Studie: Hochbegabte sind besser unter sich

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WÜRZBURG. Schließen sich Inklusion und Hochbegabtenförderung aus? – Im Vergleich zu Hochbegabten die in Regelklassen unterrichtet wurden, erzielten Schüler aus Hochbegabtenklassen bessere Ergebnisse.

Hochbegabte bleiben einer Studie zufolge unter ihren Möglichkeiten, wenn sie in gewöhnlichen Klassen unterrichtet werden. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschafter der Universitäten Würzburg, Trier und Erlangen-Nürnberg. Dazu befragten sie 1000 Gymnasiasten der fünften bis zur siebten Klasse in Bayern und Baden-Württemberg. 324 dieser Kinder wurden in speziellen Klassen für Hochbegabte unterrichtet. Die Forscher verglichen ihre Leistungen mit anderen hochbegabten Schülern, die auf eine reguläre Schule gingen.

Zwei Schüler vor einem Poster
Hochbegabte aus Förderklassen zeigten in der Studie bessere Leistungen als diejenigen aus Regelklassen. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de
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Das Ergebnis: Egal, ob in Deutsch, Mathematik, Englisch oder Biologie – in all diesen Fächern schnitten Schüler aus Hochbegabtenklassen im Vergleich besser ab. Der Leistungsvorsprung zu den Schülern in Regelklassen sei deutlich. Dabei zeigten sich kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Mädchen und Jungen aus Hochbegabtenklassen zeigten gleich gute Leistungen.

Ein Grund für das bessere Abschneiden könnte sein, dass Schüler in Hochbegabtenklassen homogener in ihrer Leistung seien. Dadurch könnten Lehrer sie anspruchsvoller fördern.

Die Ergebnisse der Studie widersprechen laut den Wissenschaftlern dem derzeitigen Trend zur Inklusion, also Schüler mit unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam zu unterrichten. Weiterhin ist unklar, in wieweit sich die Resultate auf andere Bundesländer übertragen lassen. «Bei einem ähnlichen Klassenaufbau würde ich aber die gleichen Ergebnisse erwarten», sagt Wolfgang Schneider, Professor für Psychologie an der Uni Würzburg und einer der Studienautoren. (dpa)

(09.03.2013)

zum Bericht: Keinen Sonderstatus: Hochbegabte Schüler brauchen ein normales Umfeld

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23 KOMMENTARE

  1. Ist doch klar! Warum werden bspw. bei einem Lauftreff unterschiedliche Leistungsgruppen gebildet? Damit die Stärkeren nicht unter- und die Schwächeren nicht überfordert sind. Hat jemand schon einmal mit einer sehr leistungsheterogenen Mannschaft Volleyball/Handball/
    Fußball/Basketball oder was auch immer gespielt? Für alle Beteiligten ist das nach kurzer Zeit eine ziemlich langweilige Geschichte.
    Diese Gesetzmäßigkeiten gelten m.E. auch bis zu einem gewissen Grad für die Schularbeit.
    Bildungspolitiker scheinen diese Wahrheiten aber nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen.

  2. Noch ein Beispiel, das vielleicht noch deutlicher werden lässt, warum homogene Gruppen besser lernen.
    Käme eigentlich jemand auf die Idee, Sprachkurse nicht nach Könnensstufen zu differenzieren? Da gibt es zumindest immer die Einteilung in Anfänger und Fortgeschrittene. Warum werden denn da nicht die unterschiedlichen Niveaustufen alle gleichzeitig unterrichtet?
    Es gibt ganz bestimmt noch viele Bereiche, in denen es einfach absurd und kontraproduktiv wäre, eine leistungsmäßig sehr unterschiedliche Gruppe nicht zu differenzieren. Ich lasse mich gerne korrigieren, aber außerhalb des schulischen Bereiches wird das auch als selbtverständlich und richtig akzeptiert.

    • mehrfachdenken
      Ich wünsche Ihnen eine frohe und schöne Weihnachtszeit und hoffe von Ihnen wieder Mal ein Lebenszeichen zu hören.

