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„Du bist okay so wie du bist“ – Neues Buch der Ex-Super-Nanny Saalfrank

BERLIN.  Als «Super Nanny» setzte Katharina Saalfrank früher störrische Kinder auf die «stille Treppe», um sie zur Besinnung zu bringen. Davon hält die Pädagogin inzwischen nichts mehr. In einem Buch fordert sie nun sogar das Ende der Erziehung.

Mitgestaltung, Selbstbestimmung, Dialog: Die als «Super Nanny» bekanntgewordene Pädagogin Katharina Saalfrank fordert eine Wende in der Kindererziehung. Genauer gesagt: Das Ende der «ERziehung» und stattdessen eine «BEziehung» zwischen Eltern und Kind. Denn bei der Erziehung nutzten Eltern ihre Machtposition, um eigene Interessen durchzusetzen, schreibt sie. «Erziehend schneiden wir Kinder passfähig für die Welt der Erwachsenen, wir berauben sie vieler ihrer Potenziale und Möglichkeiten.» Saalfranks Botschaft ist zugleich der Titel ihres Buches: «Du bist ok, so wie du bist.»

Diese Position sei nicht neu, sagt der Diplom-Psychologe Andreas Engel. Vieles spreche für Saalfranks Sicht. «Bei der Erziehung schwingen Machtverhältnisse mit – der Erzogene ist der Ohnmächtigere», erläutert der stellvertretender Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Dies stehe einer guten Beziehung zwischen Eltern und Kind im Wege.

Mag nicht mehr die "Super Nanny" sein: Katharina Saalfrank. Foto: SPD Saar / Flickr

Mag nicht mehr die „Super Nanny“ sein: Katharina Saalfrank. Foto: SPD Saar / Flickr

Doch wie erziehen Eltern ihre Kinder heute? «Die wenigen Kinder werden immer wertvoller», sagt Engel. Das habe Vor- und Nachteile. Kindliche Bedürfnisse würden stärker wahrgenommen. Allerdings habe ein «Förder-Irrsinn» Einzug gehalten, bei dem Kinder im Krippenalter schon Förderpläne mit Musik, Sport und Sprache von ihren Eltern erhielten.

Ulrich Wehner von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe beschreibt die «Beschleunigungspädagogik»: «Wir haben nicht nur versucht, Fahrzeuge immer schneller zu machen, sondern auch Köpfe», sagt der Professor für Frühe Bildung, Elementar- und Grundschulpädagogik. Als Beispiele nennt er das Abitur nach zwölf Jahren und frühere Einschulungen. Kritiker hätten bereits zu viel Stress bei Kindern nachgewiesen – denn der Ehrgeiz der Eltern könne Leistungsdruck erzeugen.

In den vergangenen Jahren kam zudem die autoritäre Erziehung scheinbar wieder in Mode. Die «Tigermutter» Amy Chua pries in ihrem Bestseller Zwang und Drill bei der Erziehung ihrer Töchter. «Die Tiger-Mama hatte ein besonderes Bild, wie Kinder werden sollen. Diese Erziehungsmethoden enden in Beziehungskatastrophen», sagt Psychologe Engel.

Auch Saalfrank kritisiert diese Entwicklung. Und sie schlägt eine Alternative vor: «Anstatt Gehorsam, Unterordnung und Respekt von Kindern zu erwarten, übernehmen die Erwachsenen eine verantwortungsvolle Führungsrolle, üben keine Macht aus bzw. missbrauchen ihre elterliche Rolle nicht, um ihre Interessen durchzusetzen, sondern setzen sich ernsthaft mit den Anliegen der Kinder auseinander.»

Wichtig sei eine offene Haltung dem Kind gegenüber. «Die Kinder werden um ihrer selbst willen geachtet und geliebt und nicht, weil sie sich anpassen oder etwas tun, was wir von ihnen verlangen», schreibt sie. Von ihrer Erziehungsmethode der «stillen Treppe» aus der RTL-Sendung «Die Super Nanny» ist Saalfrank inzwischen weit abgerückt. Anna Schürmann/dpa

(4.5.2013)

Ein Kommentar

  1. Hier werden weiter die alten Thesen und Antithesen als angebliche Gegensätze aufeinander gehetzt, obwohl die Synthese seit Jahrhunderten bekannt ist und in Tausenden gesunder Familien gelebt wird – die hat Supernanny nur vielleicht nie kennengelernt.

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