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Spaenle: Halbtagsschule bleibt Regelschule in Bayern

MÜNCHEN. Der Ausbau der Ganztagsangebote an Bayerns Schulen bleibt eines der großen Streitthemen in der Landespolitik. Kultusminister Spaenle meldet Erfolge, die Opposition wirft ihm Schönfärberei vor.

«Was wir nicht tun, ist die Halbtagsschule als Regelfall durch die Ganztagsschule zu ersetzen»: Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. Foto: Michael Lucan / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

«Was wir nicht tun, ist die Halbtagsschule als Regelfall durch die Ganztagsschule zu ersetzen»: Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. Foto: Michael Lucan / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Die Staatsregierung will den Ausbau der Ganztagsangebote an Bayerns Schulen weiter vorantreiben – aber die traditionelle Halbtagsschule soll der Regelfall bleiben. Bis Ende 2014 soll es an 90 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen Ganztagsangebote geben. Derzeit sind es 78 Prozent, wie Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Montag nach der Kabinettssitzung in München berichtete. «Wir wollen die Reichweite erhöhen, das ist unser Ziel.» So empfiehlt das Kultusministerium den Gymnasien, eine Ganztagsklasse pro Jahrgang anzubieten. Doch eine generelle Umstellung auf Ganztagsbetrieb soll es nicht geben. «Was wir nicht tun, ist die Halbtagsschule als Regelfall durch die Ganztagsschule zu ersetzen.»

Die SPD ist mit den Fortschritten unzufrieden: «In Bayern stehen gerade einmal für fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler qualitativ gute Ganztagsangebote zur Verfügung», kritisierte Martin Güll, der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion. «Von wegen hohe Dynamik, das ist immer noch Schneckentempo.” Güll monierte vor allem, dass es zu wenig echte Ganztagsklassen gebe, sondern hauptsächlich Nachmittagsbetreuung ohne Unterricht angeboten werde.

Tatsächlich belegen die Zahlen des Kultusministeriums, dass es inzwischen an den meisten Schulen zwar Ganztagsangebote gibt, diese nur von einer Minderheit besucht werden. Die Schülerzahl an Volksschulen, Realschulen und Gymnasien liegt bei knapp 1,3 Millionen – eine Ganztagsklasse oder eine nachmittägliche Ganztagsbetreuung besuchen nach den Zahlen des Kultusministeriums aber nur 143 000 Schüler. Weitere 92 000 nehmen das Angebot der Mittagsbetreuung in Anspruch. Das Angebot orientiere sich «am individuellen Bedarf vor Ort in der einzelnen Kommune», sagte Spaenle. In den vergangenen Jahren sei jeder förderfähige Antrag genehmigt worden. «Die Mittel sind da.»

SPD: Kommunen stellen gar keine Anträge

Der SPD-Abgeordnete Güll dagegen kritisierte, die Ausstattung der Schulen mit zusätzlichen Lehrerstunden und Geld sowie die Unterstützung der Kommunen bei notwendigen Baumaßnahmen seien teilweise so schlecht, dass Schulen und Bürgermeister gar keine Anträge stellten. Eine SPD-geführte Regierung würde nach seinen Worten in jedem bayerischen Landkreis und jeder kreisfreien Stadt mindestens ein Gymnasium und eine Realschule zur kompletten Ganztagsschule umwandeln. Dann werde die Nachfrage auch deutlich ansteigen.

Die Staatsregierung beschloss in der Kabinettssitzung, die bisher auf fünfte und sechste Klasse beschränkten Ganztagsklassen an Gymnasien und Realschulen in der siebten und achten Klasse fortzuführen. Und an den Wirtschaftsschulen soll es Ganztagsklassen im nächsten Jahr auch in der achten Jahrgangsstufe geben, nicht mehr nur in der siebten wie bisher. dpa
(14.1.2013)

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