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Streit um Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg

STUTTART. Kultusminister Stoch weist Vorwürfe des Städtetags zurück, die neue Schulform mit der Knute einführen zu wollen. Der Städtetag fordert indes mehr Differenzierung und preist das nordrhein-westfälische Vorbild.

Die Landesregierung muss die neue Gemeinschaftsschule nach Auffassung des Städtetages so flexibel gestalten, dass auch Realschulen auf den Geschmack kommen. «Statt messianischem Übereifer würde ein offeneres pädagogisches Konzept der Gemeinschaftsschule den Weg ebnen», sagte der Bildungsdezernent des Verbandes, Norbert Brugger.

Hält Sitzenbleiben für überflüssig: Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) lehnt bei der Gemeinschaftsschule Änderungen an der Pädagogik ab. Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg

Wenn Grün-Rot weiterhin versuche, die vom Verband grundsätzlich befürwortete Gemeinschaftsschule mit «der Knute» durchzusetzen, werde sie zu einer Werkrealschule mit anderem Label. Bisher reagieren die Realschulen sehr zögerlich auf die Möglichkeit, sich allein oder zusammen mit Werkrealschulen zu Gemeinschaftsschulen zu entwickeln.

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) widersprach der Darstellung, die neue Schulart werde zwangsweise durchgesetzt. «Der Städtetag liegt hier völlig falsch. Niemand wird unter Druck gesetzt. Wir setzen absolut auf das Prinzip Freiwilligkeit.» Das zeige sich an der großen Zahl von Kommunen, die eine Gemeinschaftsschule einrichten wollten, und an der großen Begeisterung in den Standortkommunen.

Auch bei den Realschulen sei inzwischen ein starkes Interesse an der neuen Schulart erkennbar, so Stoch. Bei der nächsten Antragsrunde werde eine größere Zahl an Realschulen als die vier bei der zweiten Tranche dabei sein. Derzeit sind 42 Gemeinschaftsschulen in Betrieb und weitere 87 für das Schuljahr 2013/14 genehmigt.

Zu den Hauptforderungen des Kommunalverbandes gehört, dass Gemeinschaftsschulen nicht nur gemeinsamen Unterricht von Schülern mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialempfehlung anbieten dürfen. Vielmehr soll auch ein nach Leistungsstufen differenziertes Kurssystem wie etwa in der Gesamtschule möglich sein oder auch beides parallel. «Die Tür der Gemeinschaftsschule muss weiter geöffnet werden, damit mehr Schulen hindurchgehen können», resümierte Brugger.

Er verwies auf die Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen, die je nach Entscheidung der Schulträger gemeinsames oder differenziertes Lernen anbieten. Ein solches Modell, auf das sich die rot-grüne Landesregierung und die CDU 2011 in Düsseldorf geeinigt hatten, sei auch für Baden-Württemberg denkbar.

Nach Stochs Angaben sollen die Schulen zwar neue Übergangsmöglichkeiten auf dem Weg zur Gemeinschaftsschulen erhalten. Den Vorschlag, die Pädagogik zu ändern, weist er aber zurück: «Wer an der Gemeinschaftsschule Leistungsstufen einrichten will, hat die neue Lernform nicht verstanden.» Dabei könnten Schüler mit großem Erfolg gemeinsam unterrichtet werden.

Brugger rief Stoch auch auf, sich noch stärker für Verbunde von Gemeinschafts- und Realschulen zu öffnen. «Wer von der Gemeinschaftsschule überzeugt ist, muss die Kooperation mit der Realschule nicht fürchten.» Solche Verbundschulen hätten den Charme, dass den Realschulen der Erfolg gemeinschaftlichen Lernens vor Augen geführt werden könnte. Dass aber Schulverbunde nur für eine Dauer von maximal drei Jahren vor einem vollständigen Wechsel zur Gemeinschaftsschule zugelassen werden sollen, sei ärgerlich. «Statt den Kommunen die Pistole auf die Brust zu setzen, sollte Grün-Rot auf Wandel durch Annäherung bauen.»

Der an Gemeinschaftsschulen verpflichtende Ganztagsbetrieb schrecke viele Realschulen und deren Elternschaft ab. «Die Gemeinschaftsschule muss sich auf die Menschen zubewegen, nicht die Menschen auf die Gemeinschaftsschule», unterstrich Brugger. Das gelte auch für die Informationspolitik. So müssten etwa der Verzicht auf Noten und auf Nichtversetzung an der Gemeinschaftsschule genauer erklärt werden. «Wenn die Leute sich unzureichend unterrichtet fühlen, entsteht Misstrauen.»

Auf Basis dieser Forderungen will der Städtetag bei seiner Schulausschuss-Sitzung Mitte März mit dem Minister ins Gespräch kommen. (dpa)

(22.02.2013)

Service-BW zur Gemeinschaftsschule

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