Startseite ::: Praxis ::: Forscher: Lernschwierigkeiten sind schon bei Vierjährigen absehbar

Forscher: Lernschwierigkeiten sind schon bei Vierjährigen absehbar

HILDESHEIM. Der schulische Erfolg eines Kindes ist oftmals bereits im Kindergartenalter absehbar. Dabei hat weniger die Intelligenz, sondern das Arbeitsgedächtnis Einfluss auf die späteren Schulleistungen. Das haben Psychologen der Uni Hildesheim im Forschungsverbund «Frühkindliche Bildung und Entwicklung Niedersachsen» herausgefunden, für den das Land Niedersachsen 2,5 Millionen Euro bereitgestellt hat. Die Startchancen von Jungen und Mädchen könnten sich verbessern, wenn man sie früher gezielt fördere, sagte die Hildesheimer Psychologieprofessorin Claudia Mähler.

Den Forschern zufolge macht es Sinn, schon Vierjährige zu testen - um sie bei Bedarf fördern zu können. Foto: Dustin C. Oliver / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Den Forschern zufolge macht es Sinn, schon Vierjährige zu testen – um sie bei Bedarf fördern zu können. Foto: Dustin C. Oliver / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Psychologen ihres Teams begleiteten für ihre Studie 200 Kinder über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg. Seit ihrem Eintritt in den Kindergarten wurden sie jedes halbe Jahr getestet. Dabei zeigte sich, dass Defizite im Arbeitsgedächtnis – also Probleme beim Verarbeiten von Informationen – früh zutage treten. Das Arbeitsgedächtnis ist für die kurzfristige Speicherung und Bearbeitung von lautlichen und visuellen Informationen und für deren Transfer, etwa vom Hörbaren ins Visuelle, zuständig und damit „von zentraler Bedeutung für das Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen“, hieß es. Fazit der Studie:  «Frühe Diagnostik ist mit vier Jahren möglich und sollte nicht erst kurz vor Schuleintritt beginnen.»

„Schulanfänger kommen mit Wissen über Mengen, Zahlen und Laute in die Schule – das Ausmaß an numerischem und phonologischem Vorwissen unterscheidet sich jedoch erheblich voneinander“, sagt Mähler. Welche Merkmale bedingen diese unterschiedliche Entwicklung bis zum Schulanfang, wo liegen Risikofaktoren? „Anders als früher angenommen hat weniger Intelligenz, sondern die Leistung des Arbeitsgedächtnisses Einfluss auf spätere Schulleistungen.“ Bereits 4- bis 6-Jährige mit hoher Arbeitsgedächtniskapazität zeigen in allen Bereichen bessere Leistungen und stärkere Entwicklungssprünge. Sie haben stärker entwickelte numerische und phonologische Kompetenzen, kennen sich also mit Zahlen und mit den Klängen der Sprache besser aus.

Was heißt das für den Kita-Alltag? „Frühe Diagnostik ist mit vier Jahren möglich und sollte nicht erst kurz vor Schuleintritt beginnen. Risikokinder könnten bis zum Schuleintritt in ihren Arbeitsgedächtnisleistungen, phonologischen und numerischen Kompetenzen gefördert werden, um das Risiko von Schulversagen zu vermindern“, sagt Claudia Mähler. Wenn ein Kind deutliche Entwicklungsverzögerungen zeige, dies früh erkannt und mit Fördermaßnahmen kombiniert werde, steigen die Entwicklungschancen beträchtlich.

„Erzieherinnen haben einen anspruchsvollen und sehr verantwortungsvollen Beruf. Von ihren diagnostischen Kompetenzen und ihrer Fähigkeit und Bereitschaft, die Kinder im Alltag zu fördern, hängen die Entwicklungschancen der Kinder ab. Für die Ausbildung und Anerkennung dieser Berufsgruppe muss in Deutschlang noch viel getan werden. “, meint die Professorin.

Auch die Lehrerbildung müsse den Bereich „Diagnostik“ ernst nehmen. „Lernfortschritte von Schülerinnen und Schülern sollten aufmerksam beobachtet werden, um Symptome von Lernstörungen frühzeitig zu erkennen.“ Etwa vier bis acht Prozent der Kinder einer Altersstufe leiden unter einer Lernstörung im Lesen, Rechtschreiben, Rechnen oder einer Kombination dieser Probleme. News4teachers

(15.3.2013)

Zum Bericht: „Sprachstörungen bei Vorschulkindern alarmierend weit verbreitet“

 

2 Kommentare

  1. Lehrer müssen nicht in „Diagnostik“ geschult werden. Ziemlich sicher sind genau diese Erkenntnisse den meisten Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen bekannt. Statt sie wirklich bei der wichtigen Arbeit zu unterstützen kommen nun wieder Forderungen, die ohne weitere Ausstattung durchgesetzt und evaluiert werden können. Wer Arbeit verteilt, soll sie auch bezahlen und die besseren Bedingungen gleich mit.

  2. Komisch, vor ein paar Jahrzehnten wurde dies alles nicht hochgespielt, die Kinder waren auch unterschiedlich und lernten doch fast alle Lesen, Schreiben und Rechnen.
    Was soll der Quatsch mit immer mehr Untersuchungen, die nur das zutage fördern, was gesunder Menschenverstand und Lebenserfahrung einem sowieso schon sagen? Sind das moderne Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*