  3. @mehrnachdenken
    Zitat: “.. außerhalb des schulischen Bereiches wird das auch als selbtverständlich und richtig akzeptiert.”
    Sie sagen es!!
    Aber außerhalb der Schule regiert das wahre Leben, während sich innerhalb der Schule seit Jahrzehnten spinnerte Ideologien breitgemacht haben, die für Wolkenkuckuckskeime erziehen wollen, nicht aber fürs reale Leben. Und zu viele Lehrer haben sich in diese wohlklingenden Utopien reinziehen lassen und sind noch immer drin, obwohl die Leistungen der Schüler mitleiderregend sind und viel zu oft für eine Lehre oder ein Studium nicht ausreichen.
    Aber das scheint vielen nichts auszumachen, solange man sich an Utopien berauschen kann und dem Gefühl, in Diensten höherer Werte zu stehen, wenigstens in der Theorie.

    • Zum Glück macht die Realität auch vor Schulen nicht halt. Erst kommen die “Brandbriefe”, dann das Umdenken. Mittlerweile herrscht bei uns im Kollegium eine politische Heterogenität (alles schön bunt 😉 ), die vor 20 Jahren vermutlich undenkbar gewesen wäre.

  4. @mehrnachdenken
    Sie haben meiner Meinung nach Recht mit dem besseren Lernen in homogenen Gruppen. Spezielle Förderung wünsche ich mir allerdings für beide bedürftigen Seiten. Das bedeutet: Förderschulen für Hochbegabte ebenso wie für Behinderte.
    Die Inklusionsidee behindert beide Seiten. Sie ist auch für den Staatshaushalt “zufälliger Weise” sehr kostengünstig, obwohl Politiker nicht müde werden zu behaupten, dass für die Inklusion kein Geld zu schade sei. Die Realität beweist bisher anderes.
    Um die Vernachlässigung der Hochbegabten mache ich mir etwas weniger Sorgen als um die der Behinderten. Ich setze darauf, dass sie ihren Weg im Leben irgendwie machen werden, bei den Behinderten habe ich jedoch die Befürchtung, dass sie durch die Inklusion behinderter bleiben als sie hätten sein müssen.

  5. @Ursula Prasuhn
    Auch die Hochbebabten machen ihren Weg nicht automatisch alleine. Auch sie sind Kinder, die einer sinnvollen Lenkung und Leitung bedürfen. Hochbegabte sind nicht immer die Leistungsstarken der Klasse. Wie soll man sich entwickeln, wenn man stetig unter ihrem Niveau gefordert wird? Genau das belegt doch die Studie endliche einmal.
    In der Grundschule werden lernwillige, hochleistungsfähige Kinder systematisch nach unten gedrückt indem man ihm Aufgaben abverlangt, die man ihnen mit Muss ein oder zwei Jahre eher hätte vorlegen müssen. Das kann nicht jedes Kind kompensieren. Nicht wenige hoch leistungsfähige Kinder erleben die Grundschule als Stagnation und Motivationskiller. Bisher gilt, Ohren anlegen und irgendwie die Grundschule überstehen. Dabei ist schon manch hochleistungsfähiges Kind auf der Hauptschule gelandet.

  6. @H.W erneburg
    Danke für Ihre so richtige Antwort. Jedem Wort, das Sie sagen, stimme ich voll und ganz zu.
    Hochbegabte Kinder sind auch schon auf der Förderschule für Lernbehinderungen gelandet, weil die ständige Unterforderung sie dermaßen überforderte in ihrer Kraft des Ertragens, dass sie sich im Unterricht gedanklich ausklinkten und so zum Fall für zu wenig Lernen wurden.
    Einige mussten wegen dieser Art regelmäßiger Überforderung durch Unterforderung sogar in psychiatrische Behandlung, weil sie auf Grund ihrer Situation gravierende Verhaltensstörungen entwickelten.
    Vielleicht hätte ich nicht sagen sollen, um wen ich mir etwas weniger Sorgen mache, denn die hochbegabten Kinder werden durch die Einheitsschule zweifellos ebenso benachteiligt wie die behinderten.
    Die Idee des inklusiven Lernens in Einheits- oder Gemeinschaftsschulen ist einfach grundfalsch.
    Doch das sieht nur ein, wer den gesunden Menschenverstand walten lässt und sich – falls nötig – gegen „politisch korrekte“ Gebote eine Meinung bildet, auch wenn diese gegen ideologische Vorgaben von UNO oder OECD verstoßen.

