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Engagement: Wenn eine Schule das Fairtrade-Siegel bekommt

HEIDENHEIM. Pausen-Snacks aus fairem Handel: Heidenheimer Schüler engagieren sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt. Ihr Gymnasium ist nun Baden-Württembergs erste Fairtrade-Schule.

Illustration: Wikimedia Commons

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Laura Gommel hat alle Hände voll zu tun. Im Schülercafé des Hellenstein-Gymnasiums (HG) herrscht reger Andrang, selbst gebackener Kuchen ist gerade besonders gefragt. Laura schenkt Orangensaft aus, verkauft noch rasch eine Tafel Schokolade und zählt das Wechselgeld ab. Das Besondere: Die Schüler verkaufen nur fair gehandelte Produkte oder Waren aus regionaler Herstellung. Das ist einer der Gründe, warum das Gymnasium am Donnerstag als erste Fairtrade-Schule Baden-Württembergs ausgezeichnet wurde. «Wenn wir etwas verändern wollen auf der Welt, dann müssen wir junge Menschen für solche Gedanken gewinnen», sagte Kultusminister Andreas Stoch (SPD) bei dem Festakt in seiner Heimatstadt.

«Am besten laufen fair gehandelte Mangos», erzählt Stefan Thiel aus der 10d, der das Café der Schule mit betreut. Manche Schüler hätten allerdings auch Vorbehalte gegen die Fairtrade-Waren. «Hauptsache, alle bilden sich eine Meinung», betont Patricia Henning von der sogenannten Schülermitverantwortung (SMV) des Gymnasiums.

Das Schülercafé gefällt auch Maike Schliebs. Sie ist beim Verein TransFair verantwortlich für die Kampagne «Fairtrade Schools» und hat die Bewerbung aus Heidenheim geprüft. «Das HG hat die Kriterien für die Auszeichnung übererfüllt», sagt Schliebs. Um ausgezeichnet zu werden, müssen sich Schulen zum Beispiel verpflichten, mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anzubieten und jährliche Aktionen zum Thema zu veranstalten. «Ich finde es toll, wenn Schulen nicht nur starr auf die Kriterien schauen, sondern eigene Ideen entwickeln», sagt Schliebs mit Blick auf das Heidenheimer Gymnasium.

Seit Oktober 2012 läuft «Fairtrade Schools» – als erste Schule Deutschlands war das Erzbischöfliche Suitbertus-Gymnasium in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) ausgezeichnet worden. Das Hellenstein-Gymnasium ist die bundesweit fünfte Fairtrade-Schule.

Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit im weltweiten Handel sind am HG schon länger Thema: Beim Schüleraustausch mit Mumbai (Indien) entstand 2012 das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Projekt «Meine Fairinnerung an Indien». «Wir hatten in Indien die Aufgabe, ein fair produziertes Souvenir zu finden», erzählt Eliane Leberer aus der 9b. Die Schüler fragten sich auf Märkten und in Werkstätten durch – und lernten viel über das Arbeitsleben in dem Schwellenland.

«Wir wollen hier nicht nur Wissen anhäufen, sondern vermitteln, wie die Kinder Wissen verantwortlich in der Welt umsetzen können», sagt Holger Nagel, Lehrer und Sprecher des Fairtrade-Teams am HG. Das Thema wird fächerübergreifend behandelt, Schüler arbeiten an einem regio-fairen Kochbuch, am «Liebhabetag» verschenkten Schüler fair gehandelte Rosen. Sogar viele Eltern werden aktiv: «Zum Schulfest haben sie spontan Fairtrade-Kaffee gekauft», erzählt Nagel.

«Ich bin begeistert, wie gut das funktioniert», sagt Rektorin Carola Rochau. Eine Schule könne zwar nie alle Waren aus fairem Handel beziehen, sie könne aber Aspekte der globalen Wirtschaft den Schülern nahebringen. «Wenn man den Kindern die Zusammenhänge erklärt, dann verbreiten sie das auch Zuhause weiter. So erreichen wir ein breites Publikum», sagt die Schulleiterin.

Laura Gommel aus der 9b bestätigt: «Ich habe gelernt, dass ich in Sachen Fairtrade selber viel tun kann.» Mitschülerin Christine Haller ergänzt: «Früher fand ich die Fairtrade-Siegel einfach nur schön bunt, heute sage ich: Mama, können wir den fairen Kaffee kaufen?» dpa

(14.3.2013)

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