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Studie: Elternarbeit wird für Lehrer immer anstrengender

BERLIN. Die Konflikte zwischen Lehrern und Eltern in Deutschland nehmen zu. „Lehrer stellen fest, dass die Elternarbeit im Vergleich zu früheren Jahren anstrengender und ihre Beziehung zu den Eltern belasteter geworden ist.“ Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Eltern – Lehrer – Schulerfolg“, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die Autoren nennen auch Ursachen.

Eltern in Deutschland sind keine homogene Gruppe - trotzdem machen die Autoren der Studie Trends aus. Foto: Jeff Howard / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Eltern in Deutschland sind keine homogene Gruppe – trotzdem machen die Autoren der Studie Trends aus. Foto: Jeff Howard / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Den Autoren der Studie zufolge wird Schule von immer mehr Vätern und Müttern (vor allem aus der breiten Mittelschicht) vorwiegend als „Lernstoffvermittlungsagentur“ wahrgenommen. „Die Mehrheit der Eltern möchte die ganzheitlich ausgerichtete Entfaltung der Potenziale ihrer Kinder fördern und strebt eine Stärkung der Persönlichkeit an. Doch die Eltern sehen sich einem Schulsystem gegenüber, das – aus ihrer Sicht – isoliertes Wissen vermittelt und zu sehr auf intellektuell-kognitive Fähigkeiten setzt“, heißt es. Aus Sicht der Eltern kollidiere ihr Erziehungsanspruch, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit und Jugend zu ermöglichen, mit den Anforderungen der Schule, vor allem des Gymnasiums.

In der Angst, dass ihre Kinder an den Leistungsanforderungen scheitern, versuche die Mehrheit der Eltern, sie mit den eigenen Ressourcen oder auch mit Nachhilfe zu unterstützen. „Sie leiden jedoch massiv unter den nachmittäglichen ‚Repetitorien‘, die sie ihren Kindern didaktisch, methodisch und fachlich aufbereiten.“

Viele Eltern fühlen sich Lehrern fachlich und methodisch überlegen

Hier beginnen die Konflikte mit den Lehrern: „In der Wahrnehmung vieler Eltern wird das Üben an sie delegiert. Dies verlangt vor allem von den Müttern nicht nur, ihre Kinder zu kontrollieren. In vielen Fällen müssen sie sich auch methodische und fachliche Kompetenzen aneignen. Dies hat wiederum zur Folge, dass das vormals klare Hierarchie- und Kompetenzgefüge zwischen Lehrern und Eltern (Mütter) aufgebrochen wird“, so heißt es in der Studie. Und weiter: „Viele Eltern glauben sich – auch aufgrund der nur bruchstückhaften Informationen ihrer Kinder zum methodischen Stand und Vorgehen im Unterricht – fachlich und methodisch einigen Lehrern überlegen, in Bezug auf Noten (dem unantastbaren Machtinstrument der Lehrer) dagegen ohnmächtig ausgesetzt und unterlegen.“

Eltern griffen bei ihrer Rolle als häusliche Lehrer zu den traditionellen Methoden des Übens durch Rekapitulation und Abfragen, erarbeiteten und vermittelten aber in einzelnen Fällen auch zusätzliche Stoffinhalte. Die Effektivität der verwendeten Übungs- und Lehrmethoden sei für Eltern kein Thema der kritischen Reflexion. Die Wissenschaftler stellen fest: In empirischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass bei der überwiegenden Mehrzahl der Familien (84,3 %) die Qualität der Hausaufgabenbetreuung durch die Eltern suboptimal ist.

Dabei sind Eltern keine homogene Gruppe. Die Eltern in der „Mitte“ – die Mehrheit der Eltern – seien es, die sich für den Schulerfolg ihrer Kinder verantwortlich machten. Eltern aus der Oberschicht dagegen „sehen ihren Anspruch auf eine umfassende  Bildung ihres Kindes am ehesten in einer Privatschule oder einem privat organisierten Nachhilfesystem erfüllt, das über die Verbesserung guter Schulnoten hinausgeht“. Und Unterschicht-Eltern würden sich zu einem Großteil komplett zurückziehen – und der Schule alle Verantwortung zuweisen.

Fazit der Studie, die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und der Konrad-Adenauer-Stiftung von der Katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern vorgelegt wurde: Zwar bildeten die „normalen“ Eltern, mit denen eine Zusammenarbeit zum Wohl des Kindes gut funktioniert, noch die Mehrheit, doch nehmen die extremen Haltungen zu und binden Zeit und Energie der Lehrer. „So nimmt die Zahl der Eltern zu, die kein Interesse (mehr) an der schulischen Entwicklung ihres Kindes haben, und zugleich steigt auch die Zahl der Eltern, die ein Überengagement für ihre Kinder zeigen und sich direkt mit der Schulleitung oder dem Schulamt auseinandersetzen.“ News4teachers

(25.2.2013)

Zum Bericht: Studie: Mittelschicht-Mütter fühlen sich zunehmend als „Hilfslehrer“

Hier geht es zu den Kernaussagen der Studie.

2 Kommentare

  1. Danke, klexel. Die beiden Bilder sind köstlich und treffen den Nagel auf den Kopf.

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