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Neue Theorie: Neandertaler waren nicht gesellschaftsfähig genug zum Überleben

LONDON. Wuchtig im Wuchs- und daher früh ausgestorben? Britsche Forscher vermuten, dass das Gehirn der Neandertale besonders stark darauf ausgelegt war, besser sehen zu können und den massigen Körper zu kontrollieren. Dadurch sei weniger Kapazität für komplexe Denkprozesse verfügbar gewesen. Das habe es den Neandertalern – im Gegensatz zum modernen Menschen – erschwert, große soziale Gruppen zu bilden.

Kräftig gebaut, aber nicht sonderlich sozial: Der Neandertaler war aufgrund mangelnder kognitiver Kapazitäten vermutlich nicht gesellschaftsfähig. Foto: Thomas Kohler/Flickr (CC BY 2.0)

Kräftig gebaut, aber nicht sonderlich sozial: Der Neandertaler war aufgrund mangelnder kognitiver Kapazitäten vermutlich nicht gesellschaftsfähig. Foto: Thomas Kohler/Flickr (CC BY 2.0)

Wie die Forscher der Universität Oxford und des Natural History Museum in den «Proceedings B» der britischen Royal Society berichten, vermaßen sie die Schädel von 21 Neandertalern und 38 modernen Menschen, die vor mehr als 27 000 Jahren lebten. Dabei stellten sie fest, dass Neandertaler erheblich größere Augenhöhlen als moderne Menschen aufwiesen. Damit hatten sie – so folgern die Forscher – auch eine größere Netzhaut und letztendlich ein größeres Hirnareal zum Sehen.

Unterschiedliche Menschenarten – unterschiedliche Gehirnaufteilungen

In früheren Studien – so die britischen Autoren – hatten Wissenschaftler meist die Hirnmasse von Neandertalern und modernen Menschen aus der Schädelform abgeleitet. Aufgrund der etwa gleich großen Gehirne beider Menschenarten seien sie daher davon ausgegangen, dass auch die Gehirnstruktur und die Größe der verschiedenen Hirnareale ähnlich waren.

De britischen Anthropologen vermuten allerdings, dass die Gehirne der Menschenarten verschieden organisiert waren. Die Neandertaler benötigten demnach neben dem größeren Sehzentrum auch größere Hirnareale, um ihre massigeren Körper zu kontrollieren.

Bereits in vorherigen Studien hatten dieselben Wissenschaftler festgestellt, dass moderne Menschen umso größere Sehareale im Gehirn ausbildeten, je weiter sie vom Äquator entfernt lebten – möglicherweise, um den geringeren Lichteinfall zu kompensieren.

«Da Neandertaler in höheren Breitengraden lebten und auch größere Körper als moderne Menschen hatten, mussten sie dem Sehen und der Körperbeherrschung mehr Hirnkapazität widmen», erklärt Erstautor Eiluned Pearce. «Somit blieb weniger Gehirn übrig, um komplexere Aufgaben wie etwa Sozialverhalten zu bewältigen.»

Das hatte für die Urmenschen weitreichende Folgen: «Das Zusammenleben in eher kleinen Gruppen machte es für die Neandertaler schwieriger, den harschen Umweltbedingungen in Europa zu trotzen», sagt Pearce. Die unterschiedlichen Gehirnaufteilungen bei Neandertalern und modernen Menschen könnten ein Grund sein, weshalb Neandertaler ausstarben, während die modernen Menschen kulturell weiterentwickelt waren und überlebten, meint Pearce. dpa

(13.03.2013)

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