  7. Als Vater eines sog. hochbegabten Kindes halte ich alle vorhergehenden Kommentare sowie die zugrundeliegende Studie für einen vollkommen falschen Ansatz bei der Diskussion um Regelklasse oder
    “Sonderschule/Sonderklasse”. Diese Kinder werden sowieso von allen Seiten häufig als speziell oder besonders oder problematisch behandelt, aus welchem Grund soll man sie dann noch in Gruppen stecken, in denen sie nur unter “ihresgleichen” sind. Bessere und immer noch bessere Ergebnisse zu erzielen ist der falsche Ansatz, mit Verständnis komplexerer Aufgaben haben diese Kinder grundsätzlich keine Probleme, wohl aber mit dem Erlernen eigener Lerntechniken und dem Aufbau und der Pflege sozialer Kontake zu Gleichaltrigen. Es muss in einem modernen Land wie Deutschland doch möglich sein, diesen Kindern unter Beibehaltung der “normalen” Umgebung einer Regelklasse alternative Aufgaben zu geben, mit denen sie an ihre individuellen Grenzen kommen. Aber unser Land ist bekanntermaßen schwerfällig, wenn es um Veränderungen dieser Art geht, geachtet wird nur auf das Ergebnis und nicht auf das sog. Wohlergehen der Kinder. Noch einmal: Die Situation dieser Kinder ist mit der von besseren Sportlern wohl mal gar nicht zu vergleichen. Noch weniger richtig ist, eine eigene Meinung a la “Die Idee des inklusiven Lernens in Einheits- oder Gemeinschaftsschulen ist einfach grundfalsch.
    Doch das sieht nur ein, wer den gesunden Menschenverstand walten lässt und sich – falls nötig – gegen „politisch korrekte“ Gebote eine Meinung bildet, auch wenn diese gegen ideologische Vorgaben von UNO oder OECD verstoßen.” als objektiv einzig richtige hinzustellen, ohne dies aber argumentativ belegen zu können. Lernen und Wissen aufsaugen können diese Kinder von ganz allein – deswegen ja auch hochbegabt -, dies in einem weitgehend normalen Umfeld zu bewältigen allerdings häufig nicht. Von Interesse ist aber immer nur, ob bessere Ergebnisse zu erzielen sind. Zweifelhafte Herangehensweise.

    • Da die unten stehenden Kommentare sich ja auf diesen alten Thread beziehen, verweise ich mal auf den Beitrag dieses Vaters und schließe mich diesem an.

      Sicherlich braucht es auch für diese Form der Inklusion bessere Bedingungen als der Sparzwang diktierte, aber m.E. erfordert Inklusion Differenzierung, die eben nicht allein den Schwachen zu Gute kommt, sondern ebenso den Starken und den Mittleren.
      Davon abgesehen gibt es selten “den Starken” und “den Schwachen”, sondern viele Kinder bringen vieles mit. Während ein lernschwaches Kind womöglich ein Organisationstalent ist, braucht ein hochbegabtes gerade darin Unterstützung.
      Der Verweis, das sei alles nur, um eine “Schule für alle” einzuführen, kann ich nicht erkennen, wenn es tatsächlich alltäglich um die SchülerInnen als solche geht, die tagtäglich für sie abgestimmten Unterricht benötigen, der sie stets fördert, gleich welches Anspruchsniveau sie benötigen.
      Wenn es so unmöglich wäre, dürften ja Hochbegabte auch nicht mit Normalbegabten an anderen Schulen – gar Gymnasien – unterrichtet werden, sondern müssten zentral in Internaten zusammengefasst werden, womöglich ab einem Altern von 4 Jahren.
      Die Bedingungen sollten, an welcher Schule auch immer, so sein, dass es Lehrkräften möglich ist, alle SuS angemessen zu fördern. Dazu gehört ebenso das wiederholende Üben mit lernbeeinträchtigten Kindern, wie auch das Herausfordern, Argumentieren und Begründen mit Kindern mit vielfältigen Begabungen. Hierzu braucht es m.E. keine gesonderten Schulgebäude, sondern Lehrkräfte, die Zeit zum Unterrichten haben – auch in wechselnden Gruppen, sowie zusätzliches Personal, dass zum Üben, Begleiten und Unterstützen aller Kinder in der Klasse eingesetzt wird.

      • Das ließe sich mit vielen unterschiedlichen Klassen unter einem Dach realisieren. Dafür sind aber die derzeitigen Schulgebäude nicht ausgelegt (auch nicht die Gesamtschulen) und das Land ist nicht bereit, so viel Geld für zusätzliches Personal auszugeben. Ferner würden die Inklusionsbefürworter auf die Barrikaden gehen, weil die Förderschüler dann ja wieder aussortiert werden — genauso wie die guten Schüler und die mittleren Schüler auch.

