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Wenn ein Pastor tötet – Pädagoge schreibt Roman nach echtem Fall

BRAUNSCHWEIG. Von einem der ungewöhnlichsten Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte hat sich der gelernte Gymnasiallehrer und langjährige Journalist Heinrich Thies zu einem Roman inspirieren lassen – von Pastor Klaus Geyer, der seine Frau tötete. Herausgekommen ist kein Krimi, sondern ein Roman über das tragische Scheitern einer Ehe.

Vom Gymnasiallehrer zum Buchautor: Heinrich Thies hat schon 15 Werke veröffentlicht - nun einen Roman über einen Pastor, der seine Frau tötet. Foto: micagoto / flickr (CC BY-NC 2.0)

Vom Gymnasiallehrer zum Buchautor: Heinrich Thies hat schon 15 Werke veröffentlicht – nun einen Roman über einen Pastor, der seine Frau tötet. Foto: micagoto / flickr (CC BY-NC 2.0)

Friedensaktivist, Ehemann, Pastor und Totschläger – Klaus Geyer war eine vielschichtige Persönlichkeit. Er war der erste Geistliche in der bundesdeutschen Justizgeschichte, der wegen Totschlags ins Gefängnis musste. Als Geyer 1998 vom Landgericht Braunschweig wegen des Todes seiner Ehefrau zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, verfolgte der Autor Heinrich Thies den Prozess als Journalist. Der spektakuläre Fall ließ ihn nicht los, jetzt ist sein auf dem Fall Geyer basierender Roman «Passion – Höllenfahrt eines Pastors» erschienen.

«Es ist kein Krimi, die Leser werden nicht auf die Folter gespannt, wer denn nun der Täter ist», sagt Thies. Sein 360 Seiten dickes Buch liest sich aber dennoch spannend: Es ist die Auseinandersetzung mit einer Beziehung, in der beide Partner am Spannungsfeld einer modernen Ehe scheitern. Hin und her gerissen zwischen den traditionellen Geschlechterrollen und einer offenen Ehe mit zahlreichen Affären scheitert die Beziehung. «Mich hat die Frage beschäftigt, wie aus Liebe wütender Hass wird», sagt der 59-jährige Autor Thies. Der Roman spiegele zudem die Krise der Kirche wider – und damit auch den Autoritätsverlust des Pastors.

Vom Pazifisten zum Totschläger

Die Romanfigur Christian Linde ist wie Klaus Geyer Pastor in einem Dorf. Beide sind ausgewiesene Pazifisten. Und beide haben Frauen, die im Laufe der Jahre immer erfolgreicher werden. Das schmerzt. Irgendwann rastet Linde dann – wie seinerzeit Geyer – derart aus, dass er seiner Frau den Schädel einschlägt. Mit dem Selbstbild des pazifistischen Theologen ist die Tat völlig unvereinbar. Und so streitet Linde die Tat nicht nur vor der Welt, sondern auch vor sich selbst ab.

«Die im Sommer 2012 gestorbene Gerichtspsychologin Elisabeth Müller-Luckmann hat mir bestätigt, dass die komplette Verdrängung einer solchen Tat möglich ist», sagt Autor Thies. Trotz erdrückender Indizien hat Geyer die Tötung seiner Frau niemals zugegeben – ob auch er die Tat verdrängt hat, weiß niemand. Geyer starb nach seiner vorzeitigen Entlassung 2003 an Krebs.

20 Verhandlungstage hatte sich das Gericht genommen, um ein Urteil zu finden. Fast täglich untermauerten neue Indizien den Verdacht gegen den Pastor. Gutachter fanden etwa Spuren von seltenen Ameisen und Pflanzen an seinen Stiefeln, die mit großer Wahrscheinlichkeit vom Leichenfundort stammten. Was genau sich am 25. Juli 1997 abspielte, blieb aber unklar – vielleicht hatte Veronika Geyer-Iwand nach 29 Ehejahren genug von den Affären ihres Mannes und wollte sich trennen. Vielleicht war dem Pastor aber sein Leben auch anderweitig aus dem Ruder gelaufen.

Autor Thies, ausgebildeter Gymnasiallehrer, war 25 Jahre lang Redakteur bei der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung», er veröffentlichte bisher 15 Bücher, darunter ein Sachbuch über einen Kindermörder und zwei Krimis. Thies will weder über die Tat noch über Motive des Täters spekulieren. Deswegen ist sein Buch ein Roman und keine Dokumentation geworden. «Außerdem gibt die Form des Romans mehr Gestaltungsraum», sagt er. dpa

(15.3.2013)

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