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Forscher suchen Formel für Meilensteine der Filmgeschichte

HEIDELBERG. Anhand von Meilensteinen der Filmgeschichte wollen Forscher Computern beibringen, die einflussreichen Faktoren in Netzwerken zu analysieren.

Viele Regisseure zitieren in ihren Werken andere Filme. Aber welcher Film ist – nimmt man das als Maßstab – der einflussreichste Film überhaupt? Und welche Merkmale machen einen Kinofilm zum Meilenstein der Filmgeschichte? Zwei Heidelberger Wissenschaftler wollen eine Methode entwickeln, um diese Fragen zu beantworten.

FIlmplakat Casablanca

Unerwartet zumindest beim Publikum zum Klassiker geworden: Casablanca. Ob der Film auch einflussreich für andere Filme ist, wollen Forscher jetzt ermitteln. Foto: Bill Gold / Wikimedia Commons

Emőke-Ágnes Horvát hat einen Abschluss in Physik und Filmwissenschaften und promoviert nun im Gebiet der Netzwerkanalyse. Mit dem gleichfalls filmbegeisterten Informatikstudenten Andreas Spitz arbeitet sie an einer Formel zur Bewertung von Kinofilmen. Für das Forschungsprojekt erhalten die beiden finanzielle Unterstützung von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Angesiedelt ist das Projekt am Interdisziplinären Zentrum für wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg.

Auf der Internet Movie Database (IMDb), einer Art Wikipedia des Films, finden sich frei zugänglich mehr als zwei Millionen Einträge, darunter zu 285 000 Spielfilmen. Gesucht werden kann nach Filmtiteln, Regisseuren oder Hauptdarstellern, aber auch nach Zitaten. «Das Datenset ist ein echter Glücksfall», sagt Spitz.

Und so fanden die jungen Forscher Verweise zwischen 70 000 Spielfilmen, ein gigantisches Netzwerk von Filmreferenzen. Zahl und Art der verschiedenen Bezüge, wie Zitat, Parodie oder Remake, ergeben einen Wert, der etwas über die Zentralität eines Films in diesem Beziehungsgeflecht aussagt.

«Viele halten die Filme, die das meiste Geld einspielen, für die wichtigsten», erzählt Horvát. Auf der anderen Seite gebe es Kritiker, die nur Kunstfilme für bedeutsam hielten. «Unser Ranking gründet auf dem, was für Filmemacher wichtig und Inspiration war», sagt sie.

«Wir berücksichtigen, dass bei Filmserien wie den James-Bond-Filmen die Bedeutung mit jeder Version abnimmt», erläutert Spitz. Auch ein Film wie «Shrek», der viele Filme verballhornt, sei deswegen noch lange nicht bedeutend. Wichtig seien vielmehr Filme, die häufiger zitiert werden oder Nachahmer fänden wie «Citizen Kane», «Psycho» oder «2001: Odyssee im Weltraum». Wenn Quentin Tarantino dagegen als einziger einen zweitklassigen Italowestern zitiere, falle das nicht ins Gewicht.

Neben den Zitaten finden sich in der Datenbank zu jedem Film zehn bis 15 Attribute wie Regisseur, Preise, Genre, Hauptdarsteller und Technik. «Wir geben dem Computer die Information, ob der Film ein Meilenstein ist oder nicht», erklärt Spitz. «Anhand der Attribute der jeweiligen Filme lernt der Computer dann, welche Merkmale einen einflussreichen Film ausmachen.» Dieses Vorgehen nennen die Informatiker «maschinelles Lernen».

«Das Spannende an dem Ansatz ist die Kombination von Netzwerkanalyse mit maschinellem Lernen», sagt Spitz und erklärt die mathematischen Grundlagen dieses Ansatzes. Dieser lasse sich auch auf andere Netzwerke übertragen, etwa auf die Beziehungen zwischen Unternehmen. Für das Kartellamt etwa könnte die Zentralität von Unternehmen eine wichtige Information darstellen.

Die Ergebnisse des auf ein Jahr angelegten Filmprojekts sollen im Oktober in eine wissenschaftliche Publikation eingehen und auf einer Website veröffentlicht werden. (dpa)

(29.03.2013)

Pressemitteilung der Universität Heidelberg

Internet Movie Database (IMDb)

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