führerinnen der Kinder sein, sondern deren Begleiterinnen und Unterstützerinnen. Die Kinder sollen vielfältige Anregungen erhalten. Sie habe etwa beobachtet, dass in vielen Kitas nicht gesungen werde, sagte Rabe-Kleberg, die Professorin für Bildungssoziologie in Halle ist. Im Bildungsprogramm ist Musik als einer von neun Bildungsbereichen vorgesehen neben Körper, Grundthemen des Lebens, Sprache, Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Mathematik, Natur und Technik. Das Programm, das sich an Erzieher richtet, stellt die Bedeutung dieser Bereiche heraus, ebenso die möglichen Interessen der Kinder und Schlussfolgerungen für das Handeln der Erzieher.

Um eine Art Lehrplan handelt es sich bei dem Bildungsprogramm nicht, stellte der Sozialminister klar. Vielmehr gehe es darum, die Freude am Lernen zu entdecken. Klar sei, dass nicht jedes Kind zu jedem Zeitpunkt das Gleiche können muss. Rabe-Kolberg ergänzte, dass den Erzieherinnen auch eine Hilfe an die Hand gegeben werde, ab wann etwa therapeutische Hilfe nötig sei.

Das Kind werde nicht losgelöst betrachtet von Familie und Gesellschaft. «Die Eltern werden ernst genommen, sie werden als Experten genommen», sagte Rabe-Kleberg. Es gehe aber nicht nur um Harmonie, sondern es müsse auch Diskussionen dort geben, wo die Rechte der Kinder nicht beachtet würden. «Das ist eine kritische Partnerschaft.» Die Kita erhalte auch den Auftrag, an sozialen Ungleichheiten zu arbeiten, die aus Herkunft, Kultur oder Sprache herrührten. Bislang sei der Bildungsweg von Kindern stark beeinflusst von ihrer Herkunft.

Sachsen-Anhalt hat mit Wirkung zum August 2013 für alle Kinder zwischen 0 und 14 Jahren den Ganztagsanspruch auf Betreuung außerhalb des Elternhauses wieder eingeführt. Zuvor konnten Kinder von Erwerbslosen nur halbtags betreut werden. (Dörthe Hein, dpa)

(10.01.2013)

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