        • ICH habe gar nicht von “aussortieren” gesprochen. SIE sind es, die von Extra-Schulen für I-Kinder, Extra-Schulen für Hochbegabte, Extra-Schulen für begabte Gymnasiasten, Extra-Schulen für sonst was schreiben.

          Wenn Schüler eingeschult werden, gehen sie gemeinsam in eine Klasse. Dabei haben sie Entwicklungsunterschiede von mehreren Jahren. Das ist aus Ihrer Sicht ja gerne “Kleinkram”, schließelich sind die Kinder klein, es wird aber deutlich, wenn SuS direkt lesen können oder mühsam über 3-4 Jahre lesen lernen müssen … und bis dahin eben keine Texte zur Bearbeitung allein bewerkstelligen können (ergo keine gleichen Materialien und Schulbücher), oder es ist deutlich, wenn einige munter im Zahlsystem umherwandern und nur wenige Hinweise benötigen, um die Grundrechenarten zu beherrschen, während andere über 4-5 Jahre im Zahlenraum bis 10 verbleiben und immer wieder erneut eine Menge von 5 zählen müssen. (ergo keine gleichen Materialien und Schulbücher). Ebenso benötigen auch Hochbegabte andere Materialien und Zugänge.
          Ein System, das entsprechend auf Unterschiede ausgerichtet ist und diese bedienen kann, weil genügend Hilfen vorhanden sind, berücksichtigt eben Schwache UND Starke auf gleiche Weise. Dennoch können sie miteinander essen, singen, Sport treiben, basteln, Gruppenarbeiten meistern…

          Warum kann dann nicht genügend Personal zur Verfügung gestellt werden, um denen, die schon etwas können, weiteres zu lehren, und denen, die erst einmal die Schulreife erlangen müssen, ebenso zu helfen?
          Warum kann das Land, das ja die Inklusion möchte und umgesetzt sehen will, dies nicht derart mit Personal ausstatten, dass Inklusion zunächst überhaupt auf einen sinnvollen Weg gelangt, Netzwerke schließt, Wege sucht und findet und im Anschluss vernünftig in Schulen gearbeitet werden kann, ohne generell auf immer den Mangel zu verwalten und das Allernötigste gerade noch gewährleisten zu können, sofern alle Beteiligten bereit sind, Selbstausbeuetung zu betreiben?

          Es ist kein Geld dafür da?
          Dann ist Inklusion ein reines Sparkonzept und soll auch nicht weiter als “Inklusion” verkauft werden, sondern als: “wir stecken alle Schüler mit möglichst wenig Lehrkräften in möglichst wenig Räume und sagen den Lehrkräften, sie würden das schon irgendwie hinkriegen. Früher hätte das ja auch alles geklappt.”

          Es gibt keine Lehrkräfte dafür?
          Stimmt. Gibt es nicht. War auch absehbar. Es hätte auch für das alte System nicht genügend Lehrkräfte geben, keine für Hauptschulen, keine für Grundschulen und keine für Förderschulen. Lediglich die Gymnasiallehrkräft gibt es ja offenbar noch ausreichend, obwohl die Schülerzahl am Gym stetig gestiegen ist.
          Es wird diese Lehrkräfte auch in Zukunft nicht geben, wenn sich die Bedingungen nicht schleunigst ändern. Dann bleibt nur noch oben genanntes Szenario, um überhaupt allen SuS Unterricht in geringem Maß ermöglichen zu können. Dann können auch sämtliche Untersuchungen und Studien etc. einpacken, denn was soll dabei noch herauskommen? Das, was bisher in der Öffentlichkeit immer noch nicht gesehen werden wird (die Lehrkräfte stellen sich ja nur an und jammern), jeder andere im System aber längst weiß und sieht: So, wie es jetzt ist, fährt es gandenlos an die Wand!

          Wenn es nun keine Lehkräfte gibt, dann sollte man diejenigen, die den Beruf ausüben, hegen und unterstützen, damit sie nicht in Scharen davon laufen. Und man muss unweigerlich die vielen bestehenden Aufgaben SOWIE die Aufgaben, die durch eine Veränderung des Systems zusätzlich entstehen, auf mehr Schultern verteilen.

          • die beiden lebenswelten weiterführende schule und grundschule prallen wieder aufeinander. von mir unbeabsicht, von ihnen überinterpretiert.

            nebenbei würde mein modell ihrem modell auch helfen, weil sie jede unterrichtsstunde für jede klasse nur ein mal und nicht fünf mal wegen binnendifferenzierung vorbereiten müssen.

          • So ausdifferenziert, dass ich jede Stunde nur 1x vorbereiten müsste, kann ich mir Schule gar nicht vorstellen.

            Wie wollten Sie denn bereits vor der Einschulung erruieren, welches Kind in welchem Bereich begabt und minderbegabt ist? Was ist mit Kindern, die speziell in Mathe eine Hochbegabung haben, dafür aber im sprachlichen Bereich vielleicht durchschnittliche Leistungen erbringen können?

            Würden die, die bereits vor der Einschulung auffällig waren + überprüft werden durften (!), aus dieser Klasse genommen, wären es genau 3 Kinder weniger. Würden andere Kategorien angelegt, z.B. notwendige Nachteilsausgleiche, Hochbegabung, Wahrnehmungsstörungen, müssten etwa die Hälfte der Klasse wechseln – wo auch immer hin.

  8. @ Timo Reinemer
    Mich interessiert, ob Sie aus bekannter, schöner Theorie reden oder aus Erfahrung mit Ihrem Kind in einer Inklusionsklasse. Ein bisschen abgehoben von Realität und Lebensnähe kommt mir Ihr Beitrag schon vor trotz eingängiger Sätze wie “Diese Kinder werden sowieso von allen Seiten häufig als speziell oder besonders oder problematisch behandelt, aus welchem Grund soll man sie dann noch in Gruppen stecken, in denen sie nur unter “ihresgleichen” sind.”
    Mir ist von hochbegabten Kindern nicht zuletzt die Problematik bekannt, dass eine gravierende, dauerhafte Unterforderung sie erheblich belastet und oft Störungen verursacht, die Sie als “speziell oder besonders” bezeichnen. Ob reine Hochbegabtenklassen deswegen eingerichtet werden müssen, weiß ich zwar auch nicht, doch sie machen auf jeden Fall Sinn bei besonders bedenklichen Reaktionen auf Unterforderung.
    Dass sich hochbegabte Kinder aber grundsätzlich wohlfühlen in einer Inklusions-Klasse, bezweifle ich stark, auch wenn Sie sagen: “Es muss in einem modernen Land wie Deutschland doch möglich sein, diesen Kindern unter Beibehaltung der “normalen” Umgebung einer Regelklasse alternative Aufgaben zu geben, mit denen sie an ihre individuellen Grenzen kommen.”
    Sie spielen hier auf das sog. “individuelle Lernen” an, das für mich nichts weiter ist als die gebetsmühlenartige Wiederholung einer Chimäre. Hinzu kommt – wenn auch an anderer Stelle – das ebenso überstrapazierte Zauberwort “modern”, das mal wieder so ganz nebenher suggeriert, Schulen und Lehrer in einem fortschrittlichen Land müssten alles vollbringen können, auch Wunder an innerer Differenzierung in Klassen, die heterogener kaum sein können. Welche Schuldzuweisungen damit vorprogrammiert sind, wenn Lehrer an diesem Kunststück scheitern, liegt auf der Hand.
    Sie sagen weiter: “Lernen und Wissen aufsaugen können diese Kinder von ganz allein – deswegen ja auch hochbegabt…” Mit diesem Satz treiben Sie Ihre Werbung für die Inklusion meinem Empfinden nach auf die Spitze. Die Behauptung, hochbegabte Kinder könnten in der Schule sich selbst überlassen bleiben, übersteigt meine Vorstellungskraft vom Vater eines hochbegabten Kindes.

  9. Ach, ich dachte, das ist was Neues, auf das ich da rechts am Rande verwiesen wurde (“mehr Storys”, PS: musste natürlich “Storys” lauten, wie cooooool ), aber ach herrje, dabei ist das ein Artikel von 2013.

    Naja, aufgewärmt schmeckt’s ja meistens am besten – oder wie die Neudeutschen sagen würden: reloaded?

  10. Am Schluss steht: “Die Ergebnisse der Studie widersprechen laut den Wissenschaftlern dem derzeitigen Trend zur Inklusion.”

    Ich finde das gar nicht. Es sind zwei Seiten einer Medaille. Ich gehe davon aus, dass in heterogenen Gruppen die Schwächeren sich besser entwickeln können, als wenn sie nur mit anderen Schwachen zusammen sind. Gleichzeitig nehme ich an, dass dann die Stärkeren sich schlechter entwickeln können, als wenn sie nur mit anderen Starken zusammen sind. Sie werden entweder ausgebremst (Streber!) oder schalten von selbst einen Gang zurück, weil sie ja alles ganz locker ohne Anstrengung bewältigen. Die Inklusion wurde ja im Interesse der Schwächeren eingeführt, nicht der anderen. Von den anderen ist immer kaum die Rede.
    Ist diese Gedanke je widerlegt worden?

    • richtig. Die ganzen derzeitigen Maßnahmen dienen in erster Linie der Erhöhung der abiturquote, weil damit die Qualität des schulsystems politisch gewünscht gut dargestellt werden kann ohne die aufgabenlast der eltern zu erhöhen. die sollen ja beide voll arbeiten. was die Absolventen dann wirklich können, interessiert das Kultusministerium mangels Zuständigkeit nicht mehr.

  11. @Cavallieri
    Ich glaube nicht, “dass in heterogenen Gruppen die Schwächeren sich besser entwickeln können, als wenn sie nur mit anderen Schwachen zusammen sind.” Zu große Unterschiede in den Fähigkeiten sind von Nachteil für jeden Schüler, und der verlogene Heilsbegriff “innere Differenzierung” täuscht über diese Wahrheit nur hinweg.
    Dass bei der Inklusion “von den anderen immer kaum die Rede ist” und nur die angeblichen Bedürfnisse der behinderten Kinder genannt werden, stimmt. Es ist aber falsch, daraus zu schließen, nur eine Schülerklientel stehe auf der Verliererseite. Es sind beide.
    “Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt”, sind geflügelte Worte des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi und des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln.

    • “Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt”

      Der gewiefte Politiker und / oder Bildungsforscher würde dazu sagen, dass die schwachen sich (relativ) den Starken annähern. Sie, gudrun, haben aber mit Ihrer Aussage vollkommen recht, weil der Grad, in dem sich die Schwachen verbessern (wenn sie es angesichts der Reduktion der Anforderungen überhaupt tun) signifikant geringer ist als der Grad, in dem sich die Starken verschlechtern (bzw. deren Potenzial nicht ausgenutzt wird). Nicht umsonst sind die ganzen zentralen Leistungserhebungen in Wahrheit eine Nivellierung auf niedrigem Niveau.

    • gudrun: “Es ist aber falsch, daraus zu schließen, nur eine Schülerklientel stehe auf der Verliererseite. Es sind beide.”
      Ich bin ja auch sehr skeptisch, wollte aber wenigstens die eine Richtung zugunsten der Verfechter mal unterstellen. Die glauben zumindest fest daran. Das Kuriose ist ja, dass hochwissenschaftlich und offiziell das genaue Gegenteil verkündet wird, dass nämlich alle (!) profitieren:
      https://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2016/inclusion.html
      Typisch ist der abgebildete Rollstuhl. Und die Pädagogik-Professoren verkünden tapfer: “Kinder mit Lernproblemen setzen nicht unbedingt das Klassenniveau herab.”

      • “Kinder mit Lernproblemen setzen nicht unbedingt das Klassenniveau herab.”

        Wenn genügend vielen schwachen Schülern und nur wenigen wirklich guten Schülern könnten die Professoren statistisch gesehen sogar recht haben. Allerdings haben Pädagogik-Professoren naturgemäß nicht viel Ahnung von Naturwissenschaften. Und gerade in diesen Fächern (inkl. Mathematik) sieht man am deutlichsten das wirkliche Niveau, das in einer Klasse gefahren werden kann. Erfahrungsgemäß kann man mit guten Mathematikern in den Kursen anderer Fächer gut arbeiten, weil die eine vernünftige Arbeitseinstellung haben.

        Ach ja: Ein Rollstuhl braucht im Allgemeinen keine Inklusionsbemühungen seitens der Klasse oder der Lehrer. Eher eine Rampe, die die Kommunen bauen muss. Problematischer für den Betrieb Schule sind die körperlich gesunden Inklusionsfälle. Das bekommen die Professoren aber kaum unmittelbar mit, weil deren Kinder meist das Gymnasium besuchen, wo es nahezu keine körperlich gesunden Inklusionsschüler gibt.

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