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Gauck würdigt Sozialreformer Kolping als „großen Deutschen“

KÖLN. Bundespräsident Joachim Gauck hat den vor 200 Jahren geborenen Adolph Kolping als wegweisenden Sozialreformer gewürdigt. «Ein besonderer Mann, ein überzeugter Christ und ein großer Deutscher», sagte Gauck bei einem Festakt in Köln. Der Begründer des katholischen Kolpingwerkes könne bis heute «aus Bequemlichkeiten und Selbstgenügsamkeiten aufrütteln und neue Orientierung geben».
Einsatz für Bildung und sozialen Aufstieg: Adolph Kolping. Foto: Wikipedia Commons

Einsatz für Bildung und sozialen Aufstieg: Adolph Kolping. Foto: Wikipedia Commons

Zwar meinten die meisten Menschen heute jemand anderen, wenn sie von «dem Kerpener» sprächen, sagte Gauck. «Kerpen, ganz hier in der Nähe, heißt aber nicht etwa „Schumacherstadt Kerpen“, sondern „Kolpingstadt Kerpen“.» Und das habe wohl nicht nur den Grund, dass Kolping eben schon wesentlich früher geboren sei als Schumacher. «Es liegt wohl vor allem an einem entscheidenden Unterschied», sagte Gauck. «Wo der eine der Meister darin ist, auf einer vorgegebenen Strecke der Schnellste zu sein, dabei aber immer im Kreis fährt, ging es dem anderen gerade darum, Menschen zu helfen, aus dem vorgegebenen Kreis auszubrechen – ruhig auch langsam.»

Die Erinnerung an Kolping sei kein Gang durchs Museum, sagte Gauck. Kolping sei noch immer hochaktuell, da er zum sozialen Engagement aufrufe. «Die fundamentale Überzeugung, die Kolpings Handeln geprägt hat und bis heute aktuell macht, lautet: Der junge Mensch kann und muss befähigt werden, selbstständig und selbsttätig zu werden.»

Kolping hatte 1849 einen Gesellenverein gegründet, der junge Handwerker unterstützte und ihnen Fortbildung und sozialen Aufstieg ermöglichte. Später ging daraus das Kolpingwerk hervor, ein katholischer Sozialverband mit heute bundesweit einer Viertelmillion Mitglieder. Rund 2600 sogenannte Kolpingsfamilien engagieren sich in der Bildungs-, Senioren- und Sozialarbeit. Kolping-Bildungswerke unterhalten etwa 150 Einrichtungen zur beruflichen Bildung.

Adolph Kolping (1813-1865) war einer der bedeutendsten deutschen Sozialreformer. Anders als Karl Marx wollte er die Lage der Arbeiter nicht durch Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse verbessern, er setzte vielmehr auf praktische Hilfe und Weiterbildung. Dabei sollten sich die Menschen von der Wiege bis zur Bahre in katholischen Verbänden aufgehoben fühlen. Mit diesem Programm war Kolping überaus erfolgreich – so erfolgreich, dass in einer hochindustrialisierten Stadt wie Köln viele Arbeiter schließlich nicht die SPD oder die Kommunisten wählten, sondern die katholische Zentrumspartei.

Kolping stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Mit 13 Jahren begann er eine Lehre als Schuhmacher, arbeitete zehn Jahre in diesem Handwerk. Dann machte er das Abitur nach, studierte und wurde Priester.

Als Kaplan in Wuppertal lernte Kolping die Not der Fabrikarbeiter kennen. Das war sein Schlüsselerlebnis. Danach bot er Gesellen auf Wanderschaft ein Dach über dem Kopf, initiierte Bildungsprogramme und warb für eine Öffnung der katholischen Kirche. Sie sollte aktiv auf die Arbeiter zugehen und ihnen helfen. Da Kolping für seine Ideen – ebenso wie Marx – mit einer eigenen Zeitung warb, wurde sein Konzept bald in ganz Deutschland und in vielen anderen Ländern bekannt und kopiert. dpa

(2.2.2013)

Hier geht es zur Homepage des Kolpingwerkes.

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