Experten: Schulen müssen sich mit Cybermobbing auseinandersetzen

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HALLE. Mobbing unter Schülern findet heute vielfach im Internet statt, zum Teil mit dramatischen Folgen. Gegenüber klassischen Händeln auf dem Schulhof haben Betroffene dabei auch zu Hause keinen geschützten Raum mehr. Experten fordern eine stärkere Sensibilisierung von Lehrern, Eltern und Schülern.

Die dramatischen Fälle von Audrie Pottt (15) und Rehtaeh Parsons (17) haben Aufsehen erregt. Beide Mädchen waren bei Partys vergewaltigt worden. Nachdem Mitschüler die Bilder ins Internet gestellt hatten, begingen sie Selbstmord. Aber auch wenn es oft weniger spektakuläre Konsequenzen hat: Cyber-Mobbing ist weit verbreitet. Nach einer Studie des Medienforschungsverbunds Südwest aus dem Jahr 2012 kennt jeder vierte Jugendliche jemanden, der Opfer von Cyber-Mobbing geworden ist.

Experten fordern stärkere Sensibiliserung von Lehrern, Eltern und Schülern für das Thema Cybermobbing. Foto: Helga Weber / Flickr (CC BY-ND 2.0)
Experten fordern stärkere Sensibiliserung von Lehrern, Eltern und Schülern für das Thema Cybermobbing. Foto: Helga Weber / Flickr (CC BY-ND 2.0)
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Aus Sicht der Medienanstalt Sachsen-Anhalt müssen daher Lehrer, Eltern und Schüler stärker für dieses Thema sensibilisiert werden. «Cybermobbing kommt häufiger vor als das direkte Mobbing in der Schule», sagte Matthias Schmidt, Bereichsleiter Medienkompetenzvermittlung bei der Medienanstalt in Halle. Diese Form sei im Vergleich zu Hänseleien auf dem Schulhof besonders infam, weil sie sich schnell verbreite, dauerhaft sei und oft von einer anonymer Quelle stamme. «Es ist das fortgesetzte Mobbing aus der Schule, vor dem die Schüler sonst wenigstens zu Hause Ruhe hatten.»

«Je nach Vertrauensverhältnis sollten die Eltern erste Anlaufstelle sein», sagte Schmidt. Klassen- und Vertrauenslehrer seien oft überfordert. «Die Medienanstalt wird oft wie eine kleine Feuerwehr in die Schulen gerufen.» Dort informiert sie Schüler, Lehrer und Eltern über das Thema. Jugendliche nutzten aber oft auch Gleichaltrige als Ansprechpartner in einer solchen schwierigen Situation, sich im Freundeskreis gemeinsam zu wehren sei oft effektiv. Die Medienanstalt, für die das Thema Cybermobbing seit etwa fünf Jahren auf der Tagesordnung stehe, bilde etwa an einer Schule in Halle Schülermedienscouts als Ansprechpartner für Mitschüler aus.

«Sich direkt zu wehren oder zu antworten ist oft nicht der beste Weg», sagte Schmidt. Damit könne eine Debatte angeheizt werden. Auch E-Mails mit der Bitte, Beleidigungen und Verleumdungen zu unterlassen, hätten selten Erfolg. Was sollen die Betroffenen nun tun? Schmidt rät: Angriffe in der Schule melden, Beweise in Form von Bildschirmfotos sichern. Manchmal sei es sinnvoll, einen Anwalt einzuschalten. Die letzte Möglichkeit sei eine Strafanzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung.

Von den Schulen forderte Schmidt, das Thema Cybermobbing zu thematisieren. «Einige Schulen erteilen ein striktes Handyverbot während der Schulzeit, so dass keine kompromittierende Fotos und Videos von Prügeleien oder auf der Schultoilette gemacht werden können.» Allerdings könne damit das Problem verlagert werden. (dpa)

(13.04.2013)

JIM-Studie 2012

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3 KOMMENTARE

  1. Zwischenzeitlich gibt es für die Schulen und Lehrkräfte viele gute Bücher und Ratgeber zum Thema “Mobbing”. Mittlerweile wird dieses Thema in immer mehr Schulen auch recht offensiv behandelt. Dennoch reicht das wohl noch nicht. Mir scheint, die Schulen kommen nicht umhin, ein komplexes Konzept zum Thema “Mobbing im Internet” zu erarbeiten. Betroffene SchülerInnen müssen wissen, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können. Die TäterInnen dürfen sich nicht sicher sein, unentdeckt zu bleiben. Zu diesem Konzept gehört für mich auch die Frage nach Sanktionen gegen die VerursacherInnen.
    Was mich aber geradezu sprachlos macht, ist die Tatsache, dass es immer mehr junge Menschen gibt, denen es offensichtlich einen “tierischen” Spaß bereitet, andere vorzuführen, zu erniedrigen, zu verleumden, zu denunzieren, zu schikanieren … . Warum handeln die so? Was treibt sie an? Was wächst da für eine Geration heran?

  2. An anderer Stelle erwähnte ich bereits das Buch von Sylvia Hamacher: “Tatort Schule”. Die ehemalige Schülerin ist in ihrer Schulzeit Opfer von immer gemeineren Mobbingattacken gewesen. Auch sie dachte an Selbtmord. Die Schulleitung erwies sich als vollkommen überfordert. Erst nach dem Schulwechsel war ihr Leidensweg beendet. Inzwischen geht sie mit dem Thema ganz offen um und versucht bei ihren Schulbesuchen für das Thema zu sensibilisieren.

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