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Die Schule der SPD? Gießener Gymnasium brachte etliche Parteigrößen hervor

GIESSEN. Von Wilhelm Liebknecht bis zu Thorsten Schäfer-Gümbel: Auffallend viele prominente Sozaldemokraten besuchten einst das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Dennoch sieht sich die Schule sieht sich aber nicht als Kaderschmiede der SPD.

Rund 1200 Gymnasiasten in Gießen haben mit mehreren SPD-Größen etwas gemeinsam: dieselbe Schule. Auf der Ehemaligenliste des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums (LLG) stehen bekannte sozialdemokratische Namen wie Wilhelm Liebknecht, Hans-Jochen Vogel oder Thorsten Schäfer-Gümbel. «Wir sind vermutlich die Schule, die der SPD die meisten Führungskräfte geliefert hat», sagt Pensionär Jürgen Dauernheim, der sich um das Archiv des Gymnasiums kümmert. Eine Schule in Mittelhessen als Kaderschmiede der SPD?

Ludwig V. von Hessen-Darmstadt

Gründete vor über 400 Jahren das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium: Ludwig V. von Hessen-Darmstadt.

Das könne man so nicht sagen, betont Lehrer Gunter Weckemann, der Politik und Deutsch unterrichtet. Es habe sich ergeben. Denn die Schule sei lange das einzige und vor allem das einzige altsprachliche Gymnasium in der Region gewesen. Das habe bestimmte Schichten angezogen. Das LLG gehört zu den ältesten Schulen in Hessen, gegründet 1605 vom hessischen Landgrafen Ludwig. Im Verlauf der Jahre zog die Einrichtung mehrfach um, heute liegt sie in der Gießener Nordstadt.

Der Leiter des Stadtarchivs, Ludwig Brake, erklärt: «Für Gießen war das Gymnasium seit seiner Gründung ein Alleinstellungsmerkmal, an dem man nicht vorbeikam, wenn man seinen Kindern – das waren zunächst nur die Knaben – eine höhere Bildung angedeihen lassen wollte.» Seit 1837 habe es daneben auch eine Realschule gegeben, die ab dem Jahr 1884 mit einem neuen Zweig zum Abitur führte. Dennoch sei das LLG lange «das» Gymnasium in der Stadt geblieben, sagt Brake. «Vor allem bei den an humanistischer Bildung orientierten Kreisen in Gießen.»

So lernten am LLG SPD-Mitbegründer Wilhelm Liebknecht (1826-1900) oder Ex-Bundesparteivorsitzender Hans-Jochen Vogel (und sein Bruder Bernhard, der frühere CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen). Schularchivar Dauernheim zufolge gehören zu den Ex-Schülern auch die frühen Sozialdemokraten Eduard David (1863-1930), Samuel Spier (1838-1903) oder Simon Katzenstein (1868-1945).

Daneben war aber auch CDU-Prominenz  auf dem LLG. Neben Vogels Bruder Bernhard, (der frühere CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen), gehört mit dem früheren Außen-, Innen- und Verteidigungsminister Gerhard Schröder (1910-1989) ein weiterer CDU-Politiker zum illustren Kreis der ehemaligen Schüler.

Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel erklärt: Die Motivation für ihn, als 16-Jähriger in die SPD einzutreten, seien weniger seine sozialdemokratischen Vorgänger an der Schule gewesen als vielmehr Teile seiner Schulbiografie. «Ich bin nach der Förderstufe auf dem Realschulzweig eingeschult worden. Ich hatte dann aber das Glück, einen besonderen Lehrer (…) zu haben, der sich für den Wechsel auf den Gymnasialzweig einsetzte. Diese Erfahrung von Chance und Förderung prägt mich bis heute und hat mich ein Stück weit politisiert.»

Die namhaften Ex-Schüler stehen nach Angaben des LLG aber nicht extra häufig auf dem Stundenplan. Sie tauchten etwa dann im Unterricht auf, wenn es sich bei Projektarbeiten anbiete. Als ein verbindendes Element zu den kritischen Köpfen – darunter auch Schriftsteller – sieht Geschichtslehrer Christoph Geibel: «Dass wir auf verschiedenen Ebenen versuchen, die Schüler zur Kritikfähigkeit zu erziehen, sie gerade sprachlich zu schulen.» Carolin Eckenfels, dpa

(11.02.2013)

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