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KMK-Präsident fordert: Lehrer sollen sich mehr für Inklusion engagieren

MAGDEBURG. Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD), Präsident der Kultusministerkonferenz, hat die Lehrer zu mehr Engagement beim gemeinsamen Unterricht behinderter und nichtbehinderter Schüler aufgefordert. Es fehle etlichen Pädagogen an der Bereitschaft, sich auf die Inklusion einzustellen, sagte Dorgerloh gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) ist neuer KMK-Präsident - und prescht jetzt beim Thema Inklusion vor. Foto: FSJ Kultur LSA / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) ist neuer KMK-Präsident – und prescht jetzt beim Thema Inklusion vor. Foto: FSJ Kultur LSA / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Dabei hatte Dorgerloh, seit Januar an der Spitze der Kultusministerkonferenz, auch die Lehrer seines eigenen Bundeslandes im Blick. Obwohl es inzwischen einen Rechtsanspruch darauf gibt, gelingt die Umsetzung der Inklusion laut „Mitteldeutscher Zeitung“ nur zögerlich: Nach neuesten Zahlen werde nur knapp ein Viertel aller behinderten Schüler im Land an Regelschulen unterrichtet, in Bremen sei es hingegen bereits die Hälfte. Dorgerloh räumte laut Bericht ein, dass es lange kein Konzept für die Inklusion in Sachsen-Anhalt gegeben habe; ein solches liege nun jedoch vor.

Auf der anderen Seite fehle es etlichen Lehrern aber noch an der Bereitschaft, sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen, die der gemeinsame Unterricht mit sich bringe. Dorgerloh sagte gegenüber dem Blatt: „Ich glaube, es gibt eine Illusion namens Homogenität. Der hängen manche Pädagogen noch nach.“ Dabei sei Lernerfolg keine Frage einer möglichst homogenen Klassenstruktur, entscheidend sei vielmehr ein guter Unterricht, der vom Schüler her gedacht werden müsse.

Dorgerloh: Es gibt die Pflicht zur Fortbildung

„Es gibt mittlerweile immer mehr Schulen, die lösen das bereits ganz hervorragend“, sagte der Minister. Dort würde in Lerngruppen unterrichtet, die Schüler würden sich gegenseitig helfen und der Lehrer tariere entsprechend aus. Es gebe aber nach wie vor Lehrer, die am klassischen Blockunterricht festhalten würden. Dorgerloh forderte daher die Lehrer auf, sich verstärkt an Weiterbildungen zu beteiligen. Es gebe nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Fortbildung.

Dorgerloh kündigte gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“ an, Schulen, die besonders engagiert den Weg des gemeinsamen Unterrichts beschritten, zu belohnen: Sie sollen dauerhaft einen Sonderpädagogen ins Team bekommen. Derzeit ist es laut Bericht noch so, dass den Schulen je lernbehindertem Kind zwei Stunden pro Woche mit einem Sonderpädagogen zugesprochen werden. Dorgerloh hält das der Zeitung zufolge für falsch, weil dadurch ein Anreiz für die Schulen gesetzt werde, möglichst viel Förderbedarf zu diagnostizieren. Dies will der Minister ändern, und Sozialpädagogen dauerhaft an Schulen beschäftigen.

Gleichzeitig betonte der Vorsitzende der Kultusminister-Konferenz, dass die Politik weder in Sachsen-Anhalt noch bundesweit ein Ziel setze, wann Inklusion vollständig umgesetzt sein müsse. „Wir haben uns ganz bewusst keine Vorgaben gesetzt, um Lehrer und Eltern nicht zu überfordern“, sagte Dorgerloh. Schließlich erfolgten Fortbildung der Lehrer und Ausstattung der Schulen für die Aufnahme behinderter Kinder bei laufendem Schulbetrieb. News4teachers

(18.2.2013)

Zum Bericht: „Lehrer und Städte fordern gemeinsam mehr Geld für Inklusion“

3 Kommentare

  1. Herrlich: „Es fehle etlichen Pädagogen an der Bereitschaft, sich auf die Inklusion einzustellen“ und „Dorgerloh forderte daher die Lehrer auf, sich verstärkt an Weiterbildungen zu beteiligen. Es gebe nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Fortbildung.“
    Nur mal als Denkanstoß: nicht nur an meiner Schule und in meiner Region wird das Geld für entsprechende Fortbildungen nicht bereit gestellt (wobei da die eher das Schulamt und die Bezirksregierung verantwortlich sind), vielmehr werden willigen Pädagogen Steine in den Weg gelegt. Ein aktuelles Beispiel von vielen: nachdem wir mehrfach das Schulamt für wenigstens ein bis zwei zusätzliche Stunden für ein „inklusionsbedürftiges“ Kind zur besseren Unterstützung dessen angeschrieben haben, kam als Antwort: „Schreiben Sie uns nicht dauernd an! Wir nehmen Ihnen sonst das Kind weg!“ Ich lasse das einfach mal so stehen…

  2. Hier wird mal wieder vorausschauend Sündenbock-Taktik betrieben. Wenn das inklusive Lernen im Chaos endet oder zumindest erschreckende Ergebnisse zeigt, sind die Fortbildungsmuffel oder „faulen Säcke“ Lehrer schuld.
    Es ist immer das gleiche Schema: die Nieten in Nadelstreifen, die realitätsfernen Bildungspolitiker und Schulgestalter kommen stets mit sauberer Weste davon, wenn Systeme und Methoden einfach nicht hinhauen, die sie den Schulen verordnen. Die Inklusion basiert auf reinem Wunschdenken und muss einfach schiefgehen.

  3. Das ist so, wenn der Verantwortliche Blockunterricht nicht von Frontalunterricht unterscheiden kann. Fortbildung ist HIER notwendig.

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