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Studie: Kleine „Machiavellisten“ prägen das Klassenklima

MÜNCHEN. Ob Schülerinnen und Schüler für Tests üben und pünktlich zum Unterricht erscheinen, hängt im Wesentlichen vom Lernklima in ihrer Klasse ab – das wiederum von Einzelnen geprägt wird. Wie die sozialen Prozesse in einer Klasse ablaufen, untersucht die Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer.

In jeder Klasse gibt es eine Hierarchie unter den Schülern. Foto: hoyasmeg / flickr (CC BY 2.0)

In jeder Klasse gibt es eine Hierarchie unter den Schülern. Foto: hoyasmeg / flickr (CC BY 2.0)

Die persönliche Lerneinstellung eines Kindes hängt zu einem Gutteil davon ab, in welcher Klasse es sich befindet. Das zeigt eine Studie der Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer und ihres Teams von der Fakultät für Psychologie und Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Für die Untersuchung wurden 1159 Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufe an Gymnasien zu ihren Lerneinstellungen befragt. Sie wurden außerdem gebeten, die sozialen Strategien ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler zu bewerten sowie deren Popularität in der Klasse einzuschätzen. Gefragt wurde etwa „Wer von Euch ist immer nett zu anderen, um zu kriegen, was er/sie will?“ oder „Wer kommandiert andere herum, um seinen Willen zu kriegen?“.

Die Daten zeigen, dass das Lernklima der ganzen Klasse von jenen Mädchen und Jungen bestimmt wird, die von den anderen als dominant und populär beschrieben werden. Einzelne Kinder haben damit einen großen Einfluss auf den schulischen Erfolg ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.

Jeder achte Schüler strebt nach Macht

Zu den einflussreichsten Klassenpersönlichkeiten zählen die sogenannten „Bistrategen“, die sich sowohl gezielt freundlich verhalten als auch Zwang anwenden, um innerhalb der Klasse zu dominieren. Im Schnitt streben 14,2 Prozent der Kinder in einer Klasse nach Macht. Ein Viertel von ihnen gilt als Bistrategen, die – nach dem florentinischen Machttheoretiker Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) – auch als Machiavellisten bezeichnet werden können, da sie positives und negatives Verhalten gleichermaßen einsetzen, um ihre dominante Stellung aufzubauen und zu festigen.

Schäfer: «Wir wissen noch nicht, ob dieses Kind deshalb der Boss ist, weil es mit seiner Einstellung mit der Klasse übereinstimmt, oder ob die Klasse seinem Vorbild folgt.» Sie rät Lehrern, von Anfang an zu unterbinden, dass einzelne Kinder die Klasse dominieren.

Die Befragung zum Lernklima ist Teil eines Forschungsprojekts über soziale Dynamik und Lernverhalten im Klassenzimmer. Ziel der Forschung ist es, Module für Schulen zu entwerfen, die es dem Lehrpersonal ermöglichen, sich hinsichtlich des Zusammenhangs von Gruppendynamik und Lerneinstellungen fortzubilden. Diese Fragestellung wird von Schäfer und ihrem Team künftig unter anderem im Rahmen eines von der Europäischen Union und der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts weiterverfolgt. News4teachers

(19.2.2013)

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