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Bildungsbotschafter: „Es hat noch keiner den Knall gehört“

KÖLN/STUTTGART. Uwe Hück, Ex-Heimkind und Sonderschüler, heute Konzernbetriebsratschef bei Porsche und in diesem Jahr Didacta-Botschafter will ein stärkeres Engagement der Wirtschaft in der Schule.

Mehr Schulsport, stärkere Hilfe für Kinder aus bildungsschwachen Familien und eine Ausbildungsplatzgarantie könnte die Verlierer des Bildungssystems auf den richtigen Kurs bringen. Das sagt Porsche-Konzernbetriebsratschef Uwe Hück – in diesem Jahr Botschafter der europaweit größten Bildungsmesse Didacta. «Wir dürfen keinen einzigen Jugendlichen aufgeben. (…) Wir haben seit über 200 Jahren Schulpflicht in Deutschland. Aber es hat noch keiner den Knall gehört. Jeder diskutiert über alles, nur nicht ernsthaft über die Zukunft unserer Kinder.»

Uwe Hueck mit Wolfgang Maedel und Ralf Stegner

Setzt sich für bildungsschwache Kinder ein: Uwe Hück (links) Foto: SPD-Schleswig-Holstein / Flickr (CC BY 2.0)

Hück, der als Heimkind aufwuchs und erst Sonder-, dann Hauptschüler war, besucht regelmäßig Schulen, um den Nachwuchs zum Lernen und Durchhalten zu ermuntern: «Ich gehe in die Hauptschulen rein und mache den Schülern klar: “Das Trikot schwitzt nicht von allein”. Die Jugendlichen brauchen Disziplin, Begeisterung, Motivation und Perspektiven. Und die geben wir ihnen nicht», kritisiert der frühere zweimalige Europameister im Thaiboxen. «Ich will mehr Sport an den Schulen. Denn da lernen die Schüler: Wenn ich hinfalle, muss ich wieder aufstehen. Ich darf nicht aufgeben und ich muss intelligent spielen.»

«Es müssen nicht alle in der Oberliga oder in der Bundesliga spielen, aber es müssen alle mitspielen», betonte der Botschafter der Didacta 2013, die am kommenden Dienstag (19.2.) in Köln startet. «Wir brauchen nicht nur Eliten und Akademiker, wir brauchen auch Autobauer, Handwerker, Verkäufer.» Die Wirtschaft solle sich stärker in den Schulen engagieren – auch finanziell etwa für Sport- und Computerausstattung oder Mahlzeiten für bedürftige Kids. «Die Politik alleine wird es nicht schaffen, eine optimale Infrastruktur in den Schulen hinzubekommen», glaubt der 50-Jährige.

Schulabgänger dürften nach der Klasse neun oder zehn nicht sich selbst überlassen werden sondern sollten möglichst ein Lehrstellenangebot erhalten. «Wer nicht ausbildungsfähig ist, muss anders aufgefangen werden.» Porsche biete schwachen Schulabgängern oder -abbrechern nun ein Förderjahr an, das bei erfolgreichem Abschluss in einen Ausbildungsplatz münde. «Aus jedem verstaubten Diamanten kann man auch einen glänzenden machen.»

Es dürfe auch nicht hingenommen werden, dass rund 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland als sogenannte funktionale Analphabeten keine zusammenhängende Texte lesen oder schreiben könnten, sagte Hück. Derzeit gründe er eine Stiftung, die Analphabeten Nachhilfe anbiete. «Die Leute können in meinen Verein kommen, dort Trainer oder Betreuer werden und nebenbei Lesen und Schreiben lernen.»

Hück trainiert benachteiligte Jugendliche in Pforzheim im Thaiboxen, um Aggressionen abzubauen und Werte wie Fairplay, Ausdauer und Respekt zu vermitteln. «Schönreden reicht nicht. Alle sind gefragt: Politik, Wirtschaft, Eltern, die Gesellschaft mit dem Ehrenamt und den Vereinen als soziales Auffangbecken.» (Yuriko Wahl-Immel, dpa)

(16.02.2013)

Ein Kommentar

  1. «Es müssen nicht alle in der Oberliga oder in der Bundesliga spielen, aber es müssen alle mitspielen», betonte der Botschafter der Didacta 2013, die am kommenden Dienstag (19.2.) in Köln startet. «Wir brauchen nicht nur Eliten und Akademiker, wir brauchen auch Autobauer, Handwerker, Verkäufer.»
    Prima, Herr Hück! Ich stimme Ihnen vollständig zu. Das erklären Sie aber bitte einmal Ihren Sozi-Freunden, denn bereits Willy Brandt forderte bei seinem Amtsantritt 19969, dass 50% eines Jahrganges das Abitur erreichen müssen. Ja, das ist wohl inzwischen erreicht, aber um den Preis eines oft genug wenig aussagekräftigen Papiers, auf das sich die Unis oder die Wirtschaft nicht mehr verlassen mögen.

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