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Studie: Mittelschicht-Mütter fühlen sich zunehmend als „Hilfslehrer“

BERLIN. Die Eltern in Deutschland fühlen sich immer stärker durch die Schule unter Druck gesetzt. Vor allem Mütter sähen sich zunehmend in einer Rolle als „Hilfslehrer“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesfamilienministeriums und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Dies berichten die „Welt am Sonntag“ und die „Berliner Morgenpost“ übereinstimmend.

Mütter sehen sich zunehmend unter Druck, den Schulstoff mit ihren Kindern nachzuarbeiten. (Foto. IowaPolitics/Flickr CC BY-SA 2.0)

Mütter sehen sich zunehmend unter Druck, den Schulstoff mit ihren Kindern nachzuarbeiten. (Foto. IowaPolitics/Flickr CC BY-SA 2.0)

Die Studie mit dem Titel „Eltern – Lehrer – Schulerfolg“ wird erst morgen offiziell vorgestellt, den Redaktionen liegt sie aber nach eigenen Angaben bereits vor. Und ihr Inhalt wird von beiden Zeitungen als überaus brisant eingeschätzt. Danach sind nicht nur Schüler, sondern auch Eltern und Lehrer immer unzufriedener mit dem Schulsystem in Deutschland. Der Schulfrust in Deutschland wachse rapide.

Den Berichten zufolge beklagen Väter und Mütter einen zunehmenden Leistungsdruck, der durch G8 noch verstärkt worden sei. Die Eltern meinten, nicht nur Erzieher und Ratgeber in allen Lebenslagen, sondern auch noch Experten in Mathematik, Deutsch, Latein oder Biologie sein zu müssen. Unter diesem „Hochleistungs-Schulalltag“ leide vor allem die Mittelschicht – besonders die Mütter. Drei Viertel der Frauen mit schulpflichtigen Kindern geben der Studie zufolge an, sich durch die Schule belastet zu fühlen, heißt es.

Damit die Kinder nicht scheitern, rutschte ein Großteil der Eltern, vor allem eben die Mütter, ungewollt und ungefragt im Laufe der Schulzeit in die Rolle eines „Hilfslehrers“. Wenn die Kinder nach Hause kämen, kontrollierten die Frauen die Schularbeiten und lernten mit. Wer sich diesem „Unterstützerzwang“ verweigere, sehe sich zunehmend unter Rechtfertigungsdruck, heißt es in der Studie.

Der Druck ist allerdings zu einem Gutteil selbstgemacht: Für 75 Prozent der Eltern ist den Berichten zufolge das Abitur der angestrebte Abschluss für ihren Nachwuchs. Um dieses Ziel zu erreichen, werde auch viel bezahlt: für Nachhilfeunterricht oder Privatschulen. Fast jedes zwölfte Kind in Deutschland besuche mittlerweile eine Privatschule – Tendenz steigend.

Das Engagement der Mütter führt laut Studie dazu, dass die betroffenen Frauen gar nicht oder nur Teilzeit arbeiten.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sieht der WamS zufolge die Entwicklung mit Sorge. „Viele Eltern haben das Gefühl, dass ihre Kinder immer seltener einfach nur Kind sein können, sondern dass alles schon bei den Kleinsten immer ‚höher, schneller, weiter‘ gehen muss“, so zitiert das Blatt die CDU-Politikerin. Die Ministerin halte Wahlmöglichkeiten für wichtig – wie zum Beispiel in Hessen. Dort könnten sich Eltern und Schüler zwischen G8 und G9 entscheiden. Dies biete die Chance, „besser auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder, aber auch auf die Lebenssituation der Eltern einzugehen“, sagte die Familienministerin dem Bericht zufolge. News4teachers

(24.2.2013)

Zum Bericht: „Zeugnisnoten: Immer mehr Eltern machen Druck auf Lehrer“

 

Ein Kommentar

  1. Für mich sind diese „Zustände“ in erster Linie „hausgemacht“. 75% wollen das Abitur für ihren Nachwuchs.
    Das wird sicher bereits vor der Kindeszeugung so beschlossen. Mein Gott, was geht bloß in den Köpfen dieser Menschen vor? Wird dabei eigentlich auch einmal an das Kindeswohl gedacht?
    Aber worüber wundern wir uns? Gerade die politisch linke Ecke und besonders „progressive“ Bildungswissenschaftler reden den Eltern doch schon lange ein, dass es in unserem Land jede(r) schaffen kann. Die Schule als Schlaraffenland, in der die Kinder liebevoll umsorgt und auf Händen zum Abitur getragen werden. Jeder Wunsch wird ihnen von den Lippen abgelesen. Sie lernen vollkommen angst- und anstregungsfrei in ihrem Tempo. Es gibt keine Zensuren und keine Ehrenrunden. LehrerInnen verstehen sich als Lernbegleiter und Mentoren und sind allzeit bereit, ruhig und sanft, Fritzchen zum x-ten Mal den Dativ zu erklären.
    Ja, so oder so ähnlich soll offensichtlich die Schule bald aussehen. Für mich stellen diese Überlegungen unverantwortliche Planspiele zum Schaden der SchülerInnen dar. Es gibt nämlich noch ein Leben nach der Schule, das eben kein Schlaraffenland ist. Darauf sind sie dann aber überhaupt nicht vorbereitet